Begleitung von Pflegefamilien - Die Rolle der Familienberatung

Shownotes

Was macht eigentlich eine Familienberaterin oder ein Familienberater? In dieser Folge sprechen wir mit zwei erfahrenen Familienberaterinnen über ihre Aufgaben, die Begleitung von Pflegefamilien und wertvolle Erfahrungen aus der Praxis. Sie erzählen, wie sie Pflegeeltern unterstützen, welche Herausforderungen es gibt – und teilen besondere Erlebnisse aus ihrer Arbeit.

📌 Themen dieser Folge: ✅ Welche Aufgaben haben Familienberater:innen? ✅ Wie werden Pflegefamilien begleitet und unterstützt? ✅ Einblick in das System „Westfälische Pflegefamilien“ ✅ Persönliche Erlebnisse und schöne Momente aus der Beratung

📖 Weiterführende Links: 🔗 Handbuch zu den Qualitätsstandards des Systems Westfälische Pflegefamilien (LWL-Landesjugendamt Westfalen) → https://www.wpf.lwl.org/media/filer_public/e7/b3/e7b3afa7-afca-4be6-88e4-105080aafda5/fassung_qhb_april_2024.pdf 🎵 Unsere neue Musik-Playlist zum Thema Kinderrechte → https://open.spotify.com/playlist/2ew1tC2kq3tOuZ0jqkAr9h?si=EQxLQoXRT-6IXk1SynaL-g&pi=jGcB8RJhR92m7

🌐 Mehr Infos zum Netzwerk Pflegefamilien gibt es auf www.netzwerk-pflegefamilien.de

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Transkript anzeigen

00:00:00: Ich finde das einfach an eine so vielseitige Arbeit,

00:00:05: die wir hier machen dürfen.

00:00:08: Das ist eine unglaublich hohe Verantwortung,

00:00:11: Kinder in Familien zu vermitteln, die Familien zu begleiten.

00:00:16: Diese Pflegeeltern finde ich mal wieder bewundernswert,

00:00:20: auch was die leisten.

00:00:22: Mit wie viel Liebe und Warmherzigkeit und Offenheit

00:00:27: und was die auch manchmal aushalten.

00:00:31: Wie ist das denn für euch so ein erster Date

00:00:36: zwischen den potenziellen Pflegeeltern und dem potenziellen Pflegekind?

00:00:41: Man ist ja mit aufgeregt, wirklich.

00:00:44: Also mir geht das wenigstens so.

00:00:46: Das sind so wunderbare magische Momente.

00:00:51: Gerade wo du die Frage stellst,

00:00:54: habe ich ganz viele Bilder im Kopf,

00:00:57: die mir kommen von diesen Momenten, die ich schon miterleben durfte.

00:01:00: [Musik]

00:01:04: Netzwerkpflegefamilien, der Podcast.

00:01:07: [Musik]

00:01:10: Herzlich willkommen zu einer neuen Folge von Netzwerkpflegefamilien, der Podcast.

00:01:14: Heute werfen wir einen Blick hinter die Kulissen der Familienberatung.

00:01:18: Welche Aufgaben haben eigentlich Familienberaterinnen und Familienberater?

00:01:23: Wie stehen sie Pflegeeltern zur Seite und begleiten sie auf ihrem Weg?

00:01:27: Und es fehlt auch persönlich, denn meine beiden Gäste,

00:01:30: Edda Hermani und Silvia Pankow,

00:01:32: teilen ihre Erfahrungen und besondere Erlebnisse aus ihrer Arbeit.

00:01:36: Freut euch auf spannende Einblicke und einige wirklich wunderschöne Geschichten.

00:01:40: Und damit starten wir auch direkt.

00:01:42: Ich wünsche euch viel Spaß mit der heutigen Ausgabe.

00:01:45: [Musik]

00:01:48: Edda Silvia, schön, dass ihr heute bei mir seid

00:01:51: und wir heute über eure Arbeit sprechen.

00:01:54: Mögt ihr euch erst einmal selber kurz vorstellen?

00:01:57: Ja, ich bin Silvia Pankow und ich bin seit ungefähr 6 Jahren hier im VSE

00:02:04: als Familienberaterin und habe davor viele Jahre im Jugendamt gearbeitet.

00:02:10: Allgemeinen Sozialdienst.

00:02:13: Hab so ganz klassische Bezugssozialarbeit gemacht,

00:02:16: hatte, war immer zuständig für einen Stadtteil

00:02:19: und habe mich da immer so ein bisschen gefühlt,

00:02:22: wie so eine Kontaktbereichsbeamtin, die ansprechbar ist.

00:02:25: Und weil ich ja auch in Kleinstädten gearbeitet habe,

00:02:28: in Oldenburg halt und da kannte man mich auch.

00:02:32: Und ich wohnte dann auch noch da, weil kann man günstig finden oder nicht.

00:02:36: Aber ja, und dann habe ich halt auch die Menschen immer auch mal wieder getroffen,

00:02:40: für die ich zuständig war.

00:02:42: Und ja, da war ich auch immer ansprechbar.

00:02:45: Ja, das war meine Arbeit dort.

00:02:48: Kontaktbereichsbeamtin.

00:02:50: Ja, so. Also wie das früher so war, der kannte man den Kontaktbereich.

00:02:54: Er stand dann immer, da hat er dann auch mal hingegangen,

00:02:56: hat den angesprochen, der war dann auch nett.

00:02:58: Der war halt zwar kein gruseliger Polizist oder so.

00:03:01: Du hoffst dich nicht wie eine Polizistin dabei.

00:03:04: Nein, überhaupt nicht.

00:03:06: Obwohl das, glaube ich, manchmal schon so wahrgenommen wurde.

00:03:09: Super.

00:03:11: Edda, wie ist es denn bei dir?

00:03:13: Ja, hallo, ich bin Edda Hamani

00:03:15: und ich bin seit zweieinhalb Jahren etwa jetzt hier beim VSE als Beraterin.

00:03:19: Und war vorher schon 20 Jahre bei einem anderen Träger in der gleichen Rolle tätig.

00:03:25: Und davor habe ich im psychiatrischen Kontext gearbeitet

00:03:28: und hatte sehr viel mit Menschen zu tun, die ähm ähnliche Schicksale gehabt haben,

00:03:35: wie unsere Pflegekinder, die wir ähm heute begleiten.

00:03:39: Aber die eben im Unterschied zu unseren Pflegekindern

00:03:42: keine zweite Chance in ihrem Leben bekommen haben.

00:03:44: Und das war für mich eine sehr große Motivation,

00:03:47: mich dann diesem Aufgabenbereich als Beraterin für Pflegefamilien zu verschreiben.

00:03:54: Hm, so wie war es bei dir, den Wechsel von der Kontaktbereichsbeamtin

00:03:59: in Anführungsstrichen zu einer Familienberaterin hier im VSE?

00:04:02: Ja, also ich weiß nicht, uns wohnt das ja allen so inne, glaube ich, jedenfalls.

00:04:06: Ich kann das auf jeden Fall für mich sagen,

00:04:08: dass wir diese Berufstätigkeit im sozialen Bereich ja auch wählen,

00:04:13: weil wir irgendwie ja was Sinnstiften das machen wollen, wollen,

00:04:17: also ich wollte Kinder retten.

00:04:19: Das war für mich immer völlig klar, wenn ich da in den Bereich ging.

00:04:22: Und das, der erste Schritt war für mich äh dann ins Jugendamt zu gehen.

00:04:25: Und ähm das war für mich auch viele Jahre okay.

00:04:29: Ähm aber irgendwann war es auch so, hatte dieser, diese Berufstätigkeit auch ähm

00:04:36: ja was verbrennen das, fand ich.

00:04:39: Also das war so dieses, man will Gutes tun,

00:04:41: das wird aber nicht unbedingt als positiv wahrgenommen.

00:04:44: Also die Rückmeldung ist halt auch nicht da und ja, ja negative Rückmeldung,

00:04:49: weil man kommt ja so als böse Frau vom Jugendamt daher und ich wollte dann auch nicht immer nur die Schwere des Lebens

00:04:56: in diesem Berufsfeld ausüben, sondern ich wollte auch mal irgendwas bewirken im Nachgang.

00:05:03: So auch sehen, so geht es dann hin.

00:05:05: Und da war dieses, dieser Bereich für mich so ansprechend,

00:05:08: ich hab ja dann die systemische Ausbildung gemacht und hab mich dann hier beworben

00:05:13: und das ist eigentlich genau das, dass man wirklich auch sieht,

00:05:16: dass man Kindern irgendwie positiv äh unterstützt,

00:05:21: dass man positiv unterstützen kann, auf den Weg bringen kann.

00:05:24: Das habe ich dort im Jugendamt nur in Teilen so erlebt,

00:05:28: aber hier noch viel intensiver und schöner.

00:05:31: Also was, was singt das?

00:05:33: Also das Weste kommt zum Schluss, kann man sagen.

00:05:35: Also jetzt ist ja das mein letzter Teil in der Berufstätigkeit, den ich hier mache.

00:05:41: Also eine Sinnstiften der Tätigkeit.

00:05:44: Ja, absolut.

00:05:45: Ja, da geht es dir ähnlich?

00:05:48: Ja, also auf jeden Fall.

00:05:50: Ich finde das einfach eine so vielseitige Arbeit, die wir machen dürfen

00:05:57: und das ist eine unglaublich hohe Verantwortung,

00:06:02: Kinder in Familien zu vermitteln, die Familien zu begleiten,

00:06:06: diese Entwicklung auch zu sehen, die die Kinder machen können.

00:06:11: Wenn wir alle viel dafür tun, das Kindeswohl sozusagen im Blick zu behalten

00:06:16: und auch mit den leiblichen Eltern letztendlich eine gute Zusammenarbeit hinzubekommen,

00:06:22: das ist wirklich was, wo man unglaublich viel Selbstwerksamkeitserfahrung machen kann.

00:06:27: Auf der anderen Seite aber auch immer wieder vor große Herausforderungen gestellt wird

00:06:32: und das ist für mich so ein ganz wichtiger Punkt auch gewesen.

00:06:36: Es wird nie langweilig, man muss sich immer weiterentwickeln, weiterbilden und auch selbst an sich arbeiten

00:06:42: und man kann an unglaublich vielen Prozessenteil haben

00:06:47: und ja, ich erlebe das auch als sehr emotional, dass mich das häufig sehr, sehr berührt.

00:06:54: Das ist auch was wir da so erleben.

00:06:58: Es wird ganz dankbar, finde ich. Ich bin immer dankbar für die Arbeit.

00:07:03: Das ist auch eine ganz andere Erfahrung zu dem, wie es vorher war.

00:07:09: Also wie ich es gerade schon gehört habe, ein großes Feld, was ihr eigentlich machen müsst.

00:07:14: Also das ist jetzt nicht, dass man am Schreibtisch sitzt

00:07:18: und immer die gleiche Tätigkeit auswirkt,

00:07:21: sondern diese große Ambivalenz, eine Satz für die Pflegefamilie da zu sein, den Kontakt zu den Eltern

00:07:27: und wahrscheinlich zu den Jugendämtern, Frauenmündern zu halten.

00:07:30: Welche Fähigkeiten und Eigenschaften, ich meine, natürlich auch hier ein relativ bunter Haufen

00:07:37: und jeder hat seine Stärken

00:07:40: und aber welche Fähigkeiten und Eigenschaften würdet ihr sagen, sind für diesen Beruf eigentlich wichtig?

00:07:46: Ich glaube, das Menschenbild ist erstmal eine wichtige Voraussetzung,

00:07:53: mit welchem Menschenbild, mit welcher Haltung wir diese Tätigkeit ausüben.

00:07:58: Also dieses erstmal allen offen gegenüber zu sein, nicht eng im Kopf,

00:08:06: sondern wirklich alle da erstmal anzunehmen, wo sie sind, sei es die Pflegefamilien

00:08:12: oder aber auch die Herkunftsfamilien.

00:08:16: Ich habe das sehe ich auch so, also unglaublich einen Respekt vor den Familien oder Paaren

00:08:23: oder auch Einzelpersonen, die ein Pflegekind aufnehmen

00:08:28: und sich diese Entwicklungsaufgabe letztendlich auch stellen.

00:08:32: Das ist eine sehr, sehr herausfordernde Aufgabe, aber auch unglaublich vielfältig

00:08:40: und auch sehr schön.

00:08:42: Genauso habe ich aber auch wirklich großen Respekt vor den leiblichen Eltern mitzuerleben,

00:08:48: was es für sie bedeutet, nicht mehr mit ihren Kindern zusammenleben zu dürfen

00:08:52: und sie so gut wie möglich auf diesem Weg auch zu begleiten, trotzdem für ihre Kinder weiter da zu sein

00:08:58: und auch ihr eigenes Leben weiterzuführen.

00:09:02: Das ist schon, ja, das ist groß.

00:09:05: Ja, und Teil haben zu können und sich da irgendwie so auch immer wieder den,

00:09:12: also ich finde, dass es einfach so, ich lerne so wunderbare Menschen kennen

00:09:17: und das sind die Pflegeeltern und aber auch Herkunftseltern können wunderbar sein.

00:09:24: Also die müssen nicht immer nur so schrecklich sein,

00:09:26: sicherlich gibt es da auch welche, die sind nicht gut erreichbar

00:09:29: und haben aber auch ihre eigene Geschichte,

00:09:31: aber man lernt dort auch wunderbare Menschen kennen und mit viel Größe

00:09:36: und die auch richtig viel leisten.

00:09:39: Aber du hattest uns ja eigentlich auch nach den Fähigkeiten gefragt,

00:09:42: die man letztendlich mitbringen muss für diese Arbeit oder sollte.

00:09:46: Ich glaube, dass Flexibilität wirklich eine ganz wichtige Eigenschaft ist.

00:09:52: Also ich finde das zum Beispiel auch mega, dass kein Tag ist wie der andere

00:09:56: und es keinen Zeitrasse gibt, was man in der Woche abarbeitet,

00:10:01: sondern wir haben eine hohe Gestaltungsfreiheit unseren Arbeitstag zu gestalten.

00:10:08: Das bedeutet natürlich auch, dass man eine gewisse Struktur schon mitbringen sollte,

00:10:12: damit man sich da nicht verfranzt.

00:10:14: Man muss die Dinge ja auch alle erledigt bekommen.

00:10:16: Ich glaube, dass es auch wichtig ist, sich wirklich regelmäßig zu reflektieren,

00:10:21: sich auch selbstfragen zu stellen oder auch sich mal infrage zu stellen.

00:10:27: Ja, Teamfähigkeit finde ich total wichtig, weil wir,

00:10:30: das ist ein ganz wichtiger Faktor in unserer Arbeit,

00:10:33: uns fachlich wirklich auch immer gut austauschen mit unseren Kollegen.

00:10:37: Wir haben regelmäßig Supervisionen mit Kollegen von anderen Trägern im WPF-System.

00:10:42: Das ist auch fachlich sehr wichtig.

00:10:45: Wir gestalten auch Angebote für die Pflegefamilien oder auch für die Kinder oder für die Eltern.

00:10:53: Also Kreativität, finde ich, ist auch ein wichtiger Faktor.

00:10:58: Und was ich finde, man muss natürlich auch mit schwierigen Fakten gut umgehen können.

00:11:08: Also Empathie finde ich wichtig, aber man muss es auch aushalten können,

00:11:13: manchmal zu erfahren, was Kinder da vorher schon erlebt haben.

00:11:18: Das geht schon auch ein bisschen an den Nieren, finde ich.

00:11:21: Also man muss sich auch angemessen abgrenzen können.

00:11:24: Das finde ich auch wichtig.

00:11:26: Ja, das stimmt. Aber dafür haben wir auch immer hier uns,

00:11:29: wir sind Gott sei Dank ein super Team.

00:11:32: Wir sind immer gut im Austausch und mit viel gegenseitigem Verständnis und Rückhalt.

00:11:39: Was ganz wichtig ist für diese Arbeit.

00:11:42: Ja, das finde ich ist auch ein ganz wichtiger Faktor,

00:11:46: dass wir die Verantwortung einfach auch teilen mit unseren Kollegen oder mit unseren Koberatern,

00:11:50: die ja für uns auch sehr wichtig sind, mit denen wir einfach auch noch mal viele Dinge besprechen können,

00:11:56: wo wir Fragezeichen haben oder wo wir vielleicht auch unsicher sind.

00:12:00: Genau, also das ist schon ein wichtiger Faktor.

00:12:05: Hast du gerade Koberater gesagt, das ist etwas Spezielles von dem Modell der wisfilischen Pflegefamilien,

00:12:11: da wir die später noch mal drauf eingehen, was das eigentlich heißt, was ein Koberater ist?

00:12:17: Du hast es jetzt gerade schon gesagt, man muss sehr flexibel sein und wahrscheinlich ist dann kein Tag wieder andere.

00:12:24: Meine nächste Frage, die auf meinem Zettel hier steht, ist, gibt es so etwas wie einen typischen Arbeitsalltag?

00:12:29: Das glaube ich jetzt, kann man an der Stelle schon mal verneinen.

00:12:32: Aber wie könnte denn so ein beispielhafter Arbeitstag für euch aussehen?

00:12:36: Wie beginnt der, wie endet der, wann endet der vielleicht auch?

00:12:40: Das ist ja wahrscheinlich auch ein bisschen bunt, weil früher mal später.

00:12:45: Auf jeden Fall müssen wir sehr flexibel sein und uns schon den Bedingungen in den Familien anpassen,

00:12:54: wenn die Zeit für Gespräche haben, da werden die ja regelmäßig aufsuchen und mit denen ins Gespräch gehen.

00:13:01: Also es ist jetzt nicht so, dass man sagt, um 14 Uhr kommen Sie zu mir ins Büro, sondern...

00:13:06: Wir fahren dann schon hin.

00:13:08: Und schaut dann, wann haben Sie am besten Zeit?

00:13:12: Genau, wann haben Sie am besten Zeit, wann ist für Sie so eine Möglichkeit, wo Sie sich wirklich auch gut auf sich besinnen können

00:13:19: und auch Ruhe und Zeit haben für ein Gespräch und Austausch.

00:13:23: Und das kann auch mal abends sein bei einigen Pflegefamilien, ist das tatsächlich so, die dann über den Tag so eingebunden sind

00:13:31: und die Ruhe nicht haben und dann auch, wenn dann beide gerne am Gespräch teilnehmen möchten,

00:13:36: was ja eigentlich immer zu wünschen ist und dann, wenn der eine Partner oder beide vielleicht sogar tagsüber arbeiten,

00:13:44: dann geht es halt auch nur abends, dann auch da.

00:13:48: Und vor allen Dingen, weil wir ja auch viel mit den Familien am Wochenende und den Kindern machen,

00:13:54: sind wir da ja auch verfügbar.

00:13:56: Wir versuchen das auch im Rahmen zu halten, dass das immer so, aber es ist schon so das...

00:14:02: Und dann ist es natürlich auch noch jedem selber überlassen, wie er am Wochenende noch verfügbar ist.

00:14:09: Also es ist schon so, dass es hilfreich ist oder sein sollte, dass wir am Wochenende telefonisch schon noch mal erreichbar sind,

00:14:16: in dem Sinne, dass wir mal aufs Handy schauen.

00:14:18: Insbesondere, wenn es vorher schon sich abzeichnete, dass es in der Familie vielleicht ein bisschen kriselig ist

00:14:24: und dass wir dann aufs Handy schauen und dann auch verfügbar sind, wenn die Krise ist.

00:14:29: Also mir geht das immer so, je früher man so einen kleinen Brand herlöscht,

00:14:34: das so besser ist und weitet sich nicht zu einem großen Feuer aus.

00:14:38: Und mir fällt es auch nicht schwer, muss ich gestehen, am Wochenende auszuhören.

00:14:42: Für mich ist das kein... ich kann das trotzdem zwischendurch abschalten.

00:14:47: Ich habe da kein Problem, weil manche sagen, wo Gott, am Wochenende muss man sich ja völlig ausklinken.

00:14:52: Also wenn man das nicht muss und man...

00:14:55: Also das wäre schon hilfreich, wenn man das, glaube ich, mitbringt, diese Bereitschaften am Wochenende aus Handy zu schauen.

00:15:01: Genau, also muss es auch in Fleisch und Blut übergegangen.

00:15:04: Ich mache das auch, wenn ich abends von einem privaten Termin nach Hause komme,

00:15:08: schreue ich immer noch mal aufs Handy, ob irgendwas ist.

00:15:11: Und häufig ist dann tatsächlich auch noch mal was, wo man aber auch sehen kann,

00:15:14: okay, das kann bis morgen früh warten oder jetzt ist vielleicht auch wirklich noch mal angesagt,

00:15:19: da ein bisschen Unterstützung zu bieten.

00:15:21: Genau, die Arbeitstage sind wirklich sehr abwechslungsreich.

00:15:26: Das kann zum Beispiel sein, dass man morgens mal ein Kind im Kindergarten besucht und auspitiert

00:15:31: und sich mit den Kooperationspartnern da vor Ort unterhält,

00:15:36: gemeinsam auch mit den Pflegeeltern oder mit einem Pflegeeltern teil

00:15:40: oder dass man mit Lehrern spricht, die Probleme haben und die sich dann an einen wenden

00:15:47: oder man Termin im Jugendamt hat zum Fachgespräch.

00:15:51: Morgen habe ich zum Beispiel ein Besuchskontakt morgen Nachmittag

00:15:55: und den bereite ich mit den leiblichen Eltern auch noch vor,

00:16:00: damit die im Grunde auch schon gut vorbereitet sind, was von dem Kind zu kommen kann.

00:16:06: Oder heute Nachmittag treffe ich eine junge Jugendliche

00:16:11: und werde mit er ein bisschen rausgehen und zu persönlichen Themen besprechen, die schwierig sind.

00:16:16: Genau, also es ist wirklich sehr abwechslungsreich.

00:16:20: Das kann man sagen und das macht es aber auch wirklich, finde ich, total interessant

00:16:26: und auch herausfordernd.

00:16:29: Bei dem Besuchskontakt, wenn du den dann vorsprichst, was besprecht ihr denn an der Stelle vor?

00:16:35: Also ich erzähle den leiblichen Eltern oder morgen in dem Fall,

00:16:39: es ist die leibliche Mutter, wie das Kind sich gerade so entwickelt,

00:16:43: was so aktuelle Themen sind, wie es in der Schule läuft

00:16:48: und worauf sie sich vielleicht auch einstellen sollte, was kommen könnte vom Kind.

00:16:54: Also wenn Kinder gerade eine bestimmte Phase durchmachen

00:16:58: und vielleicht auch provokativ sind, das setzt manchmal den leiblichen Eltern auch sehr zu

00:17:02: und das ist gut, dann vorher das schon mal anzusprechen,

00:17:05: damit die innerlich auch schon so ein bisschen vorbereitet sind

00:17:08: und wir dann auch miteinander gucken können, wenn so was kommt, wie können wir das dann händeln?

00:17:12: Dass da keine Überforderung passiert und die sich dann auch gut aufgehoben und begleitet fühlen.

00:17:19: Ja, also das Ziel an der Stelle ist, dass dieser Besuchskontakt möglichst für alle Parteien positiv verlaufen kann

00:17:25: und sowohl für die Eltern des Kindes, als auch für die Pflegekinder,

00:17:30: die hinterher mit einem guten Gefühl vielleicht rausgehen können.

00:17:33: Bei aller Anspannung, die es natürlich bei einigen Besuchskontakten geben kann.

00:17:37: Genau, mit dem Kind habe ich auch schon vorher gesprochen,

00:17:40: dass wir uns morgen treffen und dass er sich überlegen kann,

00:17:45: ob sie ein Spiel mitbringen möchte und so, damit sie auch so ein bisschen Gestaltungsmöglichkeiten bekommt.

00:17:52: Das klappt eigentlich immer ganz gut.

00:17:54: Könnt ihr sagen, so gibt es so bestimmte Momente oder bestimmte Sachen,

00:18:00: die in eurer Arbeit vorkommen, wo ihr sagen könnt, hey, das macht mir eigentlich am meisten Spaß.

00:18:07: Das bereitet mir die größte Freude.

00:18:10: Also wenn man die Familien so mit den Kindern erlebt und irgendwie das fast schon so ein Freizeitcharakter hat

00:18:17: und mit denen gemeinsam irgendwie, so wie beim Sommerfest,

00:18:21: irgendwie gemeinsame Momente lustig geteilt oder so, das sind sehr schöne Momente.

00:18:26: Ja, und wenn man so miterleben darf, wie die doch glücklich sind so miteinander,

00:18:32: wenn man das Matching hat gepasst, so eine Pflegeeltern und Kinder passen super gut zusammen

00:18:39: und das sind immer so wirklich beseelende Momente, finde ich.

00:18:46: Und auch wenn dann noch so ein Zug kommt, dass das auch mit dem Herkunftssystem gut klappt,

00:18:51: dass da so einfach die Rollen klar sind und alle das so annehmen können,

00:18:57: die Situation, wie es ist und ihren Frieden damit gemacht haben, das sind immer so,

00:19:03: ja, das ist einfach schön, weil das Kind kann sich dann gut entwickeln

00:19:06: und man sieht, welche Schritte das macht. Das ist einfach unheimlich schön, ja.

00:19:11: Also ich finde so die Vielseitigkeit in unserer Arbeit total toll

00:19:18: und bin immer wieder super happy, so tolle Kooperationspartner auch zu haben.

00:19:25: Also es war gerade so in den letzten Monaten, dass ich dachte, wow, was für eine gute Zusammenarbeit.

00:19:30: Wir sind ja so ein bisschen Drehe und Angelpunkt zwischen Jugendamt, Pflegefamilie, Vormund, Leiblicherfamilie

00:19:39: und auch den Kooperationspartner in der Schule und im Kindergarten

00:19:44: und mit so vielen wirklich Klasse zusammenarbeit zu haben, total auf Augenhöhe

00:19:53: und einfach auch sehr wertschätzend und immer so das Wohl des Kindes im Blick zu haben,

00:19:59: das finde ich richtig, richtig gut.

00:20:01: Und was ich halt super finde ist, wenn wir Kinder langfristig begleiten

00:20:07: von dem ersten Moment an, wo es einen Kennenlernen gegeben hat mit den Pflegeeltern,

00:20:14: bis vielleicht die Erwachsenen eine Ausbildung machen,

00:20:18: so diese ganze Entwicklung miterleben zu dürfen, mit allen Stolpersteinen

00:20:23: und auch vielleicht schwierigen Situationen und trotzdem dann zu erleben,

00:20:29: wie gestärkt die Kinder und Jugendlichen dann ins Leben gehen

00:20:33: und sich teilweise auch noch melden bei uns, wenn sie schon Mitte 20 sind

00:20:38: und einfach nochmal auf ihre Biografie gucken wollen und Fragen haben.

00:20:43: Das finde ich richtig toll, muss ich echt sagen.

00:20:47: Das kann ich mir gut vorstellen, dieser längschnitt, diese biografischen Aspekte

00:20:52: dann nochmal nachzuschauen, wie hat das eigentlich alles angefangen.

00:20:56: Und es fängt ja an sich noch früher an, nämlich dass Pflegeeltern überhaupt erstmal

00:21:03: oder dann Menschen auf die Idee kommen, ich kann mir das überhaupt vorstellen,

00:21:06: Pflegefamilie zu werden.

00:21:08: Und das ist ja auch ein Teil eurer Aufgabe, nämlich Pflegefamilien,

00:21:12: interessierte Menschen auf diese Aufgabe vorzubereiten,

00:21:16: was wir Bewerberfamilien nennen, das fängt mit dem ersten Gespräch an.

00:21:20: So, wo ihr dann, glaube ich, dann alleine oder zur zweiten, die Familie kommt,

00:21:25: wie läuft so ein Gespräch ab, so ein erstes Gespräch

00:21:28: und was sind da auch so häufige Fragen, die ihr dann beantworten könnt?

00:21:32: Ja, häufig ist es wirklich so erstmal so ein Kennenlernen,

00:21:40: was sind das überhaupt für Menschen, aus welchem Grund sitzen wir da,

00:21:47: wo haben die von uns gehört, wie lange sind die schon mit dieser Idee unterwegs

00:21:54: und die Bewerber, also genannten Bewerber, haben ja dann auch ganz viele Fragen an uns.

00:22:00: Wie geht es überhaupt, so eine Vorbereitung, was gehört dazu, wie lange dauert das,

00:22:06: was muss man überhaupt für Voraussetzungen mitbringen

00:22:10: und auch langfristig gesehen, ganz viele Menschen haben die Frage,

00:22:16: ja, ist das denn überhaupt dann auch langfristig mit dem Pflegekind

00:22:19: oder bleibt das vielleicht irgendwie nur ein Jahr, so,

00:22:22: das natürlich, wenn wir eine Dauerpflege vorbereiten,

00:22:27: dass langfristig sozusagen ein Pflegeverhältnis ist

00:22:30: und wenn alles gut matcht, sozusagen die Kinder dort auch erwachsen werden können in der Familie,

00:22:37: das sind für viele ganz wichtige Informationen.

00:22:41: Ja, das ist ja auch so, dass das oft auch, oder nicht selten vorkommt,

00:22:46: dass es auch ungewollt kinderlose Paare sind, die sich melden

00:22:49: und für dieses auch zum Beispiel ganz wichtig, diese Frage, bleibt das dann auch bei uns

00:22:55: oder wird uns das wieder weggenommen, das sind natürlich,

00:22:57: das ist ein ganz großer Wunsch nach Familie und sich einlassen wollen

00:23:01: und auf ein Kind und das ist mit einer großen Sorge auch verbunden,

00:23:07: kann uns das dann jederzeit wieder weggenommen werden,

00:23:09: wenn wir uns da so emotional aufmachen und diesen Teil gut zu besprechen

00:23:15: und da sensibel mit umzugehen.

00:23:19: Ich glaube, das sind so die emotionalen Themen, sind ganz, ganz wichtig,

00:23:23: dann kommt irgendwann auch der rechtliche Teil, der ganz wichtig ist

00:23:27: und auch was ganz wichtig ist, was können die Kinder mitbringen?

00:23:31: Was könnten wir uns vorstellen, auch dann gleichzeitig in den Prozess zu gehen,

00:23:35: was können die potenziellen Pflegeeltern sich vorstellen,

00:23:39: worauf können sie sich einlassen, kann das Kind auch mit besonderen,

00:23:43: erschwerten Bedingungen in die Familie kommen

00:23:46: und trauen die Eltern sich das zu, das gut zu versorgen

00:23:51: und mit den Kindern in den Prozess zu gehen.

00:23:55: Ja, ich finde gerade diese Frage bleibt,

00:23:58: bleibt das Pflegekind denn bei uns, das begegnet mir, wenn ich irgendwie bei Instagram,

00:24:04: irgendwie bin, das bekommen wir häufig die Frage

00:24:07: oder auch bei einem Infoabend, den wir jetzt neulich hatten.

00:24:10: Das ist ja an sich gar nicht so leicht zu beantworten, finde ich,

00:24:15: weil natürlich ist es beim Rahmen von WPF auf Dauer angelegt,

00:24:20: aber es ist ja keine Adoption, das sind ja nicht die Pflegeeltern,

00:24:23: das sind ja nicht die rechtlichen Eltern

00:24:25: und in den allermeisten Fällen gibt es keine Rückführung.

00:24:29: Was antwortet ihr da, wie kann man darauf gut antworten,

00:24:32: auf diese Frage ohne irgendwie falsche Hoffnung zu machen,

00:24:35: aber auch gleichzeitig nicht ein Restschrisiko, was es vielleicht gibt,

00:24:40: das zu dramatisieren.

00:24:43: Also wie kann man darauf gut antworten?

00:24:46: Ja, also ich finde, wir schauen immer schon ganz gut,

00:24:50: mit welcher Geschichte kommen die Kinder überhaupt bei uns,

00:24:54: quasi tauchen die auf bei uns und sollen vermittelt werden

00:24:59: und da kann man schon an den Geschichten erkennen,

00:25:02: wie wahrscheinlich ist das, dass es da zu einer Rückführung kommt

00:25:06: und so das versuchen wir den Pflegeeltern auch zu sagen,

00:25:09: dass wir natürlich schon sind, sie will gucken, was für ein Kind das ist

00:25:13: und aus welchen, was für eine Lebenssituation kommt,

00:25:16: welche Bedingungen liegen davor

00:25:18: und dann kann man so mit ein bisschen Erfahrung

00:25:21: und vielleicht Austausch von erfahrenen Kollegen und Kolleginnen

00:25:24: schon noch sehen, ob das, wie hoch die Prozentzahl ist,

00:25:27: dass das Kind zurückgeführt wird

00:25:29: und da können wir dann schon die Pflegeeltern beruhigen.

00:25:32: Natürlich müssen wir auch darauf hinweisen,

00:25:34: da klar am Gesetz steht, dass es immer eine Rückführungsoption gibt.

00:25:38: Das steht da so drin, aber die Wahrscheinlichkeit

00:25:41: ist sehr, sehr, sehr gering

00:25:43: und ich habe es höchstens aus einer heim Einrichtung,

00:25:46: aus einer stationären Einrichtung erlebt,

00:25:48: dass ein Kind zurückgeführt wurde.

00:25:50: Hier bei uns im Bereich habe ich es selber persönlich nicht erlebt.

00:25:54: Das geht mir auch so.

00:25:56: Also ich bin ja schon fast 25 Jahre in dem Bereich,

00:25:59: ich habe es jetzt auch noch nicht erlebt,

00:26:01: aber wir sagen den Bewerbern und Pflegeeltern natürlich,

00:26:05: dass Leiblicheeltern auch das Recht haben,

00:26:08: das Rechtlich nochmal überprüfen zu lassen.

00:26:11: Na klar, aber ich sehe das genauso wie du, Silvia,

00:26:15: dass wir einfach vorab schon gucken,

00:26:18: wie ist die rechtliche Situation vor der Vermittlung.

00:26:21: Wir lernen ja auch häufig die Leiblichen Eltern kennen,

00:26:24: wir haben einen intensiven Austausch mit dem Jugendamt

00:26:27: oder auch mit der Bereitschaftspflege

00:26:29: oder der Heimatinrichtung, wo das Kind vorher lebt

00:26:31: und dann kann man schon sehr, sehr viel Faktoren gut zusammenfassen

00:26:36: und sich daraus auch letztendlich eine Meinung bilden,

00:26:42: wie wahrscheinlich könnte das überhaupt sein.

00:26:45: Wenn wir wissen, dass das Pflegeeltern Bewerber sind,

00:26:49: den ganz wichtig ist, dass das Kind dort groß werden kann,

00:26:54: dann gehen wir da schon auf Nummer sicher

00:26:56: und würden nicht wackelige Anfragen sozusagen vermitteln.

00:27:01: Wo da schon steht, es könnte sein,

00:27:03: dass das würde ich keinen Fall machen.

00:27:06: Man fragt dann lieber noch mal dreimal nach,

00:27:08: bevor man genau dieses Kind aussucht,

00:27:12: was dann in der Pflegefamilie sein könnte.

00:27:15: Ja, und ich denke, wenn es zu einer Rückführung wirklich kommt,

00:27:20: da muss ja viel vorher auch passiert sein.

00:27:22: Ja, und das würde sich lange vorher schon abzeichnen

00:27:25: und ich finde, wenn so ein Kind erstmal in der Familie gebunden ist

00:27:29: oder überhaupt dort lebt,

00:27:31: dann wird auch, kenne ich eigentlich nicht,

00:27:33: dass dann irgendwie ein Familiengericht auch bereit wäre,

00:27:36: mal eben so ein Versuch heraus,

00:27:38: so ein Beziehungsabbruch zu riskieren.

00:27:41: Also, dass man dann sagt, ja gut,

00:27:43: die haben sich jetzt ja ein halbes Jahr oder ein Jahr ganz gut stabilisiert.

00:27:49: Jetzt können wir das Kind ja zurückführen

00:27:51: und setzen damit auf das Spiel,

00:27:54: gehen dann mit um das dann ein Beziehungsabbruch stattfinden.

00:27:58: Für dieses Kind, was ja schon vielleicht ein, zwei, manchmal auch drei Beziehungsabbrüche erlebt hat

00:28:03: und dann noch einen weiteren, der sich jetzt stabilisiert hat, nochmal.

00:28:08: Also, ich finde die Wahrscheinlichkeit ist ja sehr, sehr gering.

00:28:12: Na ja, und dazu muss man sagen, genau je länger ein Kind in der Pflegefamilie lebt,

00:28:17: desto sicherer ist es dort ja auch in der Regel gebunden, wenn es gut läuft

00:28:23: und dann ist das eben auch das, was das Kindeswohl letztendlich erfordert,

00:28:27: dass diese Bindung erhalten bleibt.

00:28:29: Und auf der anderen Seite arbeiten wir ja auch, wie wir eben schon gesagt haben,

00:28:33: sehr mit den leiblichen Eltern auch das Wohl des Kindes im Blick zu haben

00:28:38: und deshalb sozusagen wirkt das ja auch in der Regel so, dass die Eltern dann merken, okay,

00:28:45: das ist auch ein Prozess der Akzeptanz.

00:28:47: Ich sehe, mein Kind geht es in dieser Familie gut

00:28:50: und viele leibliche Eltern kommen auch wirklich dahin zu sagen, wow,

00:28:54: ich bin nefflig von mir auch dankbar, dass mein Kind da so einen guten Platz hat

00:28:59: und von dieser Idee auch einfach komplett weg.

00:29:04: Ja, und wenn die dann auch in der Lage sind zu reflektieren,

00:29:08: diese Herkunftseltern, wo ihre Grenzen sind, dann entsteht ja irgendwie was ganz Schönes am Ende,

00:29:15: dass sie dann sagen, ich bin froh und dankbar, dass mein Kind dort aufwachsen kann.

00:29:20: Ich liebe das Kind, aber ich glaube, ich könnte ihm das vielleicht nicht so bieten, wie es das braucht,

00:29:26: aber diese Liebe kann ich immer wieder formulieren, indem ich zuverlässig komme

00:29:31: und mich für meinen Kind interessiere und in Kontakt gehe

00:29:35: und diesen Teil Eltern zu leben, wenn die das schaffen, auch da Eltern sein zu können.

00:29:39: Sagen wir mal, Pflegekinder sind Kinder mit vier Eltern.

00:29:42: Und wenn dann ein paar Eltern da leben, sie und eins, haben sie doch was sie mal irgendwie,

00:29:48: wo sie entstanden sind sozusagen.

00:29:50: Und wenn das gut klappt, das ist für das Kind einfach ein Geschenk.

00:29:54: Ja, und es ist, glaube ich, auch für die Eltern des Kindes,

00:29:58: ja, es ist einerseits eine wahnsinnige Trauerarbeit, die sie leisten müssen

00:30:04: und gleichzeitig aber auch verdient das riesen Respekt, wenn sie wirklich dazu kommen,

00:30:11: das zu akzeptieren, dass das Kind nicht bei mir leben kann.

00:30:14: Das finde ich immer wieder faszinierend.

00:30:16: Ich hatte ja auch schon mal ein Interview mit einer leiblichen Mutter

00:30:19: und da bin ich mit Tränen in den Augen rausgegangen.

00:30:23: Weil diese Geschichten zu hören, das ist wirklich ganz, ganz besonders.

00:30:29: Das ist wirklich ganz besonders, finde ich auch.

00:30:31: So, kommen wir nochmal auf das Thema Vorbereitung zurück.

00:30:35: Genau, das ist im ersten Gespräch und zu den ersten Fragen gibt es ja eine längere Vorbereitung.

00:30:41: Ungefähr neun Monate, mal ein bisschen schneller, mal ein bisschen,

00:30:45: mal dauert es ein bisschen länger, auch da seid ihr relativ individuell,

00:30:49: auch was die Pflegeeltern, die angehenden Pflegeeltern brauchen.

00:30:53: Was ist denn euch bei der Vorbereitung besonders wichtig

00:30:57: oder wo habt ihr vielleicht auch da besonders Spaß,

00:30:59: an welchen Themen die zu besprechen?

00:31:03: Ja, wir gucken natürlich immer,

00:31:06: erst mal ist ja man selber neugierig, wer da so ist,

00:31:09: was sind das für Menschen, man ist ja selber neugierig,

00:31:12: interessiert, möchte so ein Gefühl dafür entwickeln,

00:31:15: wer sitzt davor, mir?

00:31:17: Und so ein Gespür einfach dafür zu kriegen, was ist das für ein Mensch?

00:31:21: Klar hat man dann mal erstmal so einen Eindrucken ersten,

00:31:24: aber dann über die Gespräche lernt man sich erkennen.

00:31:27: Und für mich ist es erstmal Offenheit wichtig,

00:31:30: dass sie sich zeigen mögen,

00:31:32: dass klar, es muss auch ein bisschen wachsen, vertrauen,

00:31:36: muss da auch ein bisschen entstehen, dass das nicht Schlimmes ist,

00:31:39: dass wenn sie sich öffnen, das war ja auch eine Voraussetzung

00:31:42: für diese Aufgabe, Offenheit und sich zeigen mögen

00:31:46: und vielleicht auch mal die Bereitschaft zu zeigen,

00:31:50: wo ist es für mich manchmal schwierig im Leben,

00:31:54: was läuft gut, was läuft manchmal nicht so gut,

00:31:57: wie offen sind diejenigen, wie reflektiert,

00:31:59: das finde ich immer wichtig für mich erst mal.

00:32:02: Ja, und auch überhaupt so die Situation,

00:32:05: also dadurch, dass die Familien sozusagen sich in so einen Vorbereitungsprozess begeben,

00:32:11: werden sie ein Stück weit eine öffentliche Familie.

00:32:15: So nennen wir das, wenn wir Pflegefamilien sozusagen haben,

00:32:19: die öffnen sich ja für uns,

00:32:21: wir sitzen bei denen am Küchentisch oder im Wohnzimmer

00:32:24: und sind ja auch am Anfang noch recht fremd

00:32:26: und sprechen über Kinderlosigkeit

00:32:29: oder die persönlichen Themen, die die Familien halt mitbringen in diesen Prozess.

00:32:32: Und das ist schon, da braucht schon echt sehr viel Vertrauen,

00:32:36: finde ich, und auch eine Offenheit,

00:32:38: Dinge Fragen zu können, sich zeigen zu dürfen.

00:32:43: Das ist schon ein dickes Fund, finde ich.

00:32:46: Und ja, das bereitet letztendlich auch so ein bisschen auf die Arbeit später vor.

00:32:51: Wenn die Familien belegt sind, dann kommen wir auch regelmäßig

00:32:55: und besprechen dann die Themen, die auf der Seele liegen

00:32:59: und die vielleicht schwierig sind oder wo sie Unterstützung brauchen.

00:33:03: Genau.

00:33:04: Und im Vorbereitungsprozess sind wirklich auch spannende Themen.

00:33:08: Wir beschäftigen uns mit den Themen Bindung.

00:33:11: Was ist das überhaupt? Wie entsteht das?

00:33:14: Und was für Voraussetzungen bringen die Kinder mit,

00:33:17: die wir vermitteln für so ein Bindungsprozess?

00:33:20: Was haben die vorher für Erfahrungen gemacht?

00:33:22: Warum sind die überhaupt aus der Familie rausgenommen worden?

00:33:25: Also, da muss ja vorher auch schon ein bisschen was passiert sein,

00:33:29: bevor so ein Kind in Deutschland aus einer Familie rausgenommen wird.

00:33:32: Das muss man ganz klar sagen.

00:33:34: Dann natürlich auch damit, hey, was haben die auch vielleicht schon

00:33:38: für sehr schlimme Erfahrungen machen können?

00:33:41: Also das Thema Traumatisierung gehört auf jeden Fall auch

00:33:45: zum Vorbereitungsprozess dazu.

00:33:47: Dann wird sie auch Kontakt zu den leiblichen Eltern geben.

00:33:52: Beschäftigen wir uns natürlich auch damit.

00:33:55: Wie kann man sich so eine leibliche Familie vorstellen?

00:33:59: Und wie wird man auch auf Besuchskontakte vorbereitet?

00:34:05: Wie häufig können die vielleicht stattfinden?

00:34:08: Und in welchem Rahmen?

00:34:10: Dass die immer an einem neutralem Ort stattfinden.

00:34:13: Bei uns zum Beispiel hier in unseren Räumen vom VSE.

00:34:17: Und letztendlich gibt es da ganz viele Themen,

00:34:22: die sich vorstellen können, dass die Herkunftsfamilie annehmen.

00:34:29: Also das finde ich auch, dass sie da eine Offenheit haben,

00:34:33: dass sie die annehmen können.

00:34:36: Also gut, manche machen es einem auch ganz schwer,

00:34:39: Herkunftseltern anzunehmen, das muss man leider auch sagen.

00:34:42: Aber nicht alle. Es gibt ja auch Unterschiede.

00:34:45: Aber dass sie grundsätzlich die Bereitschaft haben,

00:34:48: wenn sie Pflegeeltern werden, dass sie eben wie gesagt

00:34:51: diese Offenheit nicht nur in den öffentlichen Raum haben,

00:34:54: sondern auch hinsichtlich des Herkunftssystems,

00:34:56: die Offenheit sich bewahren.

00:34:58: Und auch den Verständnis, Blick sich dort bewahren können

00:35:02: für das Herkunftssystem, was manchmal ja so anders ist,

00:35:06: als das eigene System, in dem man lebt.

00:35:09: Und die Ansprüche, die man hat.

00:35:11: Aber dass man trotzdem sagt, okay, bei denen ist das so.

00:35:14: Das wird sein Grund haben, warum die so sind, wie sie sind.

00:35:17: Aber ich kann das so stehen lassen.

00:35:19: Ich muss mich nicht darüber hinwegsetzen und die abwerten,

00:35:22: weil die ja, ihr könnt ja ihr Kind nicht großziehen.

00:35:25: Und ich bin ja der bessere Mensch so.

00:35:27: Weil ich rette dieses Kind und bin der bessere Mensch.

00:35:30: Und die kriegen es halt nicht hin, die sind halt nicht gut.

00:35:33: Und das finde ich immer das Wichtigste.

00:35:35: Das ist wieder das Menschenbild, die Haltung.

00:35:38: Dass ich sage, okay, die haben es aus irgendwelchen Gründen.

00:35:41: Wir haben sie es nicht geschafft.

00:35:43: Die haben das Kind, die es nicht gewählt.

00:35:45: Und die lieben ihr Kind auch auf ihre Art und Weise.

00:35:48: Und das einfach so stehen zu lassen.

00:35:50: Und das nicht bewerten zu müssen, sondern einfach zu akzeptieren.

00:35:53: Das ist eine ganz wichtige Voraussetzung, finde ich auch,

00:35:56: um einen Kind wirklich auch wertschätzend annehmen zu können.

00:36:00: Weil das Kind ist aus diesen Eltern entstanden.

00:36:03: Das sind die Wurzeln.

00:36:05: Und es ist ein Teil dieser leiblichen Eltern.

00:36:08: Und da ist es, glaube ich, immer ganz wichtig zu differenzieren,

00:36:11: die Menschen, leibliche Eltern und den Verhaltensweisen,

00:36:14: die sie gezeigt haben.

00:36:16: Und genau wie du es sagst, ich finde auch, jeder handelt im Rahmen

00:36:19: seiner Möglichkeiten.

00:36:21: Und es gibt leider wirklich viele Menschen,

00:36:23: die aufgrund ihrer eigenen Geschichte auch sehr begrenzte Möglichkeiten

00:36:26: nur haben, gut für ihre Kinder da zu sein.

00:36:28: Und was noch wichtige Themen sind,

00:36:31: sind so die Integrationsphasen der Kinder.

00:36:33: Wenn ein Kind in eine Pflegefamilie vermittelt wird.

00:36:36: Wie verleucht die Integration,

00:36:38: wie verhält es sich vielleicht am Anfang?

00:36:40: Wo man denkt, oh super, das ist ja alles klasse.

00:36:43: Kind ist total angepasst.

00:36:45: Ganz vorsichtig.

00:36:47: Aber mit viel Geld gehört die Honeymoonphase.

00:36:49: Ja, genau.

00:36:51: Ich wunderbare Beküfte.

00:36:53: Genau.

00:36:55: Und diese Honeymoonphase endet meistens dann auch ziemlich abrupt.

00:36:58: Oder es gibt auch Kinder, die überspringen diese Phase.

00:37:01: Und sind direkt gleich ganz forsch unterwegs.

00:37:04: Genau.

00:37:06: Ganz wichtig.

00:37:08: Und was wir uns natürlich auch mit den Bewerbern anschauen,

00:37:12: sehr individuell.

00:37:14: Und nehmen uns auch viel Zeit dafür, ist ihre eigene Biografie.

00:37:18: Und das nennen wir Genokramarbeit.

00:37:21: Da erarbeiten wir mit den Bewerbernheits- und Familien.

00:37:24: Stammbaum in der Art ist es.

00:37:26: Und schauen uns an, wie sind die aufgewachsen?

00:37:29: Was haben die selbst für eine Erziehung genossen?

00:37:32: Was haben die für Werte entwickelt?

00:37:35: Und was möchten sie davon auch gerne weitergeben?

00:37:38: An das Kind, was sie aufnehmen?

00:37:40: Und was vielleicht aber auch gerade nicht?

00:37:42: Was möchten sie vielleicht gerade anders machen als ihre Eltern?

00:37:45: Das sind ja ganz spannende Fragen auch.

00:37:48: Und das bedeutet natürlich auch,

00:37:50: dass man schon vertrauensvolle Zusammenarbeit hat.

00:37:54: Das sind ja wirklich sehr persönliche Themen.

00:37:57: Aber für uns total wichtig,

00:37:59: weil wir in diesem Vorbereitungsprozess natürlich versuchen,

00:38:03: die Menschen so gut wie möglich kennenzulernen,

00:38:06: um danach dann wirklich auch das bestmögliche passende Kind

00:38:11: für diese Familie zu finden.

00:38:13: Wenn, sag ich mal so, man wirklich so ein Super-Match findet,

00:38:16: was wie die Faust aus Auge zu dieser Familie passt,

00:38:20: dann sind das schon mal 50 Prozent, mit denen man startet.

00:38:25: Weil so ein Super-Match, das ist Gold wert.

00:38:30: Und genau dafür ist es dann aber wichtig,

00:38:32: was die Eltern sich vorstellen können,

00:38:34: was so zu ihnen passt, was sie sich zutrauen.

00:38:36: Dass sie da ehrlich mit sich sind und auch das Öffnen mögen

00:38:39: und da ein Teil haben lassen mögen,

00:38:41: dass wir ein gutes Gespür kriegen,

00:38:43: damit sie auch erfolgreich Eltern und Familie sein können.

00:38:47: Also ich höre so ein bisschen gerade drei Ziele

00:38:51: von der Vorbereitung.

00:38:53: Einmal so ein rein kognitiver Aspekt.

00:38:55: So was ist Traumatisierung beispielsweise?

00:38:58: Und was ist Bindung und wie funktioniert das?

00:39:00: Das zweite ist dieser Haltungsaspekt,

00:39:02: der ja auch letztlich dazu dient,

00:39:05: dass man hinterher auch mit dem Pflegekind

00:39:08: auch wertschätzend über die Eltern sprechen kann,

00:39:12: das Kindes.

00:39:13: Und der dritte halt dieses Matching.

00:39:15: Also dass man hinterher mit den Pflegeeltern zusammenschaut,

00:39:18: was für ein Kind kann wir aufnehmen,

00:39:21: wo sind auch vielleicht unsere Grenzen.

00:39:23: Also diese drei Punkte.

00:39:26: Ich würde durchaus sagen, da würde ich noch einen vierten dazu.

00:39:30: Also versuchen auch so in Verknüpfung damit,

00:39:34: was die Kinder vorher erlebt haben,

00:39:36: nochmal ganz konkrete Verhaltensweisen auch an Beispielen,

00:39:40: an vielen Beispielen darzustellen.

00:39:42: Wie könnte sich ein Kind in welchen Situationen verhalten,

00:39:46: damit die Leute auch eine Idee davon kriegen,

00:39:48: hey, was kommt denn auch konkret auf den Platz auf und zu

00:39:51: oder was könnte auf und zu kommen.

00:39:53: So, das finde ich auch nochmal ganz wichtig,

00:39:56: weil das Leben verändert sich maßgeblich

00:39:59: durch die Aufnahme eines Kindes.

00:40:01: Und ich finde immer ganz wichtig, dass die Menschen,

00:40:04: das ist natürlich, sage ich mal, ein Trockenlauf

00:40:07: und eine Vorbereitung.

00:40:10: Man kann letztendlich so eine Situation,

00:40:13: wie es dann hinterher sein wird,

00:40:15: nicht 100% in der Vorbereitung kreieren

00:40:18: oder sich vorstellen, weil es einfach über die Vorstellung geht.

00:40:21: Aber ich finde es wichtig, dass die Menschen wissen,

00:40:25: das, was einfach einzukommt, das ist uns klar.

00:40:28: Wir wissen, worauf wir uns einlassen.

00:40:30: Und das finde ich erstmal eine richtig gute Voraussetzung.

00:40:33: Viel besser, dass die dann hinterher sagen,

00:40:35: oh, das ist ja viel besser und problematischer,

00:40:38: als wir uns das vorgestellt haben, als umgekehrt.

00:40:41: Und ich finde also dieser Aspekt,

00:40:44: das Vertrauen in eine Beratungsperson zu gewinnen

00:40:48: in dem Vorbereitungsprozess und zu wissen,

00:40:51: egal was hinterher kommt, wenn ein Kind da ist,

00:40:55: der Berater oder die Beraterin,

00:40:57: die wird immer an unserer Seite sein.

00:40:59: Und wir können uns voll auf die verlassen.

00:41:01: Und die sind auch immer so sehr gut.

00:41:03: sozusagen für uns erreichbar, wenn wir sie brauchen.

00:41:05: Genau, das ist ein dickes Fund.

00:41:07: Das ist ein dickes Fund, dass die so ein Backup haben.

00:41:10: Das denke ich mal so, wenn ich denke, ja, irgendwie ist das ja auch gar nicht schlecht.

00:41:14: Das hätte ich mir manchmal auch gewünscht, als meine Kinder klein waren.

00:41:16: So ein Backup, wo ich da hingehen kann, dann kann ich das alles erzählen,

00:41:19: weil es gerade schwierig ist.

00:41:20: Man kann es dann zu Ansprechpersonen.

00:41:21: Ja.

00:41:22: Und die dann auch, also man hat ja immer seine Ansprechpersonen, sei es vielleicht

00:41:25: irgendwie die eigenen Eltern, gute Freunde, die vielleicht schon ältere Kinder haben

00:41:30: oder so, aber quasi aus dieser professionellen Perspektive zu haben.

00:41:33: Ja.

00:41:34: Das ist auf jeden Fall schon ein Fund, was dann Pflegeeltern haben.

00:41:38: Ja, und wenn man das dann auch noch annehmen mag und das auch für sich zu nutzen war,

00:41:44: ist und dann, ja, läuft, wirklich, kann man so platt sagen, dann läuft es auch gut.

00:41:49: Jetzt haben wir viele Ziele quasi gehört von dieser Vorbereitung.

00:41:55: Das eine ist ja hinterher, dass man eine genaue Perspektive hat, was für ein Kind kann diese

00:42:01: Pflegefamilie eigentlich aufnehmen.

00:42:03: Und dann habt ihr einen Familienprofil erstellt und geht dann auf die Suche und dann guckt

00:42:10: ihr nach einem passenden Match, so ein bisschen wie bei Tinder, aber auch ein bisschen anders

00:42:16: wahrscheinlich.

00:42:17: Wie funktioniert das denn genau?

00:42:19: Ja.

00:42:20: Also zum einen gibt es natürlich die Möglichkeit.

00:42:24: Wir haben ja ganz viele Kooperationspartner bei den Jugendämtern, von denen wir auch

00:42:28: die Vermittlungsanfragen bekommen.

00:42:29: Und wenn man da mal Gespräch hat oder so, dann kann man einfach auch schon mal sagen,

00:42:34: Mensch, ich habe da eine richtig tolle Bewerberfamilie und die würden gerne ein Kind in dem und dem

00:42:38: Alter und mit dem und dem Hintergrund aufnehmen.

00:42:41: Ist da, habt ihr im Moment was?

00:42:44: Auf der anderen Seite bekommen wir auch täglich ganz viele Vermittlungsanfragen von ganz vielen

00:42:48: Jugendämtern, weil die Not einfach sehr groß ist, weil ganz viele Kinder einen Platz suchen.

00:42:54: Und dann bekommen wir natürlich auch sehr gut geschildert.

00:42:57: So, was hat das Kind erlebt?

00:42:59: Wo lebt es jetzt?

00:43:00: Wie lange lebt es schon dort, wo es jetzt ist?

00:43:03: Und was für Anforderungen oder was für Vorstellungen gibt es über mögliche Pflegeeltern?

00:43:10: Was sollten die mitbringen?

00:43:11: Und dann kann man schon mal so ein bisschen abgleichen.

00:43:14: Wenn ich das Gefühl habe, ja, das könnte wohl so grob passen, dann nehme ich einen Kontakt

00:43:19: auf zum Jugendamt.

00:43:21: Und dann ist es häufig so, dass die aussagen, ja, es gibt auch noch einen Vormund oder

00:43:25: sie können auch gerne mit der Bereitschaftspflege sprechen.

00:43:27: Und das ist dann der nächste Schritt.

00:43:30: Ja, und dann ist für mich unabdingbar.

00:43:33: Ich muss das Kind vorher einmal kennengelernt, gesehen haben, um ein Gefühl dafür zu bekommen,

00:43:39: ob das wirklich passen könnte.

00:43:40: Und das ist manchmal wirklich so krass.

00:43:43: Also die Beschreibungen der Kinder oder auch die schriftlichen Dinge, die man bekommt, sind

00:43:48: manchmal schon ein bisschen heftig, sage ich mal so.

00:43:51: Und ich habe es einmal erlebt, dass ich eigentlich schon gar nicht mehr das Kind kennenlernen

00:43:56: wollte.

00:43:57: War aber sowieso in der Stadt und dachte ja gut, wegen dem anderen Kind, dann nehme ich

00:44:01: das auch noch mit und dann habe ich das Kind gesehen und dachte, Wahnsinn, das ist genau

00:44:06: das Kind für die Familie.

00:44:09: Und habe gedacht, das war im ersten Moment sofort klar.

00:44:11: Und ja, das hat so gut gemetscht.

00:44:15: Und also im Grunde ein Gefühl für das Kind zu kriegen, so wie verhält sich das, wie

00:44:20: spricht es, wie distanzlos ist das auch.

00:44:23: Also das Kind zum Beispiel war mega distanzlos, ist mir direkt auf den Schoß gehüpft und

00:44:28: wollte meine Tasche ausräumen.

00:44:30: Und ja, diese ganzen Eindrücke von dem Kind zusammen mit dem, was wir schriftlich wissen,

00:44:38: die Vorgeschichte, die nehme ich dann mit, mache mit der Bewerberfamilie dann einen

00:44:43: Termin aus und stelle das Kind dann erst mal nach der Aktenlage und nach dem, was ich

00:44:47: an persönlichen Eindrücken gefunden habe vor.

00:44:50: Das habe ich natürlich vorher dann auch mit dem Jugendamt schon alles so vereinbart, dass

00:44:55: wir diesen Weg gehen.

00:44:56: Also es ist immer so ein bisschen unterschiedlich, es gibt nicht immer nur einen Weg.

00:45:00: Das muss man halt abstimmen, aber in vielen Fällen ist es halt so.

00:45:03: Und wenn die Familie dann sagt, ja, das hört sich ja echt gut an, das können wir uns vorstellen.

00:45:09: Sagen wir, schlafen sind nochmal drüber.

00:45:10: Und wenn die dann am nächsten Tag oder übernächsten sagen, jo, wir können uns das immer noch

00:45:15: vorstellen, dann ist es häufig so, dass wir dann erstmal ein Kennenlern-Termin mit dem

00:45:19: Jugendamt machen und die sagen, ja, wir wollen gerne die Familie auch kennenlernen, weil

00:45:23: wir kennen das Kind ja auch und wollen auch unseren Eindruck haben.

00:45:26: Ja, und dann sagen, ja, Mensch, die Familie ist ja genauso wie im Profil beschrieben.

00:45:32: Wir finden die total sympathisch, wir können uns das gut vorstellen.

00:45:37: Und dann ist in der Regel der nächste Schritt, dass wir dann einen Kennenlern-Termin mit

00:45:43: dem Kind sozusagen vereinbaren.

00:45:45: Genau.

00:45:46: Häufig als Blind Date.

00:45:49: Genau, also es wird sehr unterschiedlich gemacht bei älteren Kindern, die wissen

00:45:55: das, denen ist das sowas von klar.

00:45:57: Und selbst bei den Jüngeren hat man häufig einen Eindruck, dass die haben das im Blut.

00:46:02: Die wissen ja in einer Bereitschaftslege so klein sie auch sind häufig.

00:46:05: Wir können dann nicht bleiben, es wird ein anderer Platz für uns gesucht und deshalb

00:46:10: haben die das halt auch.

00:46:11: Häufig schon erlebt bei anderen Kindern, die mit ihnen da zusammen leben und haben

00:46:16: es im Blut so, aber ja, es wird häufig als Blind Date verkauft.

00:46:20: Genau, und häufig gibt es dann diese Termine auch, also beispielsweise auf dem Spielplatz,

00:46:25: wo man erstmal wirklich vor einer Distanz gucken darf.

00:46:27: Da ist es dann ja wirklich ein bisschen blind, weil auf dem Spielplatz viele Familien und

00:46:32: da kann es dann auch so ein, dass ja die Kinder davon gar nichts mitbekommen.

00:46:38: Wie ist das denn für euch so ein erster, so ein erstes Date zwischen den potentiellen

00:46:46: Pflegeeltern und dem potentiellen Pflegekind ist ja für Pflegeeltern, das weiß ich, sehr,

00:46:52: sehr emotional, häufig auch verbunden mit Schockverliebt oder vielleicht auch nicht.

00:46:59: Was heißt das überhaupt, wie ist das denn aus eurer Perspektive und wie ist das für

00:47:04: euch auch emotional?

00:47:05: Das ist ja auch etwas, da kann ich jetzt auch nicht ganz ruhig bleiben, sondern das nimmt

00:47:09: dann natürlich auch vielleicht die emotionalen.

00:47:11: Ja, total, man ist ja mit aufgeregt wirklich, also mir geht das wenigstens so.

00:47:16: Oder Edda, die auch.

00:47:17: Ja, aber das sind so wunderbare magische Momente.

00:47:21: Das ist unglaublich, ja.

00:47:22: Gerade wo du die Frage stellst, habe ich ganz viele Bilder im Kopf, die mir kommen von

00:47:28: diesen Momenten, die ich schon miterleben durfte und das ist was, was wirklich so

00:47:33: emotional und das bleibt.

00:47:36: Und das Schöne ist, dass man auch immer wieder mit den Familien darauf zurückschauen kann,

00:47:41: wie war das damals und was ich auch mega finde, wenn die Kinderelter sind, mit denen

00:47:46: dann, die hören das auch so gerne, diese ersten Momente, wenn die noch klein sind, dann erinnern

00:47:52: die das ja nicht mehr so bewusst, aber es erzählt so bekommen, wie schön das schon vom

00:47:57: ersten Moment war und auch, wie die Kinder sich auf die neuen Pflegeeltern zubewegt haben

00:48:02: und was sie denen schon, ja sozusagen für Aufmerksamkeit geschenkt haben.

00:48:08: Das ist wirklich toll.

00:48:11: Soll ich mal eine Geschichte erzählen?

00:48:12: Ich habe das so erlebt mit einer Familie, einer kinderlosen Paar, die sich ja das gut

00:48:20: vorstellen konnten und in der Vorbereitung waren, diese war eigentlich quasi abgeschlossen

00:48:25: und dann über einen Jugendamt pro Gebiet dann ist es ja, da ist nur ein zehn Monate

00:48:31: altes kleines Mädchen zur Vermittlung und das klang so ganz stimmig so und dann haben

00:48:40: wir gesagt, ja gut, dann kommen wir jetzt mal und gucken uns, ich bin da nicht hingefahren

00:48:44: vorher, ich habe dann nur die Informationen geholt, habe mich mit den Pflegeeltern ausgetauscht

00:48:49: über die Informationen und das zeigte keinerlei Auffälligkeiten, war zehn Monate alt, war

00:48:54: wirklich mini noch und dann sind wir da hin und saßen dann in so einem, beim Jugendamt

00:49:00: glaube ich war gerade kein Raum zur Verfügung, dann waren wir bei irgendeinem, was ich nicht

00:49:06: so einen anderen Träger noch, saßen wir in so Räumlichkeiten, etwas improvisiert in

00:49:10: großer Runde mit der Bereitschaftspflegemutter, mit der Formel, mit der Jugendamtsmitarbeiterin,

00:49:17: mit den Pflegeeltern und mit mir, also es war eine große Runde und diese kleine dabei

00:49:21: und wir haben uns einfach so in die Runde gesetzt, sogar ein bisschen improvisiert auch

00:49:26: und die kleine saß dann bei der Pflegemutter und war sehr aktiv und der Pflegevater saß

00:49:31: so quasi ihr ging über seitlich und sieg und er war eher so so ein ganz zurückhaltender

00:49:38: erstmal und er hatte so ja ihm war das irgendwie sowieso als ein großer Schritt da jetzt Familie

00:49:45: und die Motivation war glaube ich sehr bei ihr, er wollte das auch aber nicht so euphorisch,

00:49:51: er war eher so ein bisschen ruhiger in der ganzen Situation und hat das erstmal so

00:49:56: abwartend hingenommen und dann ist die kleine aber mit ihm in Kontakt gegangen, er überhaupt

00:50:01: nicht mit ihr, aber sie ist dann mit ihm in Kontakt gegangen und hat dann so richtig

00:50:05: mit ihm so interagiert und hat dann letztendlich erst dann drauf eingegangen, ganz zurückhaltend

00:50:14: und dann wollte sie zu ihm auf den Schoß und das war so ein berührender Moment, weil

00:50:20: das hatte sich im Grunde genommen dieses kleine Mädchen den Pflegepapper ausgesucht in dem

00:50:25: Augenblick, weil das war so besonders, also da reden wir heute noch darüber wie besonders

00:50:30: dieser Moment war, sie war gleich verliebt, sie saß ein bisschen weiter weg beobachtet

00:50:38: und war gleich angetan und er war sehr zurückhaltend und ich guck mir das erstmal an und dann

00:50:44: hat die kleine ihn sich ausgesucht und blieb dann bei ihm auf dem Schoß, völlig klar,

00:50:50: es war so beeindruckend, deswegen werden wir noch gerne daran zurück.

00:50:54: Ah, schön, schöne Geschichte.

00:50:58: Wie ist das dann weitergegangen, dann geht es ja, nach dem ersten Kennenlernen geht es

00:51:03: dann ja in so eine Anbahnungsphase, dass man sich näher kennenlernt mit dem Ziel, dass

00:51:08: das Kind das nötige Vertrauen aufbauen kann, dass es dann halt auch irgendwann einziehen

00:51:13: kann.

00:51:14: Wie funktioniert es, wie war das in dem Fall?

00:51:17: Ja, da sind die Pflegeeltern dann erst mal regelmäßig ins Ruhrgebiet gefahren zur

00:51:22: Bereitschaftspflegemutter, um die Kleine zu sehen und so ein bisschen in Austausch zu

00:51:25: kommen, wie der Tagesablauf ist und wie die Kleine sich so entwickelt hat und das war

00:51:30: eine sehr, sehr professionelle Pflege, Bereitschaftspflegemutter, die diesen Job, glaube ich, schon

00:51:36: seit 30 Jahren oder so machte und die das sehr praktisch abgewickelt hat, dieser emotional

00:51:42: gar nicht so drinsteckte, sondern das Kind eher so versorgte und war schon auch lieb,

00:51:49: aber hatte auch einen etwas raueren Umgang mit dem Kind und die war da sehr praktisch

00:51:53: so und hat da gar nicht viel Fehler lesen gemacht.

00:51:56: Ich glaube, die Anbahnung hat gar nicht lange gedauert, zwei Wochen oder so, also da sind

00:52:00: die Pflegeeltern erst mal hingefahren, die werdenen und dann irgendwann ist, glaube ich,

00:52:05: auch die Bereitschaftspflegemutter da mal hin und dann ging das Rückzug, war das Kind dann

00:52:09: bei diesem Paar und dann geht die Geschichte ja noch weiter.

00:52:13: Ich habe die Pflegeiltern gefahren, ich darf die erzählen und also das war dann etwas

00:52:19: schwierig alles, weil dann war dann in der Situation die leibliche Umer, väterlicher

00:52:24: seits die war Vormunden und das war ein schwieriges Miteinander mit dieser Großmutter, die als

00:52:29: Vormunden agierte, die, glaube ich, das System nicht verstanden hat, WPF und da wenig hilfreich

00:52:37: waren, dass zu vielen Konflikten führte, sodass dann doch ein Antrag nochmal bei Gericht

00:52:43: dann ein Jahr später war, dass die Vormundschaft wieder, dass sie in der öffentliche Hand geht,

00:52:48: also na und der liefliche Mutter, die Großmutter, die abgibt und dann saßen wir bei Gericht

00:52:54: und bevor ich zu diesem Gerichtssermin vorwuchs, um diese Vormundschaft der Großmutter ging,

00:52:59: rief mich die Jungtamtsmitarbeiterin an und sagte Frau Pankow, diese leibliche Mutter

00:53:06: von der kleinen in der Familie hat jetzt vor sechs Wochen noch, vor vier Wochen wieder

00:53:11: ein Baby bekommen, könnte sich die Familie vorstellen die kleine Schwester auch aufzunehmen

00:53:17: und da habe ich schon gedacht und das war alles auf dem Weg zum Gerichtssermin, ich dachte

00:53:21: oh Gott natürlich, die Vore haben immer schon vom zweiten Gehen gesprochen und wie Geschwister

00:53:25: und so, das könnten sie sich gut vorstellen, also sie vor allen Dingen, das wäre doch

00:53:29: schön und dann sage ich, ich glaube das kann wir nicht machen, aber ich glaube es ist wichtig,

00:53:34: dass die Großmutter aus diesem Vormundschaftsverantwortungsbereich herausgeht, dass das eine neutralere

00:53:42: Person übernimmt, ja und dann kam der Gerichtssermin, dann wurde mit dieser Großmutter gesprochen

00:53:46: und wie erschwert die Situation ist und wie wenig das hilfreich ist in der Situation und

00:53:52: dann hat die auch diese Vormundschaft abgegeben und dann kam die, als sie aus dem Gerichtssaal

00:53:57: ging, kam dann die Jungtamtsmitarbeiterin auf mich zu und sagte Frau Pankow, haben sie schon

00:54:02: mit der Familie gesprochen, sie können doch jetzt mit der Familie sprechen, ich sage

00:54:04: das mache ich gleich und dann standen wir draußen vor dem Gericht und dann sprach

00:54:09: ich die Pflegemutter an und sage ja übrigens, ich habe noch mit Frau vom Jungtamten telefoniert

00:54:16: und die Mutter hat noch ein Mädchen bekommen vor vier Wochen, könnten sie sich vorstellen,

00:54:22: das auch noch aufzunehmen, die kleine Schwester und dann schossen dieser Pflegemutter die

00:54:26: Tränen in die Augen und sagt ja selbstverständlich, das machen wir und ich sage ganz ruhig,

00:54:33: besprechen sie das erst mit ihrem Mann, sagt sie das brauche ich gar nicht besprechen,

00:54:38: ich fuhr sie nach Hause und dann war das klar und dann hat das wirklich zwei Wochen gedauert,

00:54:44: dann war das Baby auch bei denen und diese beiden kleinen Schwestern, die eine war dann

00:54:48: ja schon knapp zwei, die andere vier Wochen, alt oder sechs Wochen dann, die werden ja

00:54:54: zusammen groß, sind inzwischen fünf und drei und sind ganz selbstverständlich wie Schwestern

00:55:03: und in der Familie super gut angekommen, sind da in Windung und ja eigentlich ist das

00:55:11: für die Pflegeeltern so ein Geschenk und für die Kinder auch und das ist so, das macht

00:55:16: einen einfach glücklich, wenn man das so sieht, na, es ist so schön, dass so was so manchmal

00:55:22: so sich fügt, als wenn es so sein sollte.

00:55:24: So hört es sich gerade an der Stelle an und wenn dann alle Parteien sagen, das ist eine

00:55:28: richtige Entscheidung, dann war es in dem Fall dann auch eine gute Entscheidung.

00:55:33: Du hast es jetzt gerade nochmal gesagt, die Großmutter kannte das Modell westfälische

00:55:40: Pflegefamilien nicht, das war jetzt für mich gerade das Stich vor Damm mal noch mal rein

00:55:43: zu gehen, westfälische Pflegefamilien, so unter diesem Modell arbeiten wir im Bereich

00:55:49: von Dauerpflege, könnt ihr ohne da jetzt das komplette Modell, das kann man nochmal

00:55:54: nachschauen, vielleicht packe ich den Link dazu nochmal in die Show Notes rein, dann

00:55:58: kann man sich das nochmal ganz in Gänze durchdennen, aber was heißt das für euch auf dem Platz

00:56:03: im Arbeitsalltag, was ist dieses Modell westfälische Pflegefamilien, wodurch zeichnen sich das

00:56:08: auch in der Arbeit für euch aus?

00:56:12: Also das ist ein Konzept, an dem ganz viele Träger im Reichwestfalenlippe sozusagen dabei

00:56:20: sind und das hat halt sehr hohe Qualitätsstandards und bietet für die Pflegefamilien einfach

00:56:26: so ein rundum Paket an.

00:56:30: Also wir sind regelmäßig, wenn das Kind dann in der Familie ist, was wir ja auch vermitteln,

00:56:37: und da sind wir dann regelmäßig auch in den Familien vor Ort, das heißt es gibt verschiedene

00:56:43: Beratungsschlüssel, entweder alle vier Wochen, alle sechs Wochen oder alle acht Wochen,

00:56:47: am Anfang ist es häufig eben alle vier Wochen und stehen dann darüber hinaus auch mit allen

00:56:54: möglichen Kompetenzen zur Verfügung.

00:56:57: Wir sind ja Drehe und Angelpunkt, wie wir eben schon gehört haben zwischen Jugendamt,

00:57:04: Pflegefamilien, leiblicher Familie und auch Schule, Kindergarten, Therapeuten usw.

00:57:10: sind eben auch so Entwicklungsbegleiter und bekommen eben auch selber regelmäßig in diesem

00:57:16: System Fortbildung, um immer auf dem neuesten Stand zu sein, auch was rechtliche Sachen

00:57:22: angeht, sind wir immer auf der Höhe der Zeit sozusagen und können den Pflegeeltern damit

00:57:29: gut auch begleitend zur Seite stehen.

00:57:32: Wir bekommen regelmäßig, ich zieh mal im Jahr, Supervision und zwar nicht mit den Kollegen

00:57:39: unseres eigenen Trägers, sondern das ist eine externe Supervision mit Kollegen von anderen

00:57:45: Trägern zusammen und einem externen Supervisor.

00:57:47: Das bringt nochmal eine andere zusätzliche Ebene mit rein, nochmal ganz viele Erfahrungswissen,

00:57:54: Austausch und da profitiert man total von, selbst wenn man bei einem kleineren Träger

00:58:00: arbeitet, dann ist das ein unglaublicher, fachlicher Zuwachs, den man erfährt.

00:58:05: Wir arbeiten da sehr methodisch.

00:58:07: Genau, wir sind letztendlich auch für die Begleitung der leiblichen Familie zuständig,

00:58:16: über die Besuchskontakte hinaus, also auch uns zu kümmern, zu schauen, wo stehen die leiblichen

00:58:22: Eltern gerade, gibt es vielleicht auch noch Geschwisterkinder, auch da sind wir sozusagen

00:58:30: unterwegs und gucken auch, dass es Geschwisterkontakte geben kann, wenn das angesagt ist.

00:58:37: Wir sind für die Pflegekinder, Ansprechpartner.

00:58:40: Wir machen mit den Biografierbeit, wenn sie dafür offen sind.

00:58:43: Wir haben ein sehr schönes Lebensbuch entwickelt bei unserem Träger, dass jedes Kind Geschenk

00:58:50: bekommt, wenn es in die Familie einzieht und das können wir mit den Kindern letztendlich

00:58:54: im Laufe der Jahre auch bearbeiten, wenn da Interesse besteht.

00:58:58: Das finden viele Kinder sehr, sehr spannend.

00:59:01: Wir sind auch ein ganz wichtiger Ansprechpartner für leibliche Kinder in den Pflegefamilien.

00:59:06: Wir haben natürlich nicht nur ungewollt kinderlose Menschen, die Pflegekinder aufnehmen, sondern

00:59:11: durchaus auch viele, die schon eigene Kinder haben, Erwachsene oder auch noch in der Familie

00:59:17: lebende.

00:59:18: Die haben häufig ganz viele Fragen und brauchen da auch unsere Unterstützung und wir werden

00:59:24: da auch angefragt, hey, wieso verhält mein Pflegebruder oder meine Pflegeschwester sich

00:59:30: gerade so oder warum ist der oder die überhaupt gar nicht mehr bei seinen leiblichen Eltern?

00:59:36: Also da sind wir auch ein wichtiger Drehen und Angelpunkt letztendlich.

00:59:43: Zusätzlich bieten wir von unserem Träger Fortbildung an für unsere Pflegeeltern, fachliche

00:59:49: Fortbildungen.

00:59:50: Wir bieten Aktionen an, wie Klettern im Kletterwald oder ein großes Sommerfest.

00:59:57: Jetzt hatten wir gerade eine super große Kinderrechteveranstaltung mit einem Kinderrechtetheater.

01:00:04: Das ist super gut angekommen bei den Familien, die waren sehr begeistert.

01:00:07: Ja, und darüber hinaus gibt es auch eben Möglichkeiten, sag ich mal, sich einfach mal auf einen kleineren

01:00:17: Rahmen zu treffen.

01:00:18: Wir bieten zum Beispiel auch Kochabende an für Pflegeeltern, wo die mit Beratern zusammen

01:00:24: super was kochen können und sich dann einfach austauschen.

01:00:28: Und dadurch entstehen natürlich auch unter den Pflegeeltern durchaus Bekanntschaften,

01:00:36: Freundschaften, wo auch die Pflegekinder total von profitieren, nicht nur die Eltern.

01:00:41: Das ist schön und auch für alle Seiten letztendlich gewinnbringend.

01:00:45: Ja, und wir bieten auch einmal im Jahr einen Wochenende an, wo wir mit Pflegefamilien

01:00:52: zusammen wegfahren in ein Kloster und wo es ganz viele tolle Angebote gibt.

01:00:58: Ja, und das ist einfach auch nochmal eine ganz besondere Sache, finde ich, wo man die

01:01:04: Familien nochmal ganz anders erlebt, von morgens bis abends und auch darüber hinaus.

01:01:08: Ich glaube Kloster nicht, um zu beten.

01:01:11: Nein, nein, genau.

01:01:12: Das ist einfach ein schöner Ort, weil es da ein tolles Haus gibt, wo das wir für uns

01:01:17: alleine haben, super Verpflegung und auch ein tolles Gelände, wo wir Spielplätze haben

01:01:26: und uns auch umtun können sozusagen.

01:01:28: Hör ich jetzt gerade ein bisschen daraus, dass eine ist vom LWL, vom Rahmen der sphilischen

01:01:34: Pflegefamilien.

01:01:35: Da gibt es ein Handbuch, wo quasi dann alle Sachen beispielsweise wann, wie häufig ist

01:01:41: die Frequenz, dass ihr als Familienberaterin in die Familie kommen müsst, das ist quasi

01:01:45: geregelt und dass es weitere Zusatzangebote gibt und jeder Träger hat aber so ein bisschen

01:01:50: individuellen Spielrahmen, was er genau mit den Anforderungen macht, wie er es dann genau

01:01:55: umsetzt.

01:01:56: Dass wir beispielsweise sagen, wir würden gerne einen Familienwochenende machen, dass es dann

01:02:00: quasi vom Träger dann aus.

01:02:01: Also was die Angebote angeht, ja, ist das individuell natürlich bei den Trägern unterschiedlich,

01:02:07: was die Beratungsintensitäten angeht, ist das natürlich verbindlich für alle und ja

01:02:15: auch ein Qualitätsstandard sozusagen, wo die Pflegeeltern sich darauf verlassen können.

01:02:19: Das ist aber nicht so, dass das für immer und ewig festgeschrieben ist, sondern dass

01:02:23: man halt zweimal im Jahr oder einmal im Jahr ja ein Hilfeplangespräch hat und in dem Rahmen

01:02:29: wird dann besprochen, wie viel Beratung ist notwendig, wie viele Besuchskontakte gibt

01:02:34: es und daraus wird dann letztendlich geschaut, welche Beratungsintensität für welche Familie

01:02:42: auch passend ist.

01:02:43: Und wichtig ist ja, dass die Familie das auch möchte, dass sie das auch annehmen und

01:02:47: umsetzen kann, weil wenn man mehrere Kinder hat, ist das natürlich auch manchmal nicht

01:02:52: ganz so einfach.

01:02:53: Es gibt viele Termine dann.

01:02:55: Mir fällt noch ein zu unseren tollen Freizeitangeboten, die wir ja machen.

01:03:00: Da haben wir tatsächlich im vergangenen Jahr das erste Mal auch ein Segeltorn für jugendliche

01:03:04: Pflegekinder angeboten, erfolgreich, da wir das Glück haben, eine wunderbare Pflegefamilie

01:03:11: zu haben, wo der Pflegepapa halt eingesessener Segler ist und von dem der Vorschlag auch

01:03:19: ausging, sich als Kapitän zur Verfügung zu stellen und der damit uns tatsächlich in

01:03:24: Holland zum Segeln war und das war wirklich schön und das war auch für die Pflegekinder

01:03:29: so ein besonderes Erlebnis, weil ich kann mich noch in ein ein junger gesagter dann irgendwie

01:03:35: sind wir hier alle Pflegekinder?

01:03:37: Ja, super.

01:03:38: Das fand er so toll, dass er mal nicht so das Ausnahmekind ist, sondern dass sie so ein

01:03:44: Schicksal halten und dann so eine Gemeinschaft hatten und ja, es war in dem Fall so viel Freude

01:03:50: gemacht uns allen, nicht nur den Jugendlichen, sondern auch uns teilnehmenden Kolleginnen

01:03:55: und Kollegen und auch der Familie, die sich weiterhin zur Verfügung stellt als Kapitän

01:04:01: und Kapitänin, denn die Pflegemutter hat das Schiff gesteuert, das muss man auch sagen

01:04:05: und ja, also das ja so was machen wir halt, so besondere Sachen und wo mit den Familien

01:04:15: verwachsen und das gehört ja auch zu unserem, zu dem WPF-System, dass wir eben Sachen anbieten,

01:04:20: weil was wir anbieten, das überblickt dann uns und auch unseren Bereitschaften, was wir

01:04:26: an Zeit uns da, ne?

01:04:28: Und das ist ja nicht nur einfach an Freizeit, du hast es ja gerade gesagt, das sind die Momente,

01:04:35: wo Pflegekinder an der Stelle merken, es gibt auch noch andere Pflegekinder, es gibt

01:04:40: junge Menschen, die ein ähnliches Schicksal haben wie ich und sie dadurch auch noch ein

01:04:46: Ausdurchmöglichkeiten bekommen, die sie im Schulalltag, im Verein oder so im Regelfall

01:04:51: gar nicht haben.

01:04:52: So und das kann ich mir gut vorstellen, dass das sehr erleichtern sein kann, die Kinder.

01:04:56: Ja, das war da auch ganz deutlich und die sind dann da auch losgezogen und durften auch,

01:05:00: weil die ja nur schon älter waren, aber ihr könnt da ja jetzt auch mehr angelegt hatten,

01:05:04: durften sie da auch alleine losziehen, dass wir denen das auch zugetraut haben, das kriegt

01:05:08: es schon hin und dann und dann kommt man wieder zurück, meldet euch, das hat alles super geklappt.

01:05:13: Ich glaube die meisten waren ja auch aus unserer Jugendlichen Gruppe, die sich regelmäßig

01:05:18: ein paar Mal in Jahr...

01:05:19: Die treffen sich jetzt auch noch weiter und dann im Kontakt, ne?

01:05:21: Genau, die treffen sich regelmäßig zum Bohlen und zu anderen Aktivitäten, Kanu fahren und

01:05:27: ja, da sind auch schon Freundschaften entstanden, habe ich gehört, genau.

01:05:31: Das ist super.

01:05:33: Ja, cool.

01:05:34: Du hattest es gesagt, Koberatung kommt ab und zu mit, was ist denn genau diese Koberatung

01:05:43: und wozu ist es eigentlich dienlich da noch jemanden zu haben, der ein Auge auf die Fliegefamilie

01:05:49: und das ganze System drum herum hat?

01:05:52: Koberatung ist eine große Besonderheit im WPF-System, das gibt es eigentlich nur in diesem System

01:06:00: und Koberatung heißt eigentlich, das sind die Berater von den Beratern sozusagen und

01:06:07: das schlägt sich halt in vielen Bereichen nieder.

01:06:10: Und zum einen ist es so, dass wir als Berater halt, wenn wir in Familien Schwierigkeiten

01:06:15: haben oder offene Fragen oder uns selbst da vielleicht auch nicht ganz so sicher fühlen

01:06:22: in manchen Dingen, dass wir das besprechen können und dass die Koberater uns dann sozusagen

01:06:29: einfach auch nochmal neue Anregungen geben können oder ihre Sichtweise auf die Dinge

01:06:35: und dass die Koberater auch, wenn es Sinn macht, mit in die Familien kommen und man

01:06:40: dann gemeinsame Gespräche führen kann.

01:06:43: Koberater sind auch von Anfang an mit dabei, das heißt auch in der Vorbereitung ist es

01:06:47: immer so, dass wenn wir Bewerber haben, die wir vorbereiten, dass auch ein Koberater

01:06:54: sozusagen die kennenlernen und auch mit draufguckt, auch wenn es dann um die Vermittlung eines

01:07:00: Kindes geht, es ist immer besser und es ist richtig, das Vier-Augen-Prinzip da walten

01:07:06: zu lassen und dass die Berater sozusagen die Verantwortung da auch nicht alleine tragen,

01:07:11: sondern dass das sozusagen gemeinsam mit den Koberatern passiert.

01:07:16: Genau.

01:07:17: Sehwer, Koberatern.

01:07:21: Koberater, ja, ich finde das immer ganz hilfreich, nochmal jemand Drittes dazu zu holen in die

01:07:27: Familien, regelmäßig da auch nochmal Ideen und Gedanken hat und ich habe mich immer das

01:07:33: Gefühl, ich habe eine sehr große Nähe zu den Familien und verwachse dann schnell auch

01:07:37: mal mit denen oder es könnte passieren und da ist das immer ganz gut, dass dann nochmal

01:07:43: ein Dritter darauf guckt und ob das alles so oder auch nochmal Anregungen gibt oder Ideen

01:07:50: hat, damit man eben nicht immer so im eigenen Saft dann da brät.

01:07:55: Genau, das ist auch nicht Teil dieser Familie.

01:07:58: Teil des Systems so sehr wird, man ist es ja schon, aber nicht zu sehr, sondern auch immer

01:08:04: wieder den nötigen Abstand findet und da ist das ganz gut, wenn da ein Dritter regelmäßig

01:08:09: drauf schaut und das macht die Koberatung schon hilfreich.

01:08:12: Ich höre so ein bisschen sowohl Ergänzung, manchmal vielleicht auch ein kleines Korrektiv,

01:08:20: so eine andere Brille aufgesetzt, aber auch ein bisschen Entlastung.

01:08:24: Auf jeden Fall.

01:08:25: Ja, und ich habe eben gedacht so ein bisschen wie bei den Familien, die uns anrufen, wenn

01:08:31: sie Probleme haben, also wenn ich dann irgendwie offene Fragen habe oder wenn ich sicher bin,

01:08:35: rufe ich halt gerne den Koberater an oder wenn er gerade zufällig auch im Büro ist,

01:08:39: spreche ich den dann an und sage Mensch, lass uns doch nochmal eben über die Situation

01:08:43: sprechen oder das finde ich immer auch entlastend.

01:08:47: Klar und irgendwie ist man sich einfach dann auch noch sicherer und man teilt die Verantwortung,

01:08:53: ja das ist auf jeden Fall eine Rückendeckung auch.

01:08:55: Ja, finde ich auch.

01:08:58: Okay, ich pack das Handbuch vom WPF-System, pack ich gerne noch mal den Link rein.

01:09:06: Es ist glaube ich spannend, sich das auch noch mal anzuschauen, auch für interessierte Pflegeeltern.

01:09:11: Was bekomme ich eigentlich im Rahmen dieses WPF-Systems?

01:09:15: Das finde ich an der Stelle immer gut, dass man sich das anschauen kann, weil man auch

01:09:18: hinter sagen kann, welche Rechte habe ich dann beispielsweise auch als Pflegeeltern.

01:09:22: Ein ganz wichtiger Punkt.

01:09:24: Wir kommen so langsam zum Abschluss und ich habe schon so ein, zwei schöne Erlebnisse

01:09:30: und den wir sie Erfolgsgeschichten, Sternstunden, Glücksmomente gehört und ich würde gerne

01:09:38: noch ein, zwei weitere hören, denn ich glaube da gibt es einige.

01:09:41: Habt ihr so besondere Momente, wo ihr denkt, die kommen irgendwie immer wieder, immer

01:09:50: wieder in den Sinn oder eine besondere Geschichte von einem Kind, wo ihr dachtet, Mensch, dass

01:09:58: das so geworden ist, das berührt mich bis heute.

01:10:02: Gibt es da solche besonderen Momente?

01:10:05: Ich fange vielleicht mit dir an, du bist jetzt so lange mit Pflegefamilien unterwegs, da

01:10:11: hast du bestimmt einige spannende und auch emotionale Geschichten erlebt.

01:10:15: Ja, ich habe gerade schon überlegt, wow, wir fallen recht viele ein, aber eine Geschichte,

01:10:22: die hat mich wirklich sehr bewegt und das war ein Mädchen, die war, also kam wirklich

01:10:30: aus einer sehr schwierigen leiblichen Familie, hatte auch noch einen älteren leiblichen

01:10:37: Bruder und die beiden waren wirklich echt lange im Kinderheim, wirklich lange, ich glaube

01:10:44: drei Jahre länger, als sie eigentlich in ihrer leiblichen Familie war und sie war dann schon

01:10:48: über fünf, als ich diese Anfrage auf dem Tisch hatte und ich dann gleich dachte, oh

01:10:56: krass, das könnte tatsächlich das richtige Kind sein für eine Familie, die wir vorbereitet

01:11:03: hatten damals und die auch schon eine Pflegetochter hatte, die älter war, es passte vom Abstand

01:11:08: auch gut und ja, da war aber wirklich auch nochmal die Frage, würde dieses Mädchen

01:11:14: überhaupt noch in der Lage sein, sich nochmal richtig einlassen zu können, weil die wirklich

01:11:19: schon fünften Halb war und die hatte eine leibliche Mutter, die sehr psychisch krank

01:11:25: war und ja, die Vermittlung, die hat stattgefunden, das Mädchen ist dort eingezogen und es war

01:11:34: wirklich auch in den ersten Jahren nicht einfach, also das Mädchen hat am Anfang wirklich gedacht,

01:11:39: die Pflegefamilie wäre die Gruppe, die hat dann die Pflegefamilie Gruppe mit dem Namen

01:11:45: genannt und hat gar nicht wirklich verstanden, was bedeutet eigentlich Familie sein, so,

01:11:51: ja, das war aber auch ein recht intelligentes Kind tatsächlich und genau wie der Bruder

01:11:57: auch, wir haben auch sichergestellt, dass die Kinder, die Geschwister sich regelmäßig

01:12:02: gesehen haben, also die Pflegefamilien haben sich dann regelmäßig getroffen mit den Kindern

01:12:08: und das Mädchen ist immer besser sozusagen in diese Familie reingewachsen, die hat auch

01:12:15: am Anfang sprachliche Probleme gehabt, Logo PD bekommen und das wurde hinterher auch wirklich

01:12:21: besser, wow und sie ist dann wirklich auch auf eine Weiterfinde Schule gekommen, auf

01:12:28: die Gesamtschule und hat dann hinterher Wahnsinn, die hat wirklich ihr Abitur geschafft und

01:12:35: die hat dann, wenn wir ein Familiengespräch gemacht haben, hat sie immer gesagt, Mensch,

01:12:41: also was ich mir für später wünsche, dass ich irgendwo in einem Haus lebe und für meine

01:12:48: Eltern, also meine Pflegeeltern sozusagen dann noch so ein Anbau ist, damit ich mich auch

01:12:54: um die kümmern kann und das war ihr unglaublich wichtig und war aller Intro-Wertheit, die

01:13:02: sie auch hatte, was es den Pflegeeltern manchmal nicht so leicht gemacht hat, hatte die auch

01:13:06: was unglaublich wertschätzendes, also die hat so vor allem auch an ihrem Pflegevater

01:13:12: gehangen, muss man sagen, ja und die ist wirklich, nachdem sie Abi geschafft hat, haben alle

01:13:17: gemeinsam beschlossen, dass sie adoptiert wird und sie war wirklich, ja, am Ziel ihrer

01:13:25: Träume tatsächlich, war unglaublich glücklich und ich weiß auch, also es ist jetzt schon

01:13:33: ein paar Jahre her, ich habe noch ein bisschen Kontakt und weiß auch, dass der Weg danach,

01:13:39: sie hat dann eine Ausbildung angefangen und hatte total viel Spaß dran, also ihr Weg

01:13:45: ist gut weitergegangen und das, obwohl sie wirklich so einen schweren Staat ins Leben

01:13:50: hatte und obwohl es so viele Fragezeichen gab, das war toll und sie hat auch, also bei

01:13:59: ihr war das so, dass sie keine Kontakte zu den leiblichen Eltern wollte und sie hat

01:14:05: trotzdem auf ihrer Art mit mir zusammen und auch mit ihrem Bruder zusammen ihre Geschichte

01:14:11: ein Stück weit bearbeitet und hat auch zu mir gesagt, ja, irgendwann werde ich die auch

01:14:15: mal treffen, aber wenn ich soweit bin und dann habe ich gesagt, ja und dann kannst du dir

01:14:19: gut überlegen, welche Rahmenbedingungen dafür wichtig sind, dass es dir dabei gut geht.

01:14:24: Wow, also in dem Alter von fünf Jahren hat sie nochmal neu gelernt, was es überhaupt heißt,

01:14:32: Familie zu sein, das Konzept Familie.

01:14:35: Und was ich an diesem Mädel auch richtig toll fand, die hat intuitiv wirklich auch das

01:14:41: gemacht, was ihr gut hat.

01:14:42: Also die hat ganz lange Leistungssport betrieben und die war unglaublich, sportlich und hat

01:14:52: sich da auch ganz viel Gutes mitgetan, sozusagen auch viel Stress mitverarbeitet und war auch

01:14:59: ein wirklich ausgesprochen hübsches Mädel, muss man wirklich sagen.

01:15:05: Mit sehr viel Gefühl für Schönheit, Einrichtung, Struktur, ja, das war schon sehr besonders.

01:15:15: Dass du dir auch so lange begleiten konntest, da kann ich natürlich nicht mit aufwarten.

01:15:20: Das denke ich manchmal, wenn ich dann aufhöhre zu arbeiten, man hängt ja doch an den Kindern

01:15:25: und man die so von Anfang an dann in den Familien erlebt und wie die sich entwickeln und dann

01:15:30: denke ich oft, wie mögen die wohl sein, wenn die erwachsen sind.

01:15:34: Vielleicht habe ich dann noch mal die Chance, die zu sehen und zu erleben.

01:15:38: Weil die machen ja teilweise wirklich unglaubliche Entwicklungsschritte und diese Pflegeeltern

01:15:50: finde ich mal wieder bewundernswert, auch was die leisten.

01:15:52: Mit wie viel Liebe und Warmherzigkeit und Offenheit und was die auch manchmal aushalten.

01:16:02: Ja, also wenn ich das noch hinzufügen darf, dass diese Pflegeeltern waren auch ungewollt

01:16:07: kinderlos, wie gesagt, die haben ja zwei Pflegekinder aufgenommen und was die mir

01:16:13: wirklich so auch zum Schluss gesagt haben, das hat mich so aus den Schuhen gehauen, muss

01:16:18: ich ehrlich sagen, also die haben wirklich gesagt, dass sie so dankbar dafür sind, dieses

01:16:25: Leben gelebt zu haben und auch mit dieser ungewollten Kinderlosigkeit Frieden geschlossen haben

01:16:33: und dass sie, wenn sie diese beiden Kinder nicht aufgenommen hätten, niemals diese Menschen

01:16:38: geworden wären, die sie jetzt sind.

01:16:40: Und das habe ich gedacht, wow, wirklich das von Pflegeeltern zu hören, die wirklich

01:16:46: auch ein Schuh mitgemacht haben mit beiden Kindern, das fand ich wirklich Wahnsinn.

01:16:50: Und das ist auch so, die sind wirklich immer weiter gewachsen und die Pflegemutter hat

01:16:55: ich sogar hinterher noch im pädagogischen Bereich auch qualifiziert und Wahnsinn.

01:17:02: Ja, die wachsen alle, aber wir wachsen auch.

01:17:04: Ja, aber das so zu hören, das war nochmal wirklich Wahnsinn.

01:17:10: Ganz besonders.

01:17:11: Der Laufmehr ist so ein Schuh, dass man rücken kann.

01:17:14: Ich bin ganz gerührt.

01:17:15: Ah, Sevia, fällt dir dann auch noch eine Geschichte ein.

01:17:20: Ist jetzt natürlich schwer zu toppen.

01:17:22: Ja, das kann ich jetzt gar nicht so toppen.

01:17:24: Aber es ist auch gar nicht unser Anspruch.

01:17:26: Nein, es ist gar nicht der Anspruch.

01:17:27: Aber es gibt ja so viele, auch andere.

01:17:29: Ich hatte gestern, saß ich in der Pflegefamilie, da sprachen wir noch, wie das Kind zu denen

01:17:33: kam und das war dann schon das zweite Pflegekind.

01:17:36: Also die haben drei leibliche Einpflegekind, hatten sie dann schon und haben dann noch eins

01:17:40: bekommen.

01:17:41: Und das war dann so, das war dann schon in der Schwangerschaft der Mutter klar, dass

01:17:46: sie das nicht wohl schaffen wird.

01:17:48: Und man hat dann aber nochmal mit der Mutter versucht, über das Mutterkind heim, dass

01:17:52: ob es dann vielleicht auch noch gelingt, die Versorgung.

01:17:55: Und hat dann festgestellt, dass das nicht klappt.

01:17:57: Aber die Pflegefamilie war die ganze Zeit angeschlossen.

01:18:00: Also ich stand quasi in Bereitschaft, wenn es nicht klappt, dass sie dann verfügbar

01:18:04: wären und hatten sich auch noch ein Kind gewünscht.

01:18:07: Und dann weiß ich noch, sprachen wir gestern drüber, wie ich dann von einem Jugendamt

01:18:11: die Informationen bekam, die die leibliche Mutter schafft, das nicht.

01:18:14: Was natürlich auf der einen Seite ganz traurig ist und furchtbar ist.

01:18:18: Aber dann konnte ich auf jeden Fall diese Pflegefamilie anrufen und habe genau gewusst, die

01:18:22: werden jetzt umfallen, wenn die das hören.

01:18:24: Und ich noch gesagt habe, sitzen sie.

01:18:26: Und dann ja, ich sage ja, also das Kind kann jetzt abgeholt werden aus der Mutterkind-Einrichtung.

01:18:33: Und dann musste er aus der Schule, er arbeitet weiter entfernt in der Schule, in der Schulleitfung,

01:18:40: der kam dann mit fliegenden Fahren angefahren und dann sind wir alle ins Ruhrgebiet gefahren

01:18:45: und in die Mutterkind-Einrichtung.

01:18:47: Und haben das Kind geholt und sechs Wochen alt und das war so dieser Moment, wo dieses

01:18:52: Kind auf dem Arm hatten.

01:18:53: Gott, das war so berührend.

01:18:56: Wie, wenn ein Kind gerade geboren wurde auch, so ist das so ein Stück weit nah.

01:19:01: Und dieser Moment, die Wahrnehmung des Kindes, der erste Kontakt und ich habe das gleich

01:19:08: fotografiert und noch verschriftlich für mich den Moment, um das irgendwie festzuhalten,

01:19:13: weil die natürlich auch ganz aufgeregt waren und so.

01:19:15: Und jetzt ist die kleine zwei geworden und ist in der ganz wilde Maus und ganz selbstbewusst

01:19:22: und eine ganz kleine, aber ganz starke Persönlichkeit und weiß sich zu behaupten.

01:19:28: Und es ist wie ein leibliches Kind, das ich meine, der nicht mehr optisch an, dass sie

01:19:30: nicht aus dieser Familie stammt.

01:19:32: Also das ist verrückt, ja.

01:19:35: Und das ist aber auch eine Pflegefamilie, die auch eben mit ganz viel Liebe und Ruhe

01:19:41: agiert.

01:19:42: Also wenn man da reinkommt, ich habe mir gesagt, wenn ich Pflegekind wäre, ich würde da groß

01:19:46: werden wollen, weil die so ruhig und entspannt sind und sich überhaupt nicht aufregen, wenn

01:19:51: da mal was umfällt oder wenn mal was nicht klappt.

01:19:55: Ja, dann wird er ganz ruhig drauf eingegangen und dann wird es fertig gemacht.

01:19:58: Also es ist so alles so unaufgeregt, genau wie Kinder das so brauchen, dass man einfach

01:20:05: entspannter wird.

01:20:06: Und ja, und das können die super, super gut.

01:20:09: Ich bin immer ganz beeindruckt.

01:20:11: Wow, da kann man auch was von lernen.

01:20:12: Anna Selvier, ich danke euch vielmals für dieses Interview und die Einblicke in eure

01:20:21: Arbeit.

01:20:22: Wie ich jetzt heute, natürlich berge ich das jeden Tag, wenn ich irgendwie im Büro

01:20:27: neben euch sitze, natürlich auch mal sehr herausfordernd sein können.

01:20:31: Das darf man natürlich nicht missachten, aber auch sehr, sehr erfüllend sein können.

01:20:36: Und dafür für dieses Interview danke ich euch vielmals.

01:20:39: Ja, danke auch.

01:20:41: Ja.

01:20:42: Dass wir gefragt wurden.

01:20:43: Danke für die tollen Fragen, Schlafen.

01:20:45: Ja.

01:20:46: Das war ein wirklich tolles und spannendes Gespräch.

01:20:50: Man merkt, wie sehr die beiden für ihre Aufgabe brennen und mit wie viel Herzblut sie Pflegefamilien

01:20:55: begleiten.

01:20:56: Wenn ihr euch noch tiefer mit dem Thema beschäftigen möchtet, findet ihr, wie eben angesprochen,

01:21:01: in den Show notes den Link zum Handbuch zu den Qualitätsstandards des Systems für

01:21:06: Swelische Pflegefamilien vom LWL Landesjugendamt Westfalen, nachdem wir vom Netzwerk Pflegefamilien

01:21:13: im Bereich der Dauerpflege arbeiten.

01:21:14: Und dann habe ich noch etwas ganz besonderes für euch.

01:21:17: Wir haben nämlich vom Netzwerk Pflegefamilien eine Musikplaylist bei Spotify erstellt.

01:21:21: Und vielen tollen Songs rund um das Thema Kinderrechte und Kinderstärken.

01:21:26: Musik von Künstler*innen wie Mira, Diga, Olli Schultz, Anche Schomaker, deine Freunde

01:21:34: und viele mehr.

01:21:35: Also Musik, die auch Eltern gefallen kann.

01:21:38: Den Link dazu findet ihr ebenfalls in den Show Notes oder auf unserer Homepage unter

01:21:42: www.netzwerk-pflegefamilien.de.

01:21:46: Danke, dass ihr zugehört habt und bis zum nächsten Mal.

01:21:57: Musik

01:21:59: .

01:22:00: [Musik]

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