Leben mit Adoptiv- und Pflegekindern

Shownotes

In dieser Folge von Netzwerk Pflegefamilien – der Podcast spreche ich mit Petra. Sie ist seit vielen Jahren Pflegemutter und erzählt von einer Familie, die auf ganz unterschiedlichen Wegen gewachsen ist. Ihr erstes Kind kam als Pflegekind zu ihr. Ihre zweite Tochter wurde von ihrer Mutter zur Adoption freigegeben. Später nahm die Familie ein weiteres Pflegekind auf. Im Gespräch erzählt Petra, wie unterschiedlich sie Pflege und Adoption erlebt hat – insbesondere mit Blick auf Beratung und Unterstützung. Denn ausgerechnet mit ihrer Adoptivtochter erlebte die Familie eine besonders schwierige Zeit. Als das Zusammenleben zuhause nicht mehr funktionierte, lebte die damals 12-/13-Jährige für ein Jahr in einem stationären Angebot. Danach kehrte sie zurück in die Familie. Wir sprechen unter anderem darüber, 🔸 wie Petra Pflegemutter wurde und ihre Familie gewachsen ist, 🔸 wie unterschiedlich Pflege und Adoption für sie waren, 🔸 welche Bedeutung Beratung und Begleitung für Familien haben können, 🔸 wie es ist, wenn das Zusammenleben zuhause zeitweise nicht mehr gelingt, 🔸 wie eine Rückkehr in die Familie gelingen kann, 🔸 wie sich Geschwisterbeziehungen und das Familiengefüge über die Jahre verändern 🔸 und was Petra nach vielen Jahren als Pflege- und Adoptivmutter über Familie gelernt hat. Eine Folge über drei Kinder mit unterschiedlichen Geschichten, über schöne und schwierige Zeiten – und darüber, dass Familie nicht immer geradlinig verläuft.

Transkript anzeigen

00:00:00: Ich saß dann da und dachte, jetzt müsstest du es doch eigentlich bei dir klick machen.

00:00:03: Es machte irgendwie gar nicht Klick!

00:00:05: Nein, dann wurde sie gebracht mit einem kleinen Kofferchen... Ja, dann ging's los ne?

00:00:11: Da war sie ich glaube so drei Monate hier.

00:00:14: Da haben wir einen Ausflug gemacht und waren an der Tankstelle wo sie musste zur Toilette.

00:00:19: Bin ich mit ihr zu Toiletten gegangen und wäre also auf der Toilettseit zu mir.

00:00:24: und bist du jetzt meine neue Mama?

00:00:27: Darf ich jetzt Mama zu dir sagen hat sie mich wirklich so

00:00:29: gefragt?

00:00:30: Und da, also wie gesagt kriege ich heute noch ein bisschen Gänsehaut bei und das war so ein schönes Erlebnis.

00:00:35: Da dachte ich ja jetzt hat es doch richtig geflubbt

00:00:37: ne?

00:00:46: Herzlich willkommen zu einer neuen Folge von Netzwerkpflege-Familien der Podcast!

00:00:51: Heute spreche ich mit Petra.

00:00:53: Petra ist halt vielen Jahren Pflegemutter und wenn man ihre Familiengeschichte hört merkt man ziemlich schnell dass sich Familie manchmal ganz anders entwickelt als man es am Anfang vielleicht erwartet.

00:01:04: Drei Kinder sind in ihrer Familie.

00:01:06: Ihr erstes Kind kam als Pflegekind zu ihr.

00:01:09: Einige Jahre später kam eine zweite Tochter hinzu, die von ihrer Mutter zur Adoption freigegeben wurde und wiederum einige Jahre später wurde die Familie noch einmal durch ein weiteres Pflegekind größer.

00:01:21: mit Peter spreche ich darüber wie diese Familie über viele Jahre gewachsen ist und wie unterschiedlich diese Wege waren.

00:01:28: Besonders spannend fand ich dabei Petra's Erfahrungen mit Pflege und Adoption, denn ausgerechnet in ihrer Adoptivtochter erlebte die Familie eine sehr schwierige Zeit, in der das Zusammenleben zu Hause schließlich nicht mehr möglich war.

00:01:41: Für ein Jahr lebte ihre Tochter an einem stationären Angebot und kehrte danach wieder zurück zur Petra.

00:01:48: Wir sprechen darüber, wie Petra diese Zeit erlebt hat was Unterstützung und Beratung für sie bedeutet haben.

00:01:54: Und was passiert wenn man als Familie irgendwann an einem Punkt kommt, an dem es zu Hause erst einmal nicht weitergeht?

