Wenn Pflegekinder trauern – Verstehen, begleiten, stärken

Shownotes

Wie können wir Pflegekinder in Zeiten der Trauer gut begleiten? Welche Rituale und Worte helfen ihnen, mit Verlusten umzugehen? In dieser Folge spreche ich mit meiner Kollegin Marie Hoppe, Familienberaterin, Traumapädagogin und ehrenamtliche Notfallbegleiterin in Münster, über den Umgang mit Tod, Trauer und Abschied.

💡 Das erwartet dich in dieser Folge: ✅ Warum Trauer bei Pflegekindern oft besonders komplex ist ✅ Wie sich Trauer bei Kindern äußern kann – und warum sie ganz anders trauern als Erwachsene ✅ Konkrete Ideen und Impulse, um Pflegekinder in ihrer Trauer zu unterstützen ✅ Warum Trauer auch Raum für Hoffnung und neue Bindungen schaffen kann

📚 Literaturtipps aus der Folge: Hier findest du die Bücher, die wir im Gespräch erwähnt haben.

Die besten Beerdigungen der Welt

Für immer in meinem Herzen

Für immer

"Was ist das?", fragt der Frosch

Leb wohl, lieber Dachs

Adieu, Herr Muffin

Ein Himmel für Opa

Hat Opa einen Anzug an

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00:00:00: Trauer kann total unterschiedlich sein.

00:00:02: Das muss sich nicht in typischen Symptomen wie Tränen und Weinen äußern.

00:00:07: Kleine Kinder können noch gar nicht verstehen,

00:00:10: was heißt eigentlich dieses Für immer?

00:00:12: Das bedeutet, dass die ganz anders trauern,

00:00:15: die springen in so Pfützen rein, kann man sagen, in so Trauerpfützen.

00:00:19: Und genauso schnell springen die auch wieder raus.

00:00:21: Erst mal ist jede Reaktion auf den Verlust

00:00:26: und auf die Erfahrung völlig normal.

00:00:28: Was absurd ist, ist die Erfahrung, die wir da machen.

00:00:31: Also, nicht die Reaktion ist verrückt, sondern das Ereignis ist verrückt.

00:00:35: Ich möchte, glaube ich, gern Vertrauen weitergeben.

00:00:37: Vertrauen in die Welt und in uns Menschen,

00:00:41: dass wir solche Prozesse überstehen

00:00:44: und im besten Fall gestärkt daraus hervorgehen.

00:00:46: Und dass wir das gut meistern werden.

00:00:49: Und Vertrauen auch in die Kinder, dass die das schaffen,

00:00:52: einen Umgang damit zu finden.

00:00:54: Und ich glaube, es braucht in Trauerprozessen

00:00:57: auch ein Stück weit eine Hoffnung.

00:01:00: Also, dieses Vertrauen, was ich vermittel,

00:01:02: ist auch Hoffnung auf, es geht weiter.

00:01:05: Das brauchen wir.

00:01:06: Herzlich willkommen zu einer neuen Folge von

00:01:17: Netzwerkkpflegefamilien der Podcast.

00:01:19: Heute sprechen wir über das Thema Trauer

00:01:22: und den Umgang mit Verlusten, besonders bei Pflegekindern.

00:01:26: Ich freue mich, dass ich dieses Thema mit meiner Kollegin

00:01:29: Marie Hoppe besprechen konnte.

00:01:31: Sie ist Familienberaterin, Traumapädagogin

00:01:34: und ehrenamtlich dazu noch in der Notverbegleitung Münster tätig.

00:01:39: Unser Gespräch war, wie ich finde, voller wertvoller Ideen und Impulse.

00:01:43: Und trotz des ernsten Themas war es auch erstaunlich leicht

00:01:47: und vor allem hoffnungsvoll.

00:01:49: Ich freue mich, dass ihr dabei seid, dass ihr eingeschaltet habt

00:01:52: und wünsche euch jetzt nun viel Spaß mit dem Interview.

00:01:56: Marie, erst mal herzlich willkommen hier in unserem Podcast.

00:02:00: Es freut mich, dass du dabei bist.

00:02:02: Marie, du bist Familienberaterin und Traumapädagogin.

00:02:06: Die erste Frage, was ist eigentlich eine Traumapädagogin?

00:02:10: Erst mal hallo, danke, dass ich hier drin darf.

00:02:13: Ich freue mich.

00:02:14: Die Traumapädagogik beschäftigt sich mit der Idee,

00:02:17: dass dysfunktionale Verhaltensweisen biographisch begründet sind

00:02:22: und so auch verstehbar sind.

00:02:23: Heißt, in der Traumapädagogik geht es darum,

00:02:26: methodische Ansätze zu entwickeln,

00:02:28: um den Klienten, den Kindern und Jugendlichen dabei zu verhelfen,

00:02:33: traumatische Erfahrungen zu verarbeiten.

00:02:36: Mhm.

00:02:37: Und wenn ich an das heutige Thema denke,

00:02:40: so ein erster Impuls Trauma und Trauer.

00:02:42: Das ist ja irgendwie schon, hat das ja schon sprachliche Ähnlichkeiten.

00:02:46: In welche Verbindungen stehen denn vielleicht Trauma und Trauer?

00:02:49: Gibt es da auch eine inhaltliche Verbindung?

00:02:52: Es gibt definitiv auch eine inhaltliche Verbindung.

00:02:54: Die Symptome gleichen sich beispielsweise immer mal wieder.

00:02:58: Die Trauer hat immer mit hohen emotionalen Belastungssymptomen zu tun.

00:03:04: Heißt eine tiefgehende Trauer, eine Sehnsucht, eine innere Lehre.

00:03:08: Und das Gleiche spüren auch Menschen nach einer traumatischen Erfahrung.

00:03:12: Die Ursache unterscheidet sich in der Regel.

00:03:15: Der Trauerprozess hat die Ursache, dass es einen Verlust gab.

00:03:18: Das muss nicht unbedingt der Tod eines Menschen sein.

00:03:21: Das kann auch der Verlust des Zuhauses sein

00:03:24: oder Beziehungsabbrüche, die dazu führen,

00:03:27: dass Trauerprozesse beginnen.

00:03:28: Und die Ursache von Traumat, von einem Trauma

00:03:32: ist in der Regel eine extrem lebensbedrohliche Ereignis gewesen.

00:03:37: Mhm.

00:03:38: Dementsprechend ist es deutlich tiefgreifend,

00:03:40: dass eine traumatische Erfahrung ...

00:03:42: Man kann aber auch sagen, dass eine Trauererfahrung

00:03:45: zu einem Trauma werden kann, wenn Trauer nicht gut verarbeitet wird.

00:03:49: Mhm.

00:03:50: Und später auf jeden Fall, glaub ich, noch nähere Einstangen.

00:03:54: Was ich aber vorhin noch wissen will,

00:03:56: du bist neben deinem eigentlichen Beruf als Familienberaterin.

00:03:59: Hier bei uns bist du noch ehrenamtlich tätig,

00:04:02: nämlich bei der Notfallbegleitung in Münster.

00:04:04: Wie sieht dort deine Tätigkeit aus? Was machst du da?

00:04:07: Mhm. Wir sind ein teamehrenamtlicher Mitarbeiter

00:04:10: und werden über die Feuerwehr und über die Polizei

00:04:13: zu einsetzen dazu gerufen.

00:04:15: Wir decken 24 Stunden, 7 Tage, die Woche, 365 Tage im Jahr ab.

00:04:20: Wir werden über einen Dienst planen

00:04:22: und werden dann in bestimmte Einsätze gerufen.

00:04:25: In der Regel sind das Einsätze, wie beispielsweise die Überbringung

00:04:29: von Todesnachrichten, bei denen wir die Polizei begleiten.

00:04:33: Oder Verkehrsunfälle mit Todesfolge, Suizide.

00:04:37: Da werden wir häufig auch dazu gerufen.

00:04:39: Ganz häufig werden wir dazu gerufen,

00:04:42: wenn Kinder, Jugendliche, junge Familien beteiligt werden.

00:04:46: Ja, beteiligt sind an diesem Verlust.

00:04:49: Was hatte ich dazu bewogen, das zu tun?

00:04:53: Ich glaube, das ist tatsächlich auch biografisch begründet.

00:04:58: Ich habe relativ früh schon als Kind mit einem Suizid in der Nachbarschaft

00:05:03: konfrontiert gewesen

00:05:05: und habe mir die großen Fragen des Lebens gestellt.

00:05:08: Also, warum müssen Menschen sterben?

00:05:10: Warum entscheiden sich Menschen sterben zu wollen?

00:05:13: Und so war das irgendwie frühzeitig Thema in meinem Leben.

00:05:17: Viele Tode, viele Beerdigungen, die ich alle total gut geschafft habe,

00:05:22: kann ich heute sagen.

00:05:23: Das ist das, was ich gerne Menschen mitgeben möchte.

00:05:26: Eine Unterstützung in diesen schwierigen Phasen.

00:05:30: Gerade die Notfallseelsorge, Notfallbegleitung

00:05:34: ist da eine unglaubliche Unterstützung in dieser Akkutsituation,

00:05:38: heißt in der ganz unmittelbaren Erfahrung über den Tod.

00:05:43: Das ist eine wichtige Einheit, um zu einem hilfreichen Prozess beizutragen.

00:05:50: Die ersten Stunden sind richtig wichtig.

00:05:52: Ja, das glaube ich gerne.

00:05:55: Ohne dass du jetzt in, ich will jetzt keine dramatischen Beispiele haben,

00:06:00: aber gibt es so Erlebnisse oder Begegnungen in dieser Arbeit,

00:06:04: die du tust, die dich so besonders geprägt haben,

00:06:07: die in Erinnerung sind, die dir auch Kraft geben,

00:06:10: das auch weiterhin zu machen.

00:06:12: Das kann ja auch eine belastende, sehr belastende Aufgabe sein.

00:06:16: Belastend finde ich natürlich immer wieder Einsätze

00:06:19: oder emotional packend, bei denen Kinder betroffen sind.

00:06:23: Ob Kinder dann verstorben sind oder hinterblieben sind,

00:06:26: macht da gar nicht so einen großen Unterschied.

00:06:29: Wenn Kinder beteiligt sind, ist das immer ...

00:06:31: Ist das sehr emotional.

00:06:33: Das beschäftigt mich dann auch im Nachgang.

00:06:36: Und gleichzeitig sind das aber auch die Ereignisse,

00:06:41: die so viel Positivität vermitteln.

00:06:44: Weil Kinder so anders trauern und so hilfreich trauern.

00:06:49: Kann ich gleich noch mal ein bisschen was zu erzählen,

00:06:52: wie sprunghaft Kinder trauern und wie hilfreich das sein kann,

00:06:56: sich auch Ruhephasen in diesen Trauerprozessen zu gönnen.

00:06:59: Und das ist schön mit anzusehen, wie Kinder das gut schaffen.

00:07:03: Mhm.

00:07:05: Will ich direkt einsteigen.

00:07:07: Also, gibt es Unterschiede zwischen den Trauer-Trauer-Trauren

00:07:11: und den Trauerprozessen von Kindern und der Wachstum?

00:07:14: Wachst du dann noch näher drauf eingehen?

00:07:16: Was das genau heißt, das find ich total spannend.

00:07:19: Abhängig ist das Verstehen des Todes

00:07:21: und der zeitlichen Idee zu Endlichkeit und Unendlichkeit

00:07:25: erst in einem fortschrittlichen Alter.

00:07:28: Das heißt, kleine Kinder können noch gar nicht verstehen,

00:07:31: was heißt eigentlich dieses für immer.

00:07:33: Und das bedeutet, dass die ganz anders trauern,

00:07:36: die springen in so Pfützen rein, kann man sagen, in so Trauerpfützen.

00:07:41: Und genauso schnell springen die auch wieder raus.

00:07:44: Also, im einen Moment ist irgendwie morgens die Frage,

00:07:47: wo ist denn Papa?

00:07:48: Die Antwort ist, Papa ist tot, dann wird ganz bitter geweint

00:07:52: und im nächsten Augenblick ist die Frage, kann ich Nutella essen?

00:07:55: Und es ist irgendwie das nächste Spielwirt vorbereitet.

00:07:59: Die Kinder schaffen das Totalklasse,

00:08:01: sich so zu belasten, wie sie das aushalten können

00:08:05: und springen dann wieder auch in Glücksmomente

00:08:08: und in Spaß und Freude.

00:08:09: Das ist für uns Erwachsenen ganz häufig schwer anzusehen.

00:08:13: Das wirkt so skurrier, wir bekommen die Idee.

00:08:17: Ist das gesund?

00:08:20: Kann das gut sein, wie das Kind da trauert?

00:08:23: Und es ist total hilfreich.

00:08:25: Wir könnten uns eigentlich eine Scheibe davon abschneiden.

00:08:28: Und das auch zulassenden Trauerprozessen

00:08:31: positive Erlebnisse zu haben und Freude zu empfinden.

00:08:34: Ja, erinnert mich daran, dass das, glaub ich, in Mexiko ist,

00:08:38: beispielsweise das Trauern bei Gestorbenen,

00:08:42: ganz anders als hier in Deutschland, in Europa, sage ich mal.

00:08:46: Hier ist es eher von Trägt-Sparz.

00:08:49: Und es ist alles ruhig, es ist alles sehr schwer, sag ich mal.

00:08:54: Und in Mexiko wird ein Tod häufig auch einfach gefeiert.

00:08:58: Das finde ich auch total spannend.

00:09:00: Und da gab es auch mal einen Einsatz,

00:09:02: den ich im Rahmen der Notfallbegleitung erleben durfte.

00:09:06: Da ging es um eine afrikanische Familie und den Trauerprozess,

00:09:10: der mich zu Beginn total irritiert hat,

00:09:12: weil das war ganz laut, das war ganz hysterisch.

00:09:15: Es erschien schon unglaublich dramatisch.

00:09:19: Und in meiner Vorstellung, oder ich hatte so ein bisschen die Sorge,

00:09:23: brauchen wir hier gleich nochmal irgendwie auch ein Krankenwagen

00:09:26: für die Hinterbliebenen.

00:09:28: Und es war so klar, nein, es ist einfach die Kultur,

00:09:32: die nochmal ganz anders trauert, die ganz anders damit umgeht.

00:09:35: Die das total körperlich macht mit Gebeteschreien, laute Gesänge,

00:09:41: mit der ganzen Familie, ganz viel Bewegung in der Körperlichkeit.

00:09:45: Das war ganz, ganz anders. Das fand ich super spannend.

00:09:48: Und ich glaube, so unterschiedlich wie die Kulturen trauern,

00:09:52: trauern auch alle Menschen.

00:09:54: Jedes Kind trauert anders, jeder Erwachsene trauert anders.

00:09:57: Und da ist so viel Möglichkeit

00:10:00: zur kreativen Trauerprozessentwicklung auch.

00:10:05: So unterschiedlich wie Trauer sein kann,

00:10:07: das ist ein sehr interessantes Punkt.

00:10:09: Dass es tatsächlich unterschiedliche Trauerkulturen gibt,

00:10:14: gibt es denn so etwas wie Trauerphasen?

00:10:18: Tatsächlich gibt es so was,

00:10:19: da gibt es verschiedene Theorien zu,

00:10:22: unterschiedliche Anzahl an Phasen.

00:10:25: Aber man geht davon aus, dass zu Beginn

00:10:27: ein Teil erst mal ist, die Abwehr der Information,

00:10:30: die Abwehr des Todes, die Abwehr des Verlustes,

00:10:34: weil das einen schützenden Aspekt hat.

00:10:37: Ich werde das erst mal ab, ich kann das grad nicht aushalten.

00:10:41: Ich kann mich damit nicht auseinandersetzen.

00:10:43: Das ist ein Teil dieser Phasen.

00:10:46: Dann gibt es noch die Phase, der "Wut, das nicht annehmen wollen".

00:10:49: Im weiteren Verlauf geht es darum, in Verhandlungen zu treten.

00:10:53: Also, wie kann ich den Verlust irgendwie doch noch umkehren?

00:10:56: Was muss ich bieten, dass der Verstorbene zurückkommt?

00:10:59: Beispielsweise solche Gedanken.

00:11:01: Dann gibt es auch den Teil der tiefen Trauer.

00:11:04: In der Fachliteratur wird es "Die Depression" genannt.

00:11:07: Das ist ein schwieriges Wort, weil eine Depression,

00:11:10: was krankhaftes hat, ein Trauerprozess,

00:11:12: aber erst mal ein ganz wichtiger natürlicher Prozess ist.

00:11:15: Deswegen spreche ich eher von tiefgreifender Trauer.

00:11:18: Also, ganz viel Wein, ne Sehnsucht, ne Lehre,

00:11:22: all das darf irgendwie sein, bis es dann zu der Integration des Verlustes geht.

00:11:26: Das Spannende daran ist aber, dass nichts davon linear verläuft.

00:11:30: Also, wir können davon ausgehen, dass wir Phasen irgendwie überspringen,

00:11:34: dass wir wieder zurückgehen in andere Phasen,

00:11:37: dass sich Phasen auch vermischen, dass irgendwie Wut und Zorn

00:11:40: auch parallel mit nativgreifenden Trauer sein kann.

00:11:43: Also, es ist kein Prozess, der immer gleich abläuft.

00:11:47: Und es gibt auch keine ...

00:11:49: Also, es ist kein Muss. Das muss so nicht durchlaufen werden.

00:11:53: Es ist immer dieses verführerische bei Phasenmodellen,

00:11:56: dass man denkt, ich bin jetzt in Phase 3,

00:11:58: und dann müsste ich nächste Woche in Phase 4 kommen.

00:12:01: Und dann ist Phase 500, dann bin ich fertig damit.

00:12:03: Und das ist, glaube ich, noch mal ganz wichtig,

00:12:06: dass das nicht so linear funktionieren kann.

00:12:08: Aber ich hab, glaube ich, so ein bisschen auch die ...

00:12:11: Da wurde noch mal klar, was der Sinn eigentlich von dieser Trauer ist.

00:12:16: Nämlich, eine schmerzhafte Erfahrung so zu verarbeiten,

00:12:20: dass ich damit gut leben kann.

00:12:21: So wird ich jetzt jetzt mal ... - Genau, das ist ein Anpassungsprozess.

00:12:24: Ein Anpassungsprozess an eine veränderte Lebenssituation

00:12:27: und die Integration dieser ...

00:12:29: ja, unwiderruflichen Erfahrungen.

00:12:32: Ist das denn bei Kindern ähnlich,

00:12:36: laufen da die Phasen ähnlich ab?

00:12:39: Oder ist das, weil es zu sprünghaft ist,

00:12:41: gar nicht in Phasen zu gliedern?

00:12:43: Dadurch, dass diese Phasen gar nicht linear ablaufen,

00:12:46: können wir schon davon ausgehen, dass man die Phasen auf die Kinder

00:12:50: auch projizieren kann.

00:12:51: Die Frage ist immer, welche Reaktionen zeigen Kinder

00:12:54: im Gegensatz zu Erwachsenen? Das unterscheidet sich schon.

00:12:57: Bei Kindern ist das häufig, dass sie ...

00:12:59: dass sie noch ...

00:13:01: dass sie in Wut und Frustration irgendwie reagieren können,

00:13:04: in sozialem Rückzug reagieren können.

00:13:07: Also, es ist alles irgendwie offen.

00:13:08: Wir Erwachsenen haben da in der Regel schon einen ...

00:13:11: einen leichteren Umgang mitgefunden.

00:13:14: Oder leichter ist vielleicht nicht das passende Wort.

00:13:16: Wir haben in der Regel schon Erfahrungen mit Verlusten gemacht.

00:13:20: Also, ein Verlust ist ja ...

00:13:22: auch schon irgendwie die ...

00:13:24: ja, Beziehungstrennung oder Ähnliches.

00:13:26: Und da haben wir Erwachsenen schon eine gute Idee dazu,

00:13:29: wie Verluste irgendwie verarbeitet werden können.

00:13:32: Und sind natürlich auch noch mal anders angepasst

00:13:34: als Kinder und Jugendliche.

00:13:36: Und bei Kindern und Jugendlichen kann davon ausgegangen werden,

00:13:39: dass die in allen Reaktionen irgendwie ...

00:13:42: reagieren können.

00:13:44: Das können wir Erwachsenen natürlich auch.

00:13:46: Also, erst mal ist jede Reaktion auf diese ...

00:13:48: auf den Verlust und auf die Erfahrung völlig normal.

00:13:51: Was absurd ist, ist die Erfahrung, die wir da machen.

00:13:54: Also, nicht die Reaktion ist verrückt,

00:13:56: sondern das Ereignis ist verrückt.

00:13:59: Definitiv.

00:14:00: Kann das auch sein, dass man ...

00:14:03: Du sagst das ja gerade, von Trauer hin zu ...

00:14:07: "Kann ich Nutellabrot essen?"

00:14:09: Kann das ja vielleicht auch sein, dass es Momente gibt,

00:14:12: Situationen gibt, wo man denkt ...

00:14:13: Also, wo man weiß, ein Kind ...

00:14:16: Es gibt ein tragisches Erlebnis ...

00:14:18: in der Familie und das Kind ...

00:14:20: reagiert so, gefühlt gar nicht.

00:14:23: Ähm ...

00:14:25: Woran kann ich ...

00:14:27: merken, dass das Kind trauert?

00:14:29: Also, das Kind trauert, obwohl ich das vielleicht gar nicht

00:14:32: auf dem ersten Blick irgendwie sehe, wie kann ich das einschätzen?

00:14:36: Trauer kann total unterschiedlich sein.

00:14:38: Das muss ich nicht in typischen Symptomen wie Tränen und Weinen äußern.

00:14:43: Das kann auch was sein wie Bauchschmerzen.

00:14:46: Also, Kinder reagieren häufig mit körperlichen Symptomen

00:14:49: und kommen irgendwie abends runter und sagen,

00:14:51: "Ich hab Bauchschmerzen, ich hab Kopfschmerzen."

00:14:53: Und haben das Gefühl dahinter noch gar nicht klar.

00:14:56: Und das ist dann das Wichtige, dass wir Erwachsenen,

00:14:59: die Kinder gut begleiten, dass wir sie gut in Sprache begleiten,

00:15:03: denen zu dem, was sie körperlich empfinden,

00:15:06: auch ein Gefühl vermitteln können und sagen können,

00:15:09: "Ach, es drückt im Bauch ganz doll."

00:15:11: "Bist du vielleicht traurig, hast du Bauchschmerzen?"

00:15:14: Weil du den Opa so vermisst oder ähnlich ist,

00:15:16: dass wir die Worte finden, die die Kinder vielleicht noch nicht haben.

00:15:20: Wenn man die Idee, die das so hinführt,

00:15:22: kann es sein, dass das was mit diesem Thema zu tun hat.

00:15:25: Das sollte man auf jeden Fall schon.

00:15:27: Ja, genau. Wenn wir die Idee haben, wenn wir wissen,

00:15:30: dass ist jemand gestorben, dann dürfen wir das wohl ansprechen.

00:15:33: Aber auch wahrscheinlich Fragen.

00:15:34: Also, jetzt nicht davon ausgehen, das ist weil,

00:15:37: sondern eher fragen, wie sie es tut,

00:15:40: damit das Kind wahrscheinlich auch überhaupt fühlt

00:15:42: oder in sich gehen kann, ist es wirklich das Gefühl.

00:15:46: Ja, genau. Und gut ist auch immer,

00:15:48: wenn wir mit positiven Beispiel vorangehen.

00:15:50: Also, wenn ich von mir berichte als Hinterbliebener,

00:15:54: bei mir geht das irgendwie auch gar nicht gut.

00:15:56: Ich bin ganz traurig, ich hab Bauchschmerzen,

00:15:58: ich vermisse den Papa, dass ich vorangehe und schon mal deutlich mache,

00:16:04: also Worte dafür finde, wie sich was ausdrücken kann

00:16:07: und das auch in den Zusammenhangsstellen.

00:16:09: Und wenn ich das für mich in den Zusammenhangsstellen kann,

00:16:12: das Kind daraus das mitnehmen, was es braucht.

00:16:15: Und dann gebe ich dem Kind die Antwort nicht vor.

00:16:17: Wenn ich jetzt gerade dieses Beispiel hab, der Vater stirbt,

00:16:21: ist das natürlich auch eine unfassbar große Belastung

00:16:26: für die Frau, die eigene Trauer verarbeiten zu können,

00:16:30: um für die Kinder so da zu sein.

00:16:32: Das erfordert ja unglaubliche Leistungen

00:16:34: und unglaubliche Fähigkeiten, mit dieser eigenen Trauer umzugehen.

00:16:38: Definitiv, ja. Das ist so.

00:16:41: Und das kann aber auch ein ganz schöner Prozess sein,

00:16:44: das gemeinsam zu schaffen und gemeinsam auszuhalten

00:16:48: und gemeinsam auch zu weinen.

00:16:50: Und auch als Mama und auch als Oma darf ich weinen und sagen,

00:16:55: ich bin gerade traurig, aber es wird auch wieder Momente geben,

00:16:58: da bin ich glücklich.

00:17:00: Und dem Kind die Möglichkeit geben,

00:17:02: mit diesem Trauerprozess umzugehen.

00:17:04: Mhm. Also, gemeinsame Zeit hilft, gemeinsam weinen hilft.

00:17:09: Was kann da noch helfen?

00:17:11: Ganz viel Offenheit ist wichtig.

00:17:13: Die Kinder werden Fragen stellen.

00:17:14: Auch das ist so vom Alter abhängig.

00:17:16: Kleine Kinder bis zum Grundschulalter

00:17:18: haben noch keine Idee von Zeit und Tod.

00:17:21: So, die können aber schon die Non-Funktionalität verstehen.

00:17:25: Also verstehen, dass ein Körper nicht mehr arbeitet,

00:17:28: dass er nur noch liegt, so fängt das Verständnis von Tod an.

00:17:32: Und da offen zu sein für all die Fragen, die da kommen.

00:17:35: Ich hab eine persönliche Erfahrung gemacht,

00:17:37: als meine Mutter verstorben ist

00:17:39: und mein Neffe dann auch Fragen gestellt hat und gesagt hat,

00:17:43: als er dann bei mir irgendwie mit am Bett meiner Mutter saß, gefragt hat,

00:17:47: ob wir sie jetzt nicht aus dem Bett schubsen könnten,

00:17:50: dann würde sie ja wieder aufstehen.

00:17:52: Da war der, ich meine, fünf Jahre alt und dann haben wir ihm erklärt,

00:17:55: nee, die kann nicht mehr aufstehen, weil die ist tot.

00:17:57: Sie kann sich nicht mehr bewegen.

00:17:59: Aber dann kann der Opa sie wieder aufheben und hinstellen,

00:18:02: dann kann sie ja weiterlaufen.

00:18:03: Also, das war klar, ist klar, die liegt da,

00:18:06: die kann sich nicht bewegen, aber es war noch nicht klar,

00:18:08: was heißt das denn eigentlich wirklich tot zu sein?

00:18:10: Also, die kommt doch wieder, die ist doch jetzt grad nur Leben raus,

00:18:14: aber die wird ja wieder laufen können,

00:18:16: wenn man ihr ein bisschen hilft, so.

00:18:18: Und es war ganz spannend, das mitzuerleben

00:18:21: und ihm die Möglichkeit zu geben, all diese Fragen zu stellen.

00:18:23: Er hat letztendlich, wie hand er, meiner verstorbenen Mutter,

00:18:27: angefasst, hochgehoben, um zu merken,

00:18:29: wie schwer dieser Mensch jetzt ist und dass das gar nicht geht,

00:18:32: dass der einfach wieder läuft, so.

00:18:34: Er hat sich mit diesem Erlebnis hautnah auseinandersetzen können,

00:18:40: so wie er das brauchte und irgendwann ist er aufgestanden

00:18:42: und hat gespielt und das war, dann waren die Fragen erledigt.

00:18:45: Und ja.

00:18:46: Das ist wahrscheinlich ein ganz prägener Moment für ihn gewesen.

00:18:49: Total.

00:18:50: So, und das kann, glaube ich, unglaublich bereichern sein,

00:18:54: ist aber enorm wichtig, dass Erwachsene dabei sind und das begleiten.

00:19:00: Und auch die gewisse Stabilitäten mitbringen.

00:19:03: Wenn ich als Erwachsener nicht stabil genug bin,

00:19:06: mein Kind in dieser Situation zu begleiten,

00:19:09: dann sollte ich das nicht tun.

00:19:11: Also, oft werde ich irgendwie gefragt,

00:19:13: soll das Kind mit der Beerdigung gerade in Notfallseelsorger einsetzen,

00:19:17: wenn dann Kinder beteiligt sind, wir gehen damit um, was machen wir.

00:19:20: Und da das Kind braucht eine Stabilität von Bezugspersonen

00:19:25: oder mindestens irgendwen, der stabil an der Seite steht

00:19:29: in diesen Ereignissen.

00:19:30: Und wenn ich das nicht bieten kann,

00:19:32: dann ist das teilweise auch besser,

00:19:34: das Kind nicht mit zur Beerdigung zu nehmen.

00:19:36: Und gleichzeitig gibt es aber auch die Möglichkeit,

00:19:39: dem Kind Erfahrung mit Verlust, Tod und Trauer zu geben.

00:19:44: Das heißt, das Kind zu beteiligen ist eine gute Idee,

00:19:46: aber nur, wenn es die Stabilität durch Erwachsene erhält,

00:19:50: die es an diesen Tagen in diesen Situationen braucht.

00:19:53: Und vielleicht zu denken, dass eine Beerdigung auch nur ein Teil

00:19:57: von Trauerarbeit ist.

00:19:59: Vielleicht ein großer, vielleicht ein wichtiger,

00:20:02: aber auch nur ein Teil.

00:20:04: Wenn ich selber merke, ich schaffe es nicht.

00:20:07: Es ist dann eine Idee beispielsweise, ich frag mein Bruder,

00:20:11: ich frag meine Schwester, der mit dieser Situation besser auskommt.

00:20:17: Ist das eine Idee? - Ja, definitiv, genau.

00:20:19: Das ist eine gute Idee.

00:20:21: Wenn eine gute Beziehung zwischen dem Kind und der dann

00:20:24: zur Verfügung stehenden Bezugspersonen da ist,

00:20:28: dann ist das eine gute Möglichkeit.

00:20:30: Und dem Kind auch zu sagen, was da auf das Kind zukommt.

00:20:34: Also eine Beerdigung oder alles,

00:20:36: was irgendwie in diesen Prozessen passiert,

00:20:39: vorher durchzuspielen, dem Kind zu erklären.

00:20:41: Es gibt unglaublich viele Bücher zu diesen Themen.

00:20:44: Es gibt die Möglichkeit, vorher selber mal auf den Friedhof zu gehen.

00:20:48: Und vielleicht so skurril, wie es sich anhören mag,

00:20:51: eine andere Beerdigung sich aus der Ferne mal anzuschauen.

00:20:54: Und zu gucken, wie läuft so was da.

00:20:57: Und dass irgendwie sagt, dass all das, was da passiert,

00:21:00: das erst mal nicht vorstellbar.

00:21:01: Und das gut fortzubereiten und das Kind angemessen zu beteiligen.

00:21:05: Und wenn die Beerdigung, die Begleitung dabei,

00:21:08: nicht Teil des Prozesses sein kann,

00:21:10: weil es nicht die passenden Angehörigen gibt,

00:21:12: die stabil genug sind,

00:21:14: dann gibt es immer noch unzählige viele andere Möglichkeiten.

00:21:17: Die Bestattungsinstitute beteiligen heute die Kinder

00:21:20: genauso gut wie auch die Erwachsenen.

00:21:23: Also es gibt die Möglichkeit, sehr geanzu malen,

00:21:25: selbst die Uhren können angemalt werden,

00:21:28: Luftballon steigen lassen und noch mal nette Worte in den Himmel geben.

00:21:32: Da gibt es ganz, ganz viele kreative Ideen,

00:21:35: Kinder auch zu beteiligen an diesen Prozessen,

00:21:38: auch wenn sie nicht an allen einzelnen Schritten beteiligt werden.

00:21:42: Das ist noch mal ein guter Hinweis,

00:21:43: dass auch in diesen Momenten dann auch wahrscheinlich,

00:21:46: muss man das auch aktiv ansprechen.

00:21:48: Okay, ich würde jetzt gerne den Blick darauf legen auf Pflegekinder,

00:21:54: so ein bisschen im Speziellen.

00:21:56: Viele Sachen, klar, der Verlust eines Elternteils,

00:22:00: vielleicht eines Pflegeelternteils,

00:22:01: wenn das Kind lange gebunden ist,

00:22:03: wird wahrscheinlich ähnliche Trauer Momente haben,

00:22:06: wenn es ein leibliches Kind ist.

00:22:08: Dennoch gibt es, glaube ich,

00:22:10: ein paar spezielle Themen für die Pflegekinder,

00:22:13: insbesondere betreffen,

00:22:14: denn Pflegekinder haben ja schon direkt in ihrem frühen Leben

00:22:18: sehr viele gravierende Dinge erlebt.

00:22:21: Auf jeden Fall hat den Verlust der leiblichen Eltern,

00:22:25: der Eltern als alltäglich zentrale Person,

00:22:28: also dass sie halt nicht mehr in ihrem Elternhaus leben können.

00:22:31: Ist das Leben von Pflegekindern,

00:22:33: also direkt schon mit diesem Thema Trauer verbunden?

00:22:37: Es ist zumindest davon auszugehen,

00:22:39: dass sie mit Verlusten zu tun hatten.

00:22:41: In welcher Form Trauerprozesse da im Nachgang von Statten ging,

00:22:45: ist natürlich schwer zu sagen.

00:22:47: Aber in der Regel muss man sagen,

00:22:49: dass mindestens der Abbruch und selbst,

00:22:51: wenn es direkt nach der Geburt war,

00:22:53: der Bindung zur Mutter nach der Schwangerschaft,

00:22:57: ein elementar wichtiges Erlebnis war

00:23:01: und ein Riesenverlust für dieses Kind bedeutet.

00:23:04: Genau, und das ist natürlich der ...

00:23:07: Die Kinder, die Pflegekinder sind möglicherweise

00:23:10: weniger sicher gebunden,

00:23:12: haben in den frühsten Lebensmonaten,

00:23:15: wo eigentlich das Urvertrauen gebildet werden sollte,

00:23:18: schlimme Erfahrungen gemacht, im schlimmsten Fall auch Erfahrungen,

00:23:22: negative Erfahrungen mit den Bezugspersonen gemacht.

00:23:26: D.h., diejenigen, die eigentlich die größtmögliche Sicherheit geben sollten,

00:23:30: waren verantwortlich für das Leid des Kindes.

00:23:33: Da kann man davon ausgehen,

00:23:36: dass die natürlich noch mal mehr Schwierigkeiten haben,

00:23:39: weitere Verluste gut zu verarbeiten.

00:23:42: Wenn gleich, man das nicht pauschalisieren kann.

00:23:46: Wir haben genauso oft auch Pflegekinder,

00:23:49: die gut betreut waren,

00:23:51: die dann in eine Pflegefamilie gekommen sind

00:23:54: und da eine gute Bindung aufbauen konnten

00:23:56: und solche Verluste total gut aufarbeiten können.

00:24:00: Wenn ich jetzt als Kind solche sehr frühen Verlustmonate hatte

00:24:04: und vor allem halt nie wirklich sicher gebunden war

00:24:08: und dann ...

00:24:10: Späteren Jahren hat solche Verlusterfahrungen wie Tod

00:24:14: oder eine engen Bezugspersonen erlebe.

00:24:17: Was geht da in deinem Kind vor?

00:24:21: Was zeigen Kinder dort für Verhalten

00:24:23: und wie kann ich als Pflegeeltern das einschätzen?

00:24:26: Das ist tatsächlich so, dass die Kinder,

00:24:30: wenn sie in den frühen Lebensmonaten, Lebensjahren

00:24:33: so gravierende Erfahrungen machen, gibt es keine Wörter dazu.

00:24:37: Die haben keine Worte für das, was denen passiert ist.

00:24:40: Aber die Emotionalität und das Körperempfinden

00:24:43: oder den Erfahrungen ist da.

00:24:44: Und das kann dann natürlich in solchen Situationen,

00:24:48: die sie dann später wieder erleben,

00:24:50: heißt der Verlust eines nahen Angehörigen,

00:24:52: kann die gleiche Emotionalität auslösen,

00:24:55: wie sie die damals erfahren haben,

00:24:57: beispielsweise der In-Op-Hut-Name.

00:24:59: Und dadurch, dass sie keine Wörter jemals dafür gelernt haben

00:25:04: und es vielleicht auch nicht in ihre Persönlichkeit,

00:25:08: in ihre Erfahrung integriert haben,

00:25:10: kann es dann dazu führen,

00:25:12: dass sie deutlich schneller instabil sind,

00:25:15: dass sie das möglicherweise nicht so gut verarbeiten können

00:25:18: und durch diese emotionale Empfindung,

00:25:22: die sie aus der frühesten Kindheit schon kennen, getriggert werden.

00:25:26: Und ja, im schlimmsten Fall können Dissoziationen entstehen,

00:25:30: Kinder, die sich abspalten. - Was heißt Dissoziation?

00:25:33: Ja, abgespalten sein, also sich abzuspalten von den Empfindungen,

00:25:37: die es da gibt, sich aus dem Leben abzuspalten,

00:25:41: um das nicht wiederzuerleben, um sich ein Stück weit zu schützen.

00:25:45: Was heißt das so im Alltag, was im Kind?

00:25:48: Oft heißt das im Alltag, dass Kinder,

00:25:51: wenn sie getriggert werden und Dissoziieren,

00:25:53: nicht mehr ansprechbar sind.

00:25:55: Dass sie sich aus der aktuellen Situation quasi rausnehmen,

00:25:59: so ein bisschen über sich fliegen,

00:26:01: so kann man das ungefähr verstehen, sich nicht mehr spüren.

00:26:06: Das ist natürlich schon, das wäre jetzt ein gravierendes Symptom,

00:26:10: aber so, da muss man gut hingucken,

00:26:12: das ist leider nicht immer sehr klar zu erkennen von außen.

00:26:16: Insgesamt ist es wichtig, dass Eltern, ihre Kinder,

00:26:19: egal in welchen Phasen, immer gut beobachten.

00:26:23: Also ich glaube, so eine Dissoziation

00:26:26: oder auch alle anderen Reaktionen, die es geben kann,

00:26:29: in Bezug auf Verluste, im Trauerprozess,

00:26:32: im traumatischen Erfahrung,

00:26:34: ist immer ganz wichtig, dass Bezugspersonen ihre Kinder beobachten

00:26:38: und immer eine Idee haben, wie geht es meinem Kind gerade.

00:26:43: Also alle Reaktionen, auch so eine Dissoziation,

00:26:45: ist erst mal eine schützende Mechanismus für den Menschen,

00:26:51: diese Erfahrung nicht aushalten zu müssen.

00:26:54: Und wichtig ist dann zu gucken, wann verändert sich mein Kind?

00:26:59: Also wann ist es nicht mehr das gleiche Kind?

00:27:03: Um eine Idee zu kriegen, wann braucht es Unterstützung?

00:27:07: Weil erst mal ist ja so eine Trauerreaktion total normal

00:27:11: und auch gewünscht.

00:27:13: Wir brauchen das, um das zu integrieren,

00:27:15: um irgendwie die Erfahrung...

00:27:18: gut verarbeiten zu können.

00:27:20: Und wenn wir Bezugspersonen irgendwann merken,

00:27:23: dieses Kind ist verändert, es zieht sich total zurück,

00:27:26: es zeigt nicht mehr gleiche Verhaltensweisen,

00:27:29: es kommt nicht in den Alltag zurück.

00:27:31: Sobald wir Auffälligkeiten über einen längeren Zeitraum entdecken,

00:27:34: dann sollten wir uns sagen machen.

00:27:36: Was heißt der längere Zeitraum? Kann man das so absagen?

00:27:40: Das kann man gar nicht ganz klar sagen,

00:27:42: weil es auch davon abhängig ist,

00:27:44: wie nah stand sich das Kind und die Person, die verstorben ist,

00:27:47: was gibt es da für Unterstützungsmöglichkeiten?

00:27:50: Es ist gar nicht so klar, einen Zeit zu definieren,

00:27:53: aber es ist davon auszugehen,

00:27:55: dass wenn wir in der Psychotraumatologie sprechen,

00:27:58: wir vor nicht meine sechs Monaten,

00:28:00: wenn das über sechs Monate hinausgeht, der Trauerprozess,

00:28:03: dann wird es krankhaft, so sagt es irgendwie,

00:28:05: sagt es die Literatur.

00:28:08: Ich wäre da vorsichtig, weil ich glaube,

00:28:10: dass es erst mal darum geht, Kinder gut zu begleiten,

00:28:13: Menschen gut zu begleiten.

00:28:15: Und erst wenn es auffällig wird und die Kinder

00:28:18: nicht mehr zurück in den Alltag kommen und es nicht ...

00:28:22: Also, wir als Bezugspersonen das Gefühl haben,

00:28:24: da stimmt was nicht, dann müssen wir uns Sorgen machen.

00:28:28: Und natürlich auch bei selbstverletzenden Verhaltensweisen

00:28:32: oder bei fremdgefährdenden Verhaltensweisen,

00:28:35: das sind dann schon Verhaltensweisen, wo wir natürlich gut gucken müssen,

00:28:39: braucht es da doch auch professionelle Unterstützung.

00:28:42: Und dann Jugendliche, die anfangen, sich zu ritzen,

00:28:45: oder so, da braucht es dann schon auch Unterstützung.

00:28:48: So, und dann lieber ein Moment früher als zu spät.

00:28:52: Hm. - Ja.

00:28:54: Wen spreche ich denn da an?

00:28:56: Genau, Jugendpsychotherapeuten sind in der Regel gute Ansprechpartner.

00:29:00: Mit langen Wartelisten. - Genau, mit langen Wartelisten.

00:29:03: Genau. Es gibt aber auch Traumapädagogen, Traumaterapeuten,

00:29:07: die da gut arbeiten.

00:29:10: Es gibt auch viele Gruppen, die da noch mal Angebote machen.

00:29:13: Also Hospietsarbeit ist immer ein guter Ansprechpartner.

00:29:16: Hospiets klingt erst mal so ganz dramatisch und ganz oft haben,

00:29:20: die aber ganz tolle Angebote für Hinterbliebenen.

00:29:22: Also Geschwistergruppen,

00:29:24: wo hinterbliebene Geschwister in den Austausch kommen können.

00:29:27: Das ist noch mal eine ganz besondere Situation,

00:29:30: auch wenn das Geschwisterkinstiöpter so,

00:29:32: das ist für hinterbliebene Geschwister

00:29:34: ganz häufig eine sehr dramatische Erfahrung.

00:29:38: Genau, da gibt es in der Regel Gruppen, es gibt Trauergruppen.

00:29:42: Ja. - Mhm.

00:29:44: Das ist ein großes Popporee,

00:29:46: und dann kann man sich ja ein bisschen umhören,

00:29:49: was es denn so alles jeweils vor Ort gibt.

00:29:52: Und im normalen Alltag, du hast es eben grad schon so ein bisschen gesagt,

00:29:57: was gibt es denn so für Rituale und Methoden,

00:30:00: auch gerade für Pflegekinder, die Hälfte?

00:30:02: Gibt es denn auch etwas Spezielles, oder sind das die gleichen Ideen?

00:30:06: Ja, also insgesamt gibt es dabei keine Grenzen.

00:30:09: Da darf man total kreativ sein und ganz viel machen, ausprobieren.

00:30:13: Rituale sind total gut und wichtig, die schaffen erst mal Sicherheiten.

00:30:18: Schön ist beispielsweise an dem Geburtstag des Verstorbenen,

00:30:21: noch mal eine Kerze anzuzünden und gemeinsam irgendwie innezuhalten.

00:30:26: Vielleicht das Lieblingsbuch des Verstorbenen zu lesen.

00:30:29: Die zum Grab zu gehen und da irgendwie was gemeinsam zu gestalten.

00:30:33: Es gibt tolle Bücher auch zum Ausfüllen,

00:30:37: die man gut bearbeiten kann mit Fotos des Verstorbenen.

00:30:41: Da kann man gut irgendwie drin arbeiten.

00:30:44: Ja, da gibt es eigentlich keine Grenzen.

00:30:47: Also, ich war irgendwann mit meinem Neffen auf dem ...

00:30:51: im Gartencenter und er wollte unbedingt eine Fleisch fressende Pflanze

00:30:55: auf das Grad meiner Mutter stellen,

00:30:58: weil er sagte, im Sommer kommen wir die ganzen Fliegen und stören die Oma.

00:31:02: Da haben wir dann gemacht.

00:31:04: Da sieht man mal, es ist irgendwie ein bisschen skurril,

00:31:07: eine Fleisch fressende Pflanze auf dem Grab zu haben.

00:31:10: Warum nicht? - Warum nicht?

00:31:11: Warum nicht? - Die Oma hat meistens keine Fleisch fressende Pflanze.

00:31:15: Die Idee dahinter, dann wird die Oma von den ganzen Fliegen nicht gestört.

00:31:19: Ist das eine tolle Idee.

00:31:21: Wo wir gerade über Rituale gesprochen haben,

00:31:24: häufig ist das ja so, dass Pflegekinder auch im Alltag

00:31:27: viele Rituale brauchen, um den ganz geregelten Tagesablauf

00:31:31: zu haben.

00:31:33: Nun ist es halt, wenn eine enge Bezugspersonen stirbt

00:31:37: oder etwas anderes Dramatisches passiert,

00:31:39: dass dann ja erst mal der Alltag ausgenockt ist.

00:31:42: Ist es dennoch wichtig zu versuchen,

00:31:45: diese normalen Alltagsrituale aufrechtzuerhalten?

00:31:48: Oder ist auch dann in dem Moment einfach eine Ausnahmesituation

00:31:52: und das ist für Pflegekinder vielleicht wichtiger,

00:31:55: aus diesem Ritualen rauszukommen?

00:31:57: Also, wie finde ich da so eine Balance?

00:31:59: Wichtig finde ich immer, dass diejenigen, die das Kind begleiten,

00:32:03: die innere Sicherheit und Stabilität mitbringen.

00:32:06: Das heißt, wenn ich mich als Mutter mit dem Ritual,

00:32:09: was wir da immer gemacht haben, überhaupt nicht mehr wohlfühle

00:32:13: und die Stabilität und die Sicherheit nicht mehr vermitteln kann,

00:32:17: dann kann es auch gut sein, dieses Ritual nicht mehr durchzuführen.

00:32:20: Und gemeinsam zu gucken, was können wir stattdessen schaffen?

00:32:24: Und gleichzeitig sind natürlich Rituale,

00:32:26: die man immer schon gelebt hat,

00:32:28: die Sicherheit, strukturierenden Alltag.

00:32:31: Das kann hilfreich sein, aber eben auch nur,

00:32:33: wenn ich stabil genug bin, das mit dem Kind zu leben.

00:32:36: Hm. Und wahrscheinlich, wenn es beispielsweise ein Ritual gibt,

00:32:42: wozu ich aktuell nicht in der Lage bin,

00:32:45: ist es halt wichtig, das auch besprechen zu können.

00:32:48: Mit den Pflegekindern.

00:32:50: Wie finde ich denn diese passenden Worte?

00:32:53: Das ist, glaub ich, so mit das Schwerste eigentlich,

00:32:56: auch zu erzählen, dass sich jetzt gerade unser Alltag so verändert

00:33:00: und ich das nicht mehr kann.

00:33:02: Also, dieses Ding passende Worte zu finden,

00:33:05: finde ich, glaube ich, so eine ganz schwierige,

00:33:07: ein ganz schwieriges Kapitel in dieser Trauerbewältigung.

00:33:10: Ja, die Frage bekommen wir auch ganz oft in der Notfallbegleitung gestellt.

00:33:15: Wie sage ich jetzt meinem Kind, dass sich der Papasoizidiert hat?

00:33:19: So, wie sage ich das meinem zweijährigen Kind?

00:33:23: Das Schöne ist immer, in dieser noch so dramatischen Situation gestorben wurde schon.

00:33:29: Also, wir haben keine Eile,

00:33:30: dieses Kind muss nicht innerhalb der nächsten zehn Minuten

00:33:34: diese Information bekommen.

00:33:35: Das heißt, wir können uns auf erwachsenen Ebene gut strukturieren,

00:33:39: wir können uns absprechen,

00:33:40: wir können dafür sorgen, dass wir Begleitung irgendwie haben.

00:33:44: Jetzt im Pflegekinderwesen zum Beispiel,

00:33:46: gibt es die Möglichkeit, Beratungen in Anspruch zu nehmen.

00:33:49: Wir kommen regelmäßig in die Familien auch da noch mal zu gucken,

00:33:52: was kann der Träger leisten, was kann die Familienberaterin unterstützen tun,

00:33:57: kommt die vielleicht dazu, wenn diese Information weitergegeben wird.

00:34:01: Das ist erst mal gut, wir haben Zeit gestorben, wurde schon.

00:34:05: Und dann ist ganz wichtig, dass wir das benennen,

00:34:09: dass wir sagen, was passiert ist.

00:34:11: Es gibt immer wieder Erfahrungen, Menschen, die im Nachgang erzählen.

00:34:16: Früher wurde mir gesagt, Papa ist eingeschlafen

00:34:19: und ich hatte Monate jahrelang Angst vor dem Einschlafen.

00:34:24: Weil ich mir dachte, ich werde nicht mehr aufwachen,

00:34:27: dann bin auch ich tot.

00:34:28: Das heißt, wirklich auch zu benennen, was da passiert ist,

00:34:31: nämlich der Papa ist tot.

00:34:33: Angemessene Worte, da muss man immer gut gucken,

00:34:36: in welchem Alter ist das Kind.

00:34:38: Also, ich muss einem zweijährigen natürlich nicht erzählen,

00:34:43: im Detail, wie sich der Papa das Leben genommen hat.

00:34:46: Aber es ist auch wichtig, nicht davon zu sprechen,

00:34:49: der war krank und ist deshalb gestorben.

00:34:52: Sonst entsteht die Idee,

00:34:54: möglicherweise jede Krankheit führt zum Tod.

00:34:57: Also dann auch zu erklären, der Papa, der war ganz viel traurig,

00:35:01: das hast du gemerkt, der konnte nicht mehr arbeiten.

00:35:05: Man nennt das Depression.

00:35:08: Der Papa wollte nicht mehr leben.

00:35:11: Und das dann auch zu benennen.

00:35:13: Und der Papa ist jetzt tot.

00:35:15: Und das beim Namen zu nennen.

00:35:17: Das ist, glaube ich, diese große Hürde.

00:35:19: Dieses "das wirklich so beim Namen zu nennen",

00:35:22: ist das, was ich bei dem Interview mit Birgit Latscher vor einiger Zeit

00:35:27: wo ich auch lange drüber nachdachte, die sagte,

00:35:30: dass Kinder eigentlich jede Wahrheit aushalten,

00:35:34: wenn sie gut erzählt ist.

00:35:36: Und dass es wesentlich besser ist,

00:35:38: als irgendeine Story sich zu erfinden,

00:35:41: eine Ausrede zu erfinden für etwas.

00:35:43: Kinder vertragen die Wahrheit.

00:35:45: Und Kinder spüren das auch.

00:35:47: Das ist das Wichtige.

00:35:49: Wenn ich nicht ehrlich bin und eine Geschichte erzähle,

00:35:52: wird das Kind spüren, das stimmt fast nicht.

00:35:54: Und in dieser Situation, wenn es um einen Verlust geht,

00:35:57: dann das Gefühl zu bekommen,

00:35:59: und ich bekomme hier nicht die Wahrheit,

00:36:02: ist das Schlimmste für das Kind.

00:36:04: Wir brauchen die Wahrheit.

00:36:06: Dann hat es nicht nur den Verlust, sondern auch gleichzeitig den

00:36:09: Vertrauensbruch, den das Pflegekind zu den Eltern oder das Kind.

00:36:13: Das ist auch für Pflegekinder vielleicht noch mal wichtiger,

00:36:17: weil das ist natürlich genau dieses,

00:36:19: deren Lebensthema, irgendwo akzeptiert zu werden,

00:36:22: gebunden zu sein.

00:36:24: Wahrscheinlich ist genau das für Pflegekinder noch viel wichtiger.

00:36:28: Wenn Sie merken, nach einigen Jahren, so wie du sagst,

00:36:31: dass die hat mir noch Quatsch erzählt,

00:36:34: kann das, glaube ich, noch viel schädigender sein.

00:36:36: Bei Pflegekindern können wir auch davon ausgehen,

00:36:39: dass die noch viel sensibler sind,

00:36:41: dass wir die Erfahrung gelernt haben,

00:36:44: sensibel zu reagieren und sensibel für Menschen im Außen zu sein.

00:36:49: Das heißt, ganz sensibel spüren ist das hier gerade ehrlich.

00:36:53: Also stimmt das, was hier gerade passiert?

00:36:56: Und deshalb ist es so wichtig, die Wahrheit zu sagen.

00:37:00: Dem Alter entsprechend angemessen.

00:37:02: Und ich muss gut gucken, was kann ich dem Kind an Details zumuten.

00:37:06: Und die dürfen auch da reinwachsen, also in die Information.

00:37:10: Ich muss nicht im Alter von zwei Jahren jede Information,

00:37:13: jedes Detail weitergeben.

00:37:15: Aber das Kind wird Fragen stellen

00:37:17: und wird vielleicht mit fünf noch mal andere Antworten,

00:37:20: detailliertere Antworten bekommen.

00:37:23: Eine Geschichte zu erzählen, die nicht alle Details verrät,

00:37:26: aber wo so viel Wahrheit drin ist,

00:37:28: dass man hinterher darauf aufbauen kann.

00:37:31: Jetzt haben wir viel über Duske gesprochen,

00:37:33: gerade schon über so genannte Dones.

00:37:36: Also keine Lügengeschichten erzählen,

00:37:38: was dazu erfinden.

00:37:40: Was sind denn noch so Dinge, die man vielleicht vermeiden sollte,

00:37:44: worauf man achten sollte,

00:37:46: dass sie hinter einem Trauerprozess nicht im Weg stehen

00:37:49: oder den vielleicht sogar behindern können?

00:37:52: Mhm. Zeit ist ganz elementarwichtig.

00:37:55: Also wir müssen den Kindern im Trauerprozess die Zeit geben,

00:38:00: die sie brauchen.

00:38:02: Also das Kind nicht zu drängen irgendwie,

00:38:04: jetzt ist gut mit der Trauer.

00:38:06: Jetzt ist es schon lang genug her, so.

00:38:09: Und ganz wichtig ist, eine Sensibilität im Alltag mitzubringen.

00:38:13: Also ein Kind,

00:38:15: was vielleicht schon vor zwei Jahren den Papa verloren hat,

00:38:19: kann dann trotzdem zwei Jahre später irgendwie

00:38:21: maßgebliche Schwierigkeiten in der Schule haben.

00:38:24: Und dem zugrunde liegt vielleicht doch noch der Trauerprozess.

00:38:28: Dann nicht zu sagen, aber es ist doch lang genug her,

00:38:31: jetzt musst du darüber hinweg sein,

00:38:34: auch zu geben, ja.

00:38:36: Also auch nicht, du hast ja eben von diesen,

00:38:40: das ist in der Wissenschaft,

00:38:42: häufig von diesen sechs Monaten gesprochen,

00:38:44: mit Wohntrauerprozess abgeschlafen werden muss.

00:38:47: Das ist wahrscheinlich genau dieser Punkt.

00:38:49: Nach sechs Monaten muss es weg sein.

00:38:51: Das war es, ist es ja in dem Fall.

00:38:53: Wenn es zwei Jahre später dann nochmal diese Trauer aufpoppt,

00:38:57: das wahrscheinlich aber auch immer noch normal ist.

00:39:00: Diese Trauer ist noch nicht verarbeitet,

00:39:02: ist nicht unbedingt, dass das ein ganz unnormales Verhalten ist.

00:39:07: Na ja, und wann ist Trauer schon wirklich verarbeitet?

00:39:10: Also der Verlust eines Menschen darf mich an mein Leben lang...

00:39:13: Genau, Lebensthemaus an.

00:39:15: ...begleiten.

00:39:16: Wenn ich das nicht schaffe, in meinen Alltag zurückzukommen,

00:39:19: wenn ich es nicht schaffe, in die Schule zu gehen,

00:39:22: wenn ich es nicht schaffe, zur Arbeit zu gehen,

00:39:24: wenn ich meine Hobbys nicht mehr aufnehme, die ich jahrelang hatte,

00:39:28: wenn ich also maßgebliche Auffälligkeiten irgendwie zeige,

00:39:31: dann sollten wir losgehen, dann sollten wir uns Sorgen machen,

00:39:35: dann könnte dem eine Depression oder auch

00:39:37: eine posttraumatische Belastungsstörung zugrunde liegen.

00:39:41: Aber erst mal, wenn ich gut im Alltag zurückkomme,

00:39:45: dann darf mich Trauer auch immer wieder ereilen,

00:39:48: auch noch Jahre später.

00:39:49: Bei Pflegekindern, das Besondere ist ja, dass sie,

00:39:53: wir nennen es ja immer, die haben zwei Familien,

00:39:56: nämlich eine Familien, die leben, die Pflegefamilie,

00:39:59: wo sie geboren sind, wo sie herkommen, die Eltern,

00:40:03: leibliche Eltern, wie man es auch immer nennen will.

00:40:06: Wie erleben denn Pflegekinder,

00:40:09: wenn sie von dem Tod von Elternteilen hören?

00:40:13: Insbesondere, wenn die halt auch mitunter die jahrelang nicht gesehen haben.

00:40:18: Ist ja auch eine ganz besondere Situation,

00:40:21: wo man wahrscheinlich überhaupt keine Patentlösung für hat.

00:40:25: Und auch die Trauerphasen haben wahrscheinlich auch einfach

00:40:28: überhaupt nicht linear ablaufen,

00:40:30: sondern dass erst mal überhaupt begriffen werden muss, oder?

00:40:33: Ja, total.

00:40:34: Und das ist ...

00:40:35: Das ist ja noch mal was ganz ...

00:40:38: Also, es ist einfach, wenn die leiblichen Eltern versterben

00:40:41: und ich als Pflegekind keinen Kontakt hatte,

00:40:44: dann entgleiten wir da trotzdem Wurzeln.

00:40:46: Also, trotzdem sterben Menschen,

00:40:49: von denen ich meine Identität habe

00:40:52: und die ja möglicherweise trotzdem eine große Rolle

00:40:56: in meinem Leben spielen, zumindest in der Idee

00:40:58: und in der Entwicklung der eigenen Identität,

00:41:01: wo komme ich eigentlich her?

00:41:02: Das heißt, da durch den Tod der leiblichen Eltern

00:41:06: schneide ich möglicherweise auch die Möglichkeit ab,

00:41:09: oder es ist die Möglichkeit abgeschnitten,

00:41:12: da noch mal irgendwie einen Kontakt herzustellen.

00:41:15: Ich kann nicht mehr herausfinden, woher ich komme.

00:41:18: Genau, es ist endgültig.

00:41:20: Und ...

00:41:21: die Schwierigkeit ist dann natürlich auch,

00:41:24: die Kinder trauern um ihre Eltern.

00:41:26: Und gleichzeitig sind sie aber

00:41:28: in einem neuen Familien-Setting total integriert.

00:41:31: Die werden weniger trauern, die werden anders trauern.

00:41:34: Und da ist es ganz wichtig, hinzugucken

00:41:37: und dem Kind die Möglichkeit zu geben, zu trauern,

00:41:40: da auch Erfahrungen zu machen,

00:41:42: das zu sehen und dem die Trauer auch erleben zu dürfen,

00:41:47: das gut zu begleiten.

00:41:49: Und gut hinzugucken, weil das ist natürlich,

00:41:51: die Gefahr besteht da in einen Loyalitätskonflikt zu geraten.

00:41:55: Ich bin hier in meiner neuen Familie, die muss ich lieben.

00:41:58: Jetzt stirbt aber irgendwie meine Mutter.

00:42:01: Darf ich trauern?

00:42:02: Auch die Frage, muss ich trauern?

00:42:05: Also, mir wird jetzt gesagt, meine Mutter ist gestorben,

00:42:08: weil ich kenne die ja gar nicht, muss ich da weinen.

00:42:11: Was passiert hier eigentlich mit mir?

00:42:13: Und da offen für zu sein.

00:42:16: Also offen für die Fragen, für die Gespräche.

00:42:18: Und mit dem Kind auch genau das zu besprechen

00:42:21: und sagen, jetzt ist dir deine Mama gestorben.

00:42:24: Und du kennst die gar nicht, wie fühlt sich das an?

00:42:27: Was brauchst du da, offen im Gespräch zu sein?

00:42:29: Und auch die Möglichkeit und die Offenheit mitzubringen,

00:42:32: vielleicht auch auf die Suche zu gehen.

00:42:35: Wenn ich mir vorstelle, das Kind hat möglicherweise

00:42:37: nie eine Idee zu den Eltern gehabt, es gab keine Kontakte.

00:42:40: Und es erfährt von dem Tod der leiblichen Mutter.

00:42:43: Fängt vielleicht aber damit auch das Interesse daran an.

00:42:46: Wer ist denn diese Frau eigentlich?

00:42:48: Und dann auch die Offenheit mitzubringen,

00:42:50: die Forschung anzustellen, so wie es das Kind gut vertragen kann.

00:42:54: Aber das Kind zu begleiten in diesem Prozess.

00:42:57: Hm. Also, dass der Tod, also eigentlich endgültiger,

00:43:01: aber ein neuer Anfang ist, beispielsweise Biografiearbeit.

00:43:04: Genau, Biografiearbeit zu betreiben.

00:43:06: Weil das der Auslöser war, dass sich das Kind für dieses Thema,

00:43:10: wo komme ich eigentlich her, für die Wurzeln,

00:43:12: dadurch mehr interessiert.

00:43:13: Und das ist ja auch, kann das auch wieder etwas sein,

00:43:16: um eine ganz andere Form von Integration,

00:43:20: nämlich, wo komme ich eigentlich her,

00:43:23: diese eigene Biografie zu verarbeiten zu können.

00:43:26: Hm. Ein anderes Beispiel, das hat jetzt nichts mit Tod zu tun,

00:43:32: ist dann ja, was ich glaube, ich auch denke,

00:43:35: das ist auch Verlust und es kann auch Trauer sein,

00:43:38: ist, wenn der Kontakt zu den leiblichen Eltern komplett abreißt,

00:43:43: die Eltern sind, die Mutter, zu der vielleicht mal einen Kontakt

00:43:46: zu den Eltern, der im Verstand ist untergetaucht.

00:43:49: Aus den unterschiedlichsten Gründen, die es dann halt häufig gibt,

00:43:53: das weißt du, wie es nicht besser aus deinem Arbeitsalltag,

00:43:56: was es für Gründe geben kann.

00:43:58: Und das Kind eigentlich den Kontakt gesucht hat.

00:44:00: Das ist wahrscheinlich auch eine Art von Trauerarbeit,

00:44:03: die man da leisten muss. Wie geht man damit um?

00:44:06: Das ist definitiv auch ein Trauerprozess, der da startet.

00:44:09: Wir können davon ausgehen,

00:44:11: dass sogar die Abgabe des Schnullers im Kleinkindalter

00:44:14: ein Trauerprozess ist, so, den Kinder durchleben.

00:44:16: Das sind die kleinen Verluste des Alltags

00:44:18: für uns in der erwachsenen Wahrnehmung.

00:44:21: Und gleichzeitig sind das aber Möglichkeiten,

00:44:24: um Kindern einen Umgang mit Trauerprozessen zu ermöglichen.

00:44:27: Und genauso ist es auch, wenn Eltern entscheiden,

00:44:31: keinen Kontakt mit zum Kind zu haben

00:44:33: oder warum auch immer dieser Kontakt abbricht.

00:44:35: Das ist ein Trauerprozess.

00:44:37: Und das braucht ein Zugeständnis von außen,

00:44:40: dass da getrauert werden darf.

00:44:42: So, und dass das auch total blöd ist,

00:44:46: dass diese Kontakte nicht mehr stattfinden

00:44:48: und dass diese Trauer da sein darf.

00:44:50: Und gleichzeitig kann dann aber auch geschaut werden,

00:44:53: was können wir stattdessen machen?

00:44:55: Was braucht das Kind?

00:44:56: Möchte das irgendwie trotzdem Briefe schreiben?

00:44:59: Auch wenn die nicht abgeschickt werden,

00:45:01: gibt es vielleicht eine Erinnerungsbox, die ich gestalten kann,

00:45:04: dem Kind die Möglichkeit zu geben,

00:45:06: trotzdem die Worte loszuwerden, die es loswerden möchte,

00:45:09: wenn gleich nicht die Möglichkeit besteht,

00:45:11: den Eltern das selber zu sagen.

00:45:13: Es ist ja kreativ zu sein und zu gucken, was ist hilfreich?

00:45:17: Was braucht das Kind, um trotzdem den Prozess irgendwie zu gehen

00:45:22: und das auszuhalten?

00:45:24: Hm.

00:45:25: Ich glaube, das könnte ich jetzt noch lange darüber reden,

00:45:29: wie dieses Thema Besuchskontakte, Besuchsabhauer.

00:45:31: Aber ich glaube, das ist an der Stelle jetzt, glaube ich,

00:45:34: gerne noch was anderes ansprechen, nämlich so ein dritter Fall.

00:45:38: Nämlich, wenn ein Pflegekind ist jetzt beispielsweise

00:45:41: relativ frisch in einer Familie

00:45:43: noch nicht so eng gebunden

00:45:46: und beispielsweise die Großmutter der Pflegefamilie stirbt

00:45:51: und alle sind den tiefer Trauer.

00:45:53: Und das Kind ist da aber erst seit einigen Monaten,

00:45:56: kennt die Person vielleicht noch gar nicht.

00:45:59: Wie gehe ich denn damit um?

00:46:01: Weil das Kind wird an der Stelle, wird sich auch denken,

00:46:05: ich kann gar nicht trauen, weil ich kenne diese Person nicht,

00:46:08: aber muss ich jetzt trauern?

00:46:10: Weil die Anbivalenz befinden sich da eigentlich Pflegekinder.

00:46:13: Und was kann ich als Pflegeeltern an der Stelle tun?

00:46:16: Einerseits diesen Trauer,

00:46:18: der beispielsweise der eigenen Mutter verarbeiten zu können

00:46:22: und gleichzeitig für das Pflegekind mit seinen eigenen Themen

00:46:26: und seinen eigenen Sorgen irgendwie noch im Blick zu behalten.

00:46:29: Und das ist total spannend, finde ich,

00:46:32: weil das ist so, es kann so alles sein.

00:46:34: Also jede Reaktion kann ja sein.

00:46:37: Wenn ich mir jetzt vorstelle,

00:46:38: wenn dieses Kind reagiert auf einmal übermäßig, schräg darauf,

00:46:42: dann würde ich mir ja auch die Frage stellen,

00:46:45: woher kommt das denn jetzt?

00:46:46: Eigentlich kennt dieses Kind die Oma doch kaum.

00:46:49: Und möglicherweise wird es da auch wieder

00:46:51: in den eigenen Themen angetriggert.

00:46:53: Also es kann alles sein.

00:46:55: Vielleicht ist es tief traurig,

00:46:56: vielleicht kann es das gar nicht aushalten,

00:46:58: die Trauer der anderen zu erleben und keine eigene zu spüren.

00:47:02: Vielleicht ist es mit seinen eigenen Themen beschäftigt

00:47:04: und der Trauer, die es damals als Kind erlebt hat.

00:47:07: Es ist getriggert, aber es geht gar nicht um den Verlust dieser Oma.

00:47:11: Und das Wichtige ist,

00:47:12: immer wieder in allen Prozessen im Gespräch zu sein.

00:47:16: Also sich anzubieten als Gesprächspartner,

00:47:19: Rituale zu schaffen, Möglichkeiten der Trauerentwicklung zu bieten.

00:47:25: Und man darf mit dem Kind dann auch besprechen,

00:47:29: was man vielleicht irgendwie selber für eine Hypothese hat.

00:47:32: Und auch zu sagen, hey, du kanntest die Oma gar nicht so gut.

00:47:35: Du darfst dem da so traurig sein.

00:47:37: Und es ist aber auch okay, mal nicht traurig zu sein.

00:47:40: Da ist auch ganz egal, wie lange wir jemanden kennen,

00:47:43: wie nah wir beieinander waren.

00:47:45: Wichtig ist, den Kindern zu vermitteln,

00:47:48: dass alles erst mal sein darf.

00:47:50: Also es darf Freude sein, es darf Trauer sein,

00:47:52: es darf Schmerz sein, es darf Wut sein.

00:47:54: Und auch Schuldgefühle sind häufig Thema.

00:47:58: Gerade bei Pflegekindern, die dann vielleicht die Idee haben,

00:48:01: jetzt bin ich hierhergekommen und schwuppst die Oma.

00:48:04: Und das darf erst mal sein.

00:48:06: Und es gehört zum Prozess dazu.

00:48:08: Und dann, gemeinsame Gespräche zu sein und zu erklären,

00:48:11: die Oma war alt, die ist gestorben.

00:48:14: Weil alte Menschen irgendwann sterben,

00:48:16: der Körper schafft das nicht für immer,

00:48:18: obwohl die Medizin so gut ist heute,

00:48:20: aber irgendwann sterben alte Leute oder kranke Leute.

00:48:23: Und deutlich zu machen, warum ist dieser Mensch gestorben?

00:48:26: Und trotzdem dürfen die Gefühle des Kindes alle sein.

00:48:29: Mhm.

00:48:31: Wow, ist aber doch einfach ein unglaublich komplizierter Prozess,

00:48:38: irgendwie an der Stelle.

00:48:40: Weil so viele Fragezeichen irgendwie da sein können.

00:48:42: Gerade mit einem Pflegekind da irgendwie zu schauen,

00:48:45: was ist denn eigentlich der gute Grund für dieses Handeln?

00:48:49: Also das rauszufinden, das ist ja wirklich eine komplette Detektivarbeit.

00:48:53: Ja, genau.

00:48:54: Die Pflegeeltern tun, ihr als Berater an der Stelle tut,

00:48:58: das finde ich total spannend.

00:49:00: Ja.

00:49:01: Und das ist immer wichtig mit Pflegekindern oder Kinder generell.

00:49:04: So eine Traumersensible Haltung zu haben.

00:49:07: Dazu gehört genau dieser gute Grund, den du angesprochen hast,

00:49:10: die Idee zu haben, dass die Verhaltensweisen,

00:49:12: die Kinder, Jugendliche und Erwachsene auch zeigen,

00:49:15: Sinn machen.

00:49:17: Also in dieser Situation biografisch bedingt Sinn machen.

00:49:21: Und so kann ich total gut hingucken, Nachfragen,

00:49:25: den Grund dahinter verstehen und vielleicht für korrektive Erfahrungen

00:49:28: sagen und die Möglichkeit bieten,

00:49:30: eine gute Entwicklung zu machen.

00:49:32: Weil ich verstehe, warum Verhalten gezeigt wird.

00:49:36: Bei all diesen Themen rund um Trauer und dieses Thema,

00:49:42: was wir jetzt gerade hatten, das Gefühl auf die Suche nach den Gefühlen gehen,

00:49:47: was ist der gute Grund?

00:49:49: Gibt es ja bestimmt auch einige Bücher und andere Empfehlungen,

00:49:53: wie man mit Kindern das gut besprechen kann?

00:49:56: Ich sehe, du hast einige Sachen schon mitgebracht.

00:49:59: Hast du einige Empfehlungen für die Hörerinnen und Hörer,

00:50:02: die du einmal kurz vorstellst und die ich dann in die Show noch packen würde?

00:50:06: Ja. Also erst mal gibt es unglaublich viele Kinderbücher zu dem Thema.

00:50:11: Und wenn wir beim guten Grund sind, sind wir auch

00:50:13: insgesamt beim Thema Emotionalität.

00:50:16: Heißt Gefühle, Schühlen, Gefühle, Empfinden, Gefühle,

00:50:19: Wahrnehmung. Da gibt es ganz, ganz viele gute Bücher dazu.

00:50:22: Ich habe jetzt hier eher welche zum Thema Tod und Trauer mitgebracht.

00:50:25: Aber das wäre so der Start.

00:50:27: Also welche Emotionen habe ich eigentlich?

00:50:29: Welche gibt es, wie fühlen die sich an?

00:50:32: Da kann man schon mal gut mit einsteigen.

00:50:34: Das ist so ein bisschen der Vorreiter

00:50:37: für anstehende Verluste und Trauerarbeit dann.

00:50:39: Ansonsten gibt es noch ziemlich gute Bücher,

00:50:43: aber wenn man beispielsweise auf die Beerdigung vorbereiten möchte,

00:50:47: gibt es das Buch "Die besten Beerdigungen der Welt".

00:50:50: Das ist ein tolles Kinderbuch,

00:50:52: wo Kinder auf die Reise gehen und verschiedene Tiere beerdigen.

00:50:55: Und ganz viele Beerdigungen gestalten.

00:50:57: Das ist ein tolles Buch.

00:50:59: Ich mag auch total gerne das Buch für immer in meinem Herzen.

00:51:02: Das ist ein Trauer- und Erinnerungsbuch zum selber gestalten.

00:51:05: Das finde ich total klasse.

00:51:07: Ich finde, dieses selber gestalten ist für Kinder ganz hilfreich.

00:51:11: Genau, das hat was Aktives.

00:51:12: Das hat was Aktives.

00:51:13: Und ich kann dieses Buch dann immer rausholen, wenn ich es brauche.

00:51:17: Ich kann das irgendwie ins Regal stellen.

00:51:19: Wenn ich das gerade nicht irgendeine gucken möchte,

00:51:21: ich kann das aber rausholen und mich erinnern.

00:51:24: Das ist ein Schmerz, das ich in der letzten Spring

00:51:27: wie Kinder Trauer leben, auch total plastisch darstellen.

00:51:30: Ich hole das Buch aus, ich bin in der Fütze, trauere.

00:51:33: Ich pack das wieder weg und erst mal in ein Lutellaborat.

00:51:36: Das finde ich total klasse, so ein Buch zu haben.

00:51:38: Sonst gibt es aber auch unzählige Bücher im Internet.

00:51:41: Das können wir gerne noch mal da in die Literaturangaben mit reinschreiben.

00:51:45: Es gibt auch einfach die Wüste, ich pack das alles rein.

00:51:48: Das finde ich das Schöne.

00:51:50: Da will ich dieses, das Trauer nicht immer etwas Schweres haben muss.

00:51:54: Wenn ich das in die Aktion komme, finde ich das wichtig.

00:51:57: Es ist auch eine Chance,

00:51:58: für viel Stabilität in der Persönlichkeitsentwicklung zu sorgen.

00:52:04: Also dem Kind da die Möglichkeit zu geben,

00:52:06: einen positiven Prozess zu gestalten, daraus gestärkt herfortzugehen

00:52:11: und irgendwann dann mehr wachsen, an Alter vielleicht sagen zu können,

00:52:15: ich hab ganz viele Tode erlebt und trotzdem stehe ich hier heute.

00:52:18: Und es geht mir gut.

00:52:19: Möglicherweise macht man damit was, geht zur Notfallbegleitung.

00:52:23: Und gibt die eigenen Erfahrungen noch mal weiter?

00:52:27: Schön.

00:52:29: Mh.

00:52:30: Marie, ich danke dir vielmals für dieses Interview.

00:52:34: Jetzt habe ich noch eine Frage.

00:52:36: Ich weiß nicht, ob du noch etwas, quasi eine letzte Botschaft.

00:52:40: Das ist ein Thema Trauer, ist die letzte Botschaft.

00:52:44: Nein, das klingt blöd.

00:52:45: Ich frag dich, stell die Frage noch mal an.

00:52:48: Was möchtest du Familien, Pflegefamilien mit auf den Weg geben,

00:52:52: die gerade mit einem trauernden Kind leben?

00:52:56: Ja.

00:52:58: Ich glaube, ich würde den, ich möchte, glaube ich,

00:53:01: gern Vertrauen weitergeben.

00:53:03: Vertrauen in die Welt und in uns Menschen,

00:53:06: dass wir solche Prozesse überstehen

00:53:09: und im besten Fall gestärkt daraus hervorgehen

00:53:12: und dass wir das Gut meistern werden.

00:53:14: Und Vertrauen auch in die Kinder,

00:53:16: dass die das schaffen, einen Umgang damit zu finden.

00:53:19: Und ich glaube, es braucht in Trauerprozessen

00:53:22: auch ein Stück weit eine Hoffnung.

00:53:25: Also dieses Vertrauen, was ich vermittle,

00:53:27: ist auch Hoffnung auf, es geht weiter.

00:53:30: Das brauchen wir.

00:53:32: Vielen Dank, Marie.

00:53:34: Danke, dass du dabei warst.

00:53:35: Vielen Dank für diese tollen Einblicke.

00:53:39: Und ja, ein sehr interessantes Gespräch zum Thema Trauer,

00:53:45: was zum Glück gar nicht so traurig war.

00:53:47: Das finde ich sehr gut. Danke dir.

00:53:49: Danke auch.

00:53:51: Das war das Gespräch über Trauer, Verlust

00:53:54: und die Begleitung von Pflegekindern in diesen schweren Momenten.

00:53:58: Weil ich so schön fand, ich den Gedanken,

00:54:00: dass Trauer nicht nur Schmerz bedeutet,

00:54:02: sondern auch Raum für Hoffnung und neue Bindung schaffen kann.

00:54:06: Wenn ihr im März dem Thema lesen möchtet,

00:54:08: vor allem wenn ihr insbesondere euch die Kinderbücher anschauen wollt,

00:54:12: dann werft ein Blick in die Show Notes.

00:54:14: Dort findet ihr die Links zu all diesen Büchern,

00:54:16: die Marie im Interview erwähnt hat.

00:54:19: Danke, dass ihr dabei wart und bis zur nächsten Folge.

00:54:22: (Dynamische Musik)

00:54:25: Netzwerk Pflegefamilien, der Podcast.

00:54:28: (Dynamische Musik)

00:54:33: * Musik *

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