00:02:01: Aber natürlich geht das auch um viele Jahre ganz normalen und manchmal eben überhaupt nicht normalen Familienlebens, um Geschwister, ums Älterwerden, um's Loslasten und darum was Familie nach all diesen gemeinsamen Erfahrungen eigentlich ausmacht!

00:02:15: Ich wünsche euch viel Spaß beim Zuhören Petra, erst mal vielen Dank dass ich heute bei dir bei euch sein kann und wir über eure Familie, über euer Leben als Pflegefamilie sprechen.

00:02:30: Und bevor wir anfangen magst du erstmal ein paar Worte über dich verlieren.

00:02:34: Ja hallo Ich freue mich auch das wir hier zusammensitzen und diesen Podcast aufnehmen.

00:02:39: Mein Mann und ich Wir haben drei angenommen Töchter Im Alltag von vierundzwanzig achtzehn und vierzehn Und unseren Hund

00:02:47: Und der Hund.

00:02:48: Den durfte ich auch gerade schon begrüßen, sehr schön!

00:02:52: Mit drei Kindern.

00:02:54: Wie würdest du deine Familie in drei Worten beschreiben?

00:03:04: Bunt und lebhaft ja.

00:03:06: Das kann ich mir sehr gut vorstellen.

00:03:08: Okay wie ist es denn überhaupt dazu gekommen dass ihr sagt Pflegefamilie das könnte was für uns sein?

00:03:16: Ja, also als wir geheiratet haben damals war für uns klar.

00:03:21: Wir wollen eine Familie gründen und das hat dann nicht so funktioniert.

00:03:26: Wir haben dann alles Mögliche ausprobiert und für uns aber von vornherein klar, also auch für uns beide wenn das auf normalem Weg nicht funktioniert, dann wollen wir gucken ob wir einen oder mehreren Kindern die ein Zuhause brauchen das bieten können.

00:03:42: Und somit waren wir dann.

00:03:44: nachdem wir eine Zeit lang alles mögliche biologische oder medizinische probiert haben, haben wir dann den Schritt gemacht und sind aufs Jugendamt zugegangen und haben uns da informiert.

00:03:55: Ja, habt ihr euch beim Jugendamt zuerst gemeldet?

00:03:59: Habt ihr dort auch die Vorbereitung gemacht?

00:04:02: Wir haben da eine Vorbereitungen gemacht.

00:04:05: Unser Jugendamt ist ein kleines Jugendamt und zu dem Zeitpunkt als wir die Vorbreitung gemacht haben gab es nicht wirklich ne Gruppe.

00:04:13: Somit haben wir das da mit einem Sachbearbeiter alleine gemacht.

00:04:16: Wenn

00:04:17: du überlegst, gibt es etwas aus der Vorbereitung was du so mitgenommen hast oder dachtest, warum?

00:04:22: Hab ich das noch gar nicht gesehen?

00:04:26: Ja wie natürlich... Das gehört ja auch dazu bei der Vorbreitung dass man auch über alle möglichen Schwierigkeiten oder Kinder aus allen möglichen Verhältnissen oder so spricht und dann dass das sind natürlich Sachen über die man sich vorher kehrt, nicht so Gedanken macht.

00:04:45: Würde ich ein Kind einer drogenabhängigen Frau aufnehmen oder würde ich ein kind aufnehmen wo die Mutter psychisch krank ist?

00:04:57: Mit solchen Fragen wird man ja konfrontiert, wo man zu Anfang gar nicht so drüber nachgedacht hat.

00:05:02: Im Anfang hat man gedacht auch bestellen Adoptionsantrag und haben gar nicht darüber nachgedachten, dass es eigentlich eher der Ausnahmefall ist.

00:05:11: Mhm.

00:05:12: Ja, das kann ich mir gut vorstellen.

00:05:14: auf dieses Gefühl was traue ich mich überhaupt wirklich zu?

00:05:17: Was heißt denn das überhaupt?

00:05:19: und wie viel bringen die Kinder dennoch wirklich mit?

00:05:22: so und Das erlebe ich auch aus dem aus den ganzen Podcasts die ich aufnehme Auch sehr junge Kinder die sehr jung in Opult genommen wurden Die haben auch sehr viel schon miterlebt und auch selbstkinder Ja, quasi direkt aus dem Kreiser in Obhut genommen werden auch da natürlich.

00:05:43: Und dieses Thema ist ein großes Thema dieser Vorbereitung.

00:05:47: Klar man geht erst mal relativ unbedarf ein bisschen herein hat sich vielleicht ein bisschen informiert.

00:05:52: aber diese Auseinandersetzung ja dafür ist eine Vorbereitung auch da und die dauert ja auch einige Zeit dass man sich das gut überlegen kann.

00:06:02: Gab es so in der Vorbereitsung Momente wo du Also wo es vielleicht auch mal so ein bisschen gekippt ist oder wo er vielleicht nochmal neu gefraht hat, schaffen wir das eigentlich wirklich?

00:06:11: Nehmen wir uns dazu viel Form.

00:06:14: Na in der Vorbereitung eigentlich nicht!

00:06:18: Ich hatte diese Probleme... also ich bin so'n Typ, ich bin nicht so'nen Freund von ganz schnellen Entscheidungen Mein Mann is da ganz anders Der sieht was und findet das toll.

00:06:29: Und ich hatte eher diese Probleme als wir dann unsere erste Pflegetochter kennengelernt haben.

00:06:34: Wo ich dann dachte, ich saß da und dachte jetzt müsste es doch eigentlich bei dir Klick machen.

00:06:38: Es machte irgendwie gar nicht klick weil ich so emotional war sehr aufgewühlt.

00:06:46: Es war klar Ich würde meinen Beruf aufgeben Und damals bin Kinderkrankenschwester.

00:06:51: Ich habe damals in einer leitenden Position gearbeitet.

00:06:54: Ich wusste was ich hatte und das habe ich sehr gern gemacht.

00:06:57: aber ich wusste ja nicht Was kriege ich wieder?

00:07:02: Echt ein bisschen gehadert.

00:07:03: Und mein Mann war sofort Feuer und Flamme bei dem Kennenlernen, der spielte direkt mit ihr und ich saß da und war irgendwie schwierig für mich im ersten Augenblick.

00:07:15: Wie bist du damit umgegangen?

00:07:18: Also beispielsweise an das Jugendamt zurückmelden, kleinen Deinenpuls.

00:07:23: Nee,

00:07:23: war natürlich direkt klar dass die das auch registrieren und ich wurde ja auch direkt drauf angesprochen weil man geht dann nach so einem ersten Kontakt telefoniert man nachher na wie wars denn?

00:07:35: was denkt ihr?

00:07:36: Und dann sagte sie auch direkt Ja Sie waren doch ein bisschen sehr zurückhaltend und ja ich habe das dann erklärt wie das zusammenhängt und das konnten die auch gut verstehen.

00:07:47: Ja, das hat sich dann auch bei den nächsten Kontakten direkt verloren.

00:07:50: Also dann... Hat sie auch mein Herz ganz schnell erobert!

00:07:54: Ah, das ist gut, ja genau.

00:07:57: Also irgendwann muss es auf jeden Fall klicken?

00:07:59: Ja, klar.

00:08:00: Aber es war auch die Situation so wie... Sie war schon dreieinhalb.

00:08:05: Das war ein bisschen anders als man erst gedacht hat.

00:08:08: Man hatte ja die Hoffnung, dass man erst ein Baby kriegt.

00:08:12: Ich war da blauäugig,

00:08:13: ne?!

00:08:15: Ich hätte dir erst gerne ein Baby gehabt, sage ich ehrlich.

00:08:18: Aber das habe ich ja später bekommen!

00:08:24: Okay der Mann war also komplett direkt verliebt beim ersten Tag weil die hat es ein bisschen länger gedauert und das war aber eher dann dieses Gefühl will ich das wirklich?

00:08:35: Ja, hab'

00:08:36: ich das auch, ne?

00:08:38: Weil

00:08:38: ich wusste was ich in meinem Job mache.

00:08:40: Das kann nicht und das mache ich gut und da...das hat mir Spaß gemacht Das andere kann ich das überhaupt.

00:08:46: Und was ist, wenn ich merke?

00:08:48: Ich bin so ein Kopfmensch und hab dann ganz viele Gedanken gehabt.

00:08:55: Mein Mann sagte natürlich schaffen wir das!

00:08:57: Das ist die richtige, der war da Feuer und Flamme.

00:09:02: Und hat mich dann auch mitgerissen.

00:09:03: Ja, das wollte ich halt fragen weil es für dich unterstützt.

00:09:06: Ja ja auf jeden Fall.

00:09:08: wenn der auch gehadert hätte

00:09:09: Dann

00:09:11: wäre es vielleicht schwierig geworden.

00:09:12: Ja gut auf jeden fall Das kann ich mir gut vorstellen.

00:09:15: Ich habe gerade so ein bisschen dieses Bild gehabt.

00:09:19: Ich glaube bei vielen wichtigen Entscheidungen in seinem Leben und ich glaube Dieses klassische Beispiel was man irgendwie aus so vielen Filmen kennt irgendwie Man steht kurz vor der Hochzeit und bekommt dann nochmal Panik davor, ob das jetzt das Richtige und so weiter.

00:09:32: Ich habe es mir gerade so ein bisschen vorgestellt dass es auch in diese Richtung geht.

00:09:37: wow!

00:09:37: Jetzt ist es so konkret und jetzt merke ich erst mal was das heißt dieses Kind da vorne.

00:09:43: auf das soll ich aufpassen das soll quasi meins werden und ich weiß aber auch was daran hängt und was ich dafür erstmal aufgeben muss.

00:09:54: mich beauflicht ja Ja, und dann konntest du das aber für dich nach den mehreren Treffen abhaken?

00:10:00: Das hat sich dann nach und nach gegeben.

00:10:03: Und dann war es auch alles gut.

00:10:06: Bist du heute noch wieder in diesem Job oder...

00:10:10: Nee tatsächlich nicht!

00:10:12: Hier wo ich jetzt wohne gibt's die Möglichkeit konkret nicht als Kinderkrankenschwester zu arbeiten.

00:10:17: Es würde einen weiten Fahrweg voraussetzen und das würde auch Schichtdienst bedeuten und damit war das für mich gekänzelt.

00:10:24: zwischendurch mal in einer ambulanten Pflege gearbeitet.

00:10:27: Aber das war auch nicht das richtige.

00:10:29: zurzeit, arbeite ich in einer Kita als pädagogische Fachkraft.

00:10:33: Ja okay und die ist hier dann auch halbwegs näher dran?

00:10:36: Ja genau!

00:10:36: Und das macht mir sehr viel Freude.

00:10:38: Ja das ist ja auch schön, sehr gut.

00:10:41: Genau dreieinhalb war sie die älteste... wie war denn so diese Anbahnungszeit?

00:10:46: Das kennenlernt es bis zum Einzug.

00:10:50: Ja, das ist natürlich bei so einem Kind in dem Alter muss man das natürlich sehr bewutsam und auch eher langfristig planen.

00:11:00: Und sie war schon, ich glaube neun Monate war sie in einer Bereitschaftspflege und war da auch schon ganz gut angedockt.

00:11:08: aber... Der Vorteil war auch, man konnte ja auch ihr schon die Dinge erklären.

00:11:12: Und sie hat dann nach relativ kurzer Zeit auch kapiert warum wir immer kommen und sie besuchen und wurde da in der Bereitschaftspflege gut darauf vorbereitet.

00:11:24: Das war so dass wir etliche Male dahin gefahren sind.

00:11:28: zunächst bei denen zu Hause uns mit dem Mädchen beschäftigt haben haben wir kleine Ausflüge gemacht und dann kam es andersrum, dann wurde sie hier zu uns gebracht.

00:11:39: Und ja... und irgendwann hat sie auch selbst gesagt, so jetzt möchte ich auch bei euch wohnen.

00:11:47: Wow!

00:11:49: Der Satz, der hat sich wahrscheinlich richtig eingebrannt.

00:11:53: Was war das für ein Gefühl diesen Satz zu hören?

00:11:55: Ja, war ein total cooles Gefühl.

00:11:59: Das war echt schön.

00:12:01: und dann steht man dann wurde sie gebracht, mit einem kleinen Kofferchen.

00:12:07: Ja und dann ging's los.

00:12:09: ne?

00:12:10: Dann ging es los!

00:12:11: Weil das Zimmer schon fertig oder

00:12:12: was war schon fertig?

00:12:13: Das haben wir auch im Vorfeld schon mit ihr zusammen vorbereitet.

00:12:19: Bett hatten wir gekauft und Bettwäsche und dann hatten wir auch schon im Vorfield mit ihr einen Fahrrad gekauft.

00:12:26: So wollte ein Fahrrad fahren lernen und so.

00:12:27: also sie wusste schon Sie hat einige Sachen schon hier die ihr gehören.

00:12:33: Das klingt erst mal einer ziemlich guten Anbahnung.

00:12:36: Ja,

00:12:36: doch das war auch wirklich sehr gut!

00:12:38: Die Bereitschaftspflege-Familie wo sie war hat noch sehr viel Erfahrung und die haben das gut gemacht und gut begleitet.

00:12:45: Es war echt schön.

00:12:48: Sehr gut.

00:12:51: Wie war denn so dann die erste Zeit?

00:12:54: Dieses Kind ist eingezogen.

00:12:55: bis dahin lief es genauso wie es laufen sollte.

00:13:00: Wie warten das ankommen dann hier?

00:13:01: Das ist ja doch noch mal was anderes.

00:13:03: Nicht mehr dieses hin und her, sondern so jetzt bist du hier und ähm ... Ist ja bei vielen Pflegekindern so dass sie dann auch einiger Zeit merkt man dann so'n bisschen wie sagen wir's immer was in dem Rucksack steckt.

00:13:15: Ganz genau.

00:13:16: Dann öffnen die den Rucksacks ein bisschen weil das war ihr auch der Fall?

00:13:19: Ja es war

00:13:20: aber ihr auch!

00:13:21: Und äh also sie war auch die ersten zwei drei Wochen war sie sehr angepasst und dann hat er auch ihren RucksACK geöffnet

00:13:29: An acht, zwei Wochen schon.

00:13:30: Ja oder drei?

00:13:31: Ich weiß es nicht mehr so ganz genau.

00:13:33: Das ist ja schon eine Zeit her ich weiß nicht mehr.

00:13:35: Aber das ist dann auch relativ zügig.

00:13:38: Und dann kam relativ züge ich auch so ne Phase wo sie immer ... Sie hat ihre ... Also sie ist zu uns gekommen weil ihre Mutter verstorben ist und es keine andere Option gab und das merkt also sie wollte dann auch partou so zu uns richtig so als Familie gehören und hat dann immer mit uns Geburt gespielt im Bett.

00:14:03: Morgens ist dann zu uns gekommen, und dann hat sie mir immer gesagt was ich jetzt zu meinem Mann sagen muss.

00:14:09: Ich muss sagen ich kriege jetzt ein Kind.

00:14:11: Und dann kamen Sie raus.

00:14:12: und dann musste ich sagen also ich musste dazu sein unsere Tochter ist farbig musste dann dazu da zusagen guck mal wie schöne schwarze Locken die hat.

00:14:19: und Ja das haben wir dann fast eine ganze Zeit lang fast jeden morgen gemacht.

00:14:27: Ja, das sind die ersten Ritualen an

00:14:28: der Stelle.

00:14:30: Haben wahrscheinlich auch Sicherheit gegeben

00:14:32: und

00:14:33: Themen für ihr Alter mit dreieinhalb noch mal besprochen, die gerade in ihrem Leben einfach sehr zentral sind.

00:14:41: Wo komme ich eigentlich her?

00:14:42: So verbinde ich!

00:14:43: Und auch dieses ... Du wusstest ja, meine Mama ist gestorben.

00:14:48: Ich brauche jetzt eine neue Familie und da werde ich jetzt reingeboren.

00:14:54: Manchmal immer verrückt finde ich wie wie Kinder was für kreative Möglichkeiten haben, die diese Themen für sich so doch bewegen zu können.

00:15:05: Und so wirklich auch verbalisieren zu kann an der Stelle in Form eines Spiels.

00:15:14: Wo ich heute noch Gänsehaut kriege ist wenn ich daran denke wie wir da war.

00:15:18: sie ich glaube so drei Monate hier Da haben wir einen Ausflug gemacht und waren an der Tankstelle.

00:15:26: Sie musste zur Toilette, bin ich mit ihr zu Toiletten gegangen?

00:15:29: Und auf der Toilete sagt sie zu mir, bist du jetzt meine neue Mama?

00:15:35: Darf ich jetzt Mama zu dir sagen hat es mich wirklich so gefragt!

00:15:40: Wie gesagt kriege ich heute noch ein bisschen Gänsehaut bei und das war so ein schönes Erlebnis und da dachte ich ja ... Jetzt hat's doch richtig geflubbt

00:15:46: ne?!

00:15:46: In

00:15:46: einer so flüchtigen Situation passiert macht...

00:15:50: Genau.

00:15:51: Steht man da auf der Toilette?

00:15:52: Ja,

00:15:53: und ich hatte das Pipi in den Augen.

00:15:55: Ich kam wieder raus mein Mann guckt mich ansagt was los.

00:15:57: Pipi

00:15:57: ist natürlich auch ein guter Begriff auf derToilette.

00:16:01: Ach Mann wie schön es ist.

00:16:03: Das ist ja richtig mega!

00:16:10: Hier steht gerade die Frage gab es einen Moment bei dem zum ersten Mal, dass jetzt fühlt sich wirklich nach Familie an.

00:16:16: Das hört sich gerade noch so einem Moment an.

00:16:19: Absolut.

00:16:20: Jetzt noch weitere Momente, wo du denkst die haben uns so zusammengebracht?

00:16:27: Das hätten wir jetzt konkret kein Erlebnis ein.

00:16:30: aber eben dieses Gefühl wenn man gemeinsam irgendwo auftrat.

00:16:36: Man war halt dann jetzt... man hat den Kindern, weil wir waren halt Familie und wenn sie irgendwo waren und sie hatte einen mit Mama gesprochen das war schon schönes Gefühl.

00:16:49: Das hast du gerade gesagt Eure älteste, die hatten eine andere Hautfarbe.

00:16:56: Wenn ihr also umher stolziert irgendwie im Dorf in der Stadt wo auch bei irgendwie immer herumlauf gab es da häufiger mal Kommentare zu verwegen das ist aber nicht euer eigenes Kind oder weil das ist häufig schon noch ne Sorge die glaube ich angehende Pflegeeltern haben.

00:17:15: wir wohnen auf einem kleinen Dorf.

00:17:16: das ist vielleicht recht konservativ wenn Das kann ich mir nicht vorstellen.

00:17:23: Die Menschen sollen schon den Eindruck haben, dass das unser leibliches Kind ist.

00:17:28: Hattest du das überhaupt diesen ... Hast du solcher Leben es dir gar nicht gehabt?

00:17:32: Nee.

00:17:33: Also ist man gut.

00:17:34: Eigentlich nicht.

00:17:35: Man hat bei unserer Pflegetochter gemerkt, dass für sie zwischenzeitlich ein bisschen so ein Problem war.

00:17:43: Ich möchte weiß sein wie ihr, hat sie gesagt.

00:17:47: Weil sie wollte ja dazugehören!

00:17:51: Das hat sie gesagt.

00:17:52: Und was sie gesagt hat, als es dann darum ging ob wir noch ein weiteres Kind in die Familie aufnehmen da hat sie gesagt aber auf keinen Fall ein weißes Kind das war für Sie ganz klar

00:18:04: Ja ja das kann ich mir klar das kann nicht mehr gut vorstellen.

00:18:09: dann auch zu einem quasi eine Verbindete an der Stelle die halt so ist wie Ich.

00:18:15: Dann kommen wir doch mal zum zweiten kind.

00:18:18: genau dass Ja, wie alt war denn erst mal eure Größe?

00:18:22: Als ihr dachtet ja hier ist noch genug Platz und bei uns das funktioniert gerade so gut.

00:18:29: Wir würden gerne auch noch ein weiteres Kind in dieser Familie haben.

00:18:33: Kurz

00:18:33: bevor sie eingeschult wurde und es war auch ganz irgendwie... Manchmal passieren Dinge wo man denkt dass jetzt kein Zufall ist.

00:18:46: Also wir waren Das ist ja immer so, dass das Pflegeverhältnis nach einer gewissen Zeit von dem ersten Jugendamt wechselt zu dem Jugendamt wo die Pflegeeltern wohnen.

00:18:56: So wäre es bei ihr jetzt auch gewesen.

00:18:58: wir hatten dann das letzte Treffen im Grunde in Düsseldorf Und dann haben wir das thematisiert.

00:19:09: Sie wissen ja, wir möchten gerne noch ein zweites Kind und unsere Älteste möchte gern die Bedingungen vorgeben und sie möchte gerne dass das Kind auf jeden Fall dieselbe Hautfarbe hat wie sie und es soll ein Mädchen sein.

00:19:22: und nach Möglichkeit ein Baby hatte sie sich gewünscht.

00:19:27: Ja, und die Dame vom Jugendamt sagte dann ja ich habe sie gehört, ich registriere das ist natürlich kein Wunschkonzert aber wir gucken mal.

00:19:38: ne wenn sowas in der Richtung sich ergibt dann denke ich an Sie.

00:19:44: Und es ist tatsächlich so gewesen dass am Tag danach die Dame von dem Jugendamt informiert wurde dass eben die Mutter unseres zweiten Kindes entbunden hat zur Adaption freigeben möchte.

00:19:56: Und da traf genau alles zu, ein Mädchen dunkelhäutig und eben grad geboren.

00:20:03: So sind wir dann an unsere zweite Tochter

00:20:05: gekommen.".

00:20:06: Genau!

00:20:06: Und du hast gerade schon gesagt das ist ja kein Pflegeverhältnis sondern ihr habt dieses Kind adoptiert so ne?

00:20:15: Und diesen... Erst mal was würdest Du sagen?

00:20:18: was es der der Unterschied eigentlich zwischen Pflegefamilien sein und Allotivfamils sein.

00:20:24: Ihr seid jetzt beides, so was sind für dich erstmal da an der Stelle Unterschiede?

00:20:30: Und wo merkt ihr die?

00:20:32: Ja also ich würde sagen im Alltag und dem emotionalen Umgang miteinander macht es überhaupt gar keinen Unterschied.

00:20:41: Also wir haben ja wie gesagt drei, die sind alle drei.

00:20:43: Gleich werde ich unsere Töchter das macht überhaupt keinen Unterschied.

00:20:47: natürlich macht es insofern einen Unterschied.

00:20:49: in der Begleitung mit einem Adoptivkind ist man wird man nicht vom Jugendamt begleitet was man vielleicht erst wo man vielleicht erstmal denkt oh das ist ja vielleicht ein Vorteil da habe ich meine Ruhe.

00:21:03: aber dass würde ich jetzt im Nachgang auf keinen Fall so sehen.

00:21:08: Ja, man hat ... da gibt's ja nicht das alles nicht.

00:21:11: Da gibts kein Hilfeplan, da gibts keinen Vormund und all das scheidet ja aus.

00:21:18: Und keine Beratung?

00:21:19: Keine Beratungen!

00:21:20: Genau.

00:21:23: Das ist nicht unbedingt ein Vorteil.

00:21:28: Okay, genau aber es ist häufig so dass Also erstmal gibt es immer viele Fragen, was ist da eigentlich der Unterschied?

00:21:35: und insbesondere ist dann halt der rechtliche Unterschied.

00:21:38: Klar wenn ihr Adoptiveltern seid, seid ihr rechtlich gesehen die Eltern das ist beim Pflegeverhältnis halt nicht so.

00:21:44: aber das gesagt zu ihnen ganz normalen Alltag spielt das meistens keine Rolle.

00:21:49: Aber dann wenn's schwierig wird Dann ist es natürlich bei pflege Kindern so da hat man genau diese Ressourcen da, dann gibt es die Begleitung.

00:21:58: Dann gibt's die Beratung und dann gibt das Hilfeplansgespräche.

00:22:01: Und als Advertiefeltern hat man glaube ich einen Anspruch darauf, das zu bekommen.

00:22:08: aber das muss man erstmal ja... Da muss man die Schritte selber gehen.

00:22:13: Man trifft dann Leute, die man nicht schon seit Jahren kennt.

00:22:16: Genau!

00:22:17: Und man hat den Anspruch genau wie andere Familien auch haben mit leiblichen Kindern.

00:22:23: Das ist der gleiche Anspruch.

00:22:26: Bei uns war es auch tatsächlich so, dass wir Phasen hatten in denen es sehr schwierig war mit unseren Mittlerinnen.

00:22:32: Und wir hatten dann den Vorteil das wir als erstes schon ein Pflegekind hatten weil wir dann sowieso schon Kontakte mit dem Jugendamt hatten und dann wussten an wen wir uns wenden können und ja dann Hilfe erfahren haben.

00:22:51: ne?

00:22:52: Ja genau!

00:22:53: Das ist an der Stelle wirklich ein Vorteil.

00:22:55: Also ich weiß nicht, wie das Jugendamt das dann mache.

00:22:57: Aber bei uns ist dann ja schon auch der Anspruch wenn wir Familien begleiten beraten dass wir dann den Blick auf alle Kinder haben ob da jetzt Adaptivkinder dabei sind oder ob sie leiblichen Kinder in der Familie sind.

00:23:13: Da gehen wir halt dennoch mit drauf ein und schauen dass wir gucken Wie geht es der Familie im Ganzen eigentlich?

00:23:20: Und sagen okay das was mit der Schwester ist ... kann uns an der Stelle nicht interessieren.

00:23:25: Uns interessiert nur das Fegekind, ähm... Das ist halt nicht unser Anspruch und es... ... ist ja dann auch im... Es lief dir auch nicht im Alltag.

00:23:32: So, ne?

00:23:32: Nee, nee!

00:23:33: Das ist richtig.

00:23:34: Genau.

00:23:34: Aber

00:23:34: wir waren zu dem Zeitpunkt noch nicht vom VSE betreut,... ...und die Kontakte mit dem Jugendamt sind lange nicht so häufig.

00:23:43: Ja, genau.

00:23:46: Ja.

00:23:46: Wie war denn das?

00:23:47: Dann kamen die kleine Schwester an, die waren Baby..., ähm.... Wie hat denn eure Grüße darauf reagiert?

00:23:55: Ja, die hat da sehr gut drauf reagiert.

00:23:57: Die war ja dann schon im Vorschulalter.

00:23:59: insofern war es keine unmittelbare Konkurrenz für sie.

00:24:04: aber also Sie war stolze große Schwester ganz weil sie ja auch schon einiges machen konnte.

00:24:13: Sie konnte den Kinderwagen schieben, sie konnte ihr auch mal Flächen geben und so.

00:24:16: das hat sich ganz stolz gemacht.

00:24:19: Aber sie hat dann auch wieder so eine Phase gehabt, wo sie dann auch nochmal Baby sein musste.

00:24:24: Also sie hat auch noch mal ein Fläschchen getrunken und auch noch einmal bei uns im Bett geschlafen.

00:24:29: Und so das hat sie auch gemacht ja.

00:24:32: Da

00:24:32: musste er ein bisschen nachgenährt werden

00:24:35: wahrscheinlich.

00:24:36: Ja genau weil sie war ja dann dreieinhalb glaube ich als

00:24:39: ... Nee da war sie dann schon...

00:24:41: Als ihr zu euch kam?

00:24:42: Als Sie

00:24:42: zu uns kamen war sie dreieinhalb.

00:24:43: Genau

00:24:44: und da kann es natürlich gut sein dass sie dann doch einige Dinge noch mal ein bisschen neu erleben.

00:24:50: Genau, nochmal neu aufarbeiten ja.

00:24:53: Das hat sich doch gut daran.

00:24:54: Ja ist schön!

00:24:56: Gab es da so Momente wo ihr dachtet wow jetzt wird zu viert und jetzt ist das glücklich schon fast perfekt weil ich sage fast weil er irgendwann noch ein Drittes.

00:25:05: aber also dieses Familienleben mit zwei Kindern gab's da so besondere Momente?

00:25:11: Es war halt schön.

00:25:14: vor allen Dingen war es auch nach außen hin wirklich... schön, dass beide Kinder die selber Hautfarbe hatten.

00:25:21: Also es ist bis heute noch so das ganz viele Menschen denken, sie wären wirklich Schwestern und für uns war der Vorteil also man kam gar nicht in die Versuchung vor allen Dingen auch der jüngeren Tochter irgendwas zu verheimlichen oder irgendwelche sagen ja, das ein Kind adoptiert ist.

00:25:42: Das kann ich auch erst später erzählen oder so.

00:25:45: Da war von unserer Seite natürlich sofort offenes Spiel weil macht keinen Sinn.

00:25:52: Genau und die Versuchung

00:25:54: kam man gar nicht und insofern war das eigentlich ganz gut.

00:25:57: Man musste nicht auf den richtigen Augenblick warten sondern es war einfach direkt

00:26:01: da und es wurde so gelebt.

00:26:02: Ja genau und auch da ist es ja ein Vorteil dass das ersten Pflegekind das Thema leibliche Eltern und eventuell Kontakt oder auch nicht, aber zumindest irgendwie Form von Biografiarbeit.

00:26:15: Irgendwas wird es dann ja gegeben haben.

00:26:18: Und da kommst du immer nicht auf die Versuchung zu sagen, das sagen wir mal wenn der Augenblick greif ist.

00:26:26: Man kennt das ja aus so vielen Filmen, es hat Kind dreißig und geht irgendwie sucht irgendwas.

00:26:33: Und bekommt dann den Brief in der Hand wo die Adoptionsurkunde oder sonst was drinsteht.

00:26:40: Ja ich glaube dass ist da wirklich gut, dass ihr da so klar und gut mit umgehen konntet.

00:26:51: Mittlerinnen, da gab es auch mal auch immer mal Themen.

00:26:54: So wann fing das denn an?

00:26:55: Wo ihr dachtet hier brauchen wir jetzt eigentlich aber noch ein bisschen Unterstützung.

00:27:01: Ja das fing an.

00:27:04: also bisschen schwierig war sie von Anfang an nicht ganz von Anfangan Aber so als sie so alleine einschlafen sollte Da wurde es schwierig und wir konnten uns gar nicht erklären warum.

00:27:16: Einschlaven waren Riesenproblemen Ängste, Verlustängste.

00:27:21: Und dann war sie älter.

00:27:22: Sie wollte nirgendwo alleine sein und ist immer in dem ganzen Haus hinter mir hergelaufen.

00:27:27: Da merkte man, irgendwas ist da im Argen.

00:27:32: Man weiß ja nicht ... Wir wissen, dass sie nach ihrer Geburt keine negativen Erlebnisse hatte.

00:27:41: Aber zumindest gab es zwei Mal einen Bindungsabbruch Und ich bin mir auch sicher, dass auch Erlebnisse während der Schwangerschaft ein ungeborenes Kind prägen können.

00:27:52: Definitiv!

00:27:53: Ja und von daher war es dann da halt auch immer mal schwierig.

00:28:00: Ich weiß gar nicht mehr wann das denn kam... Da war sie in einer Grundschule, da haben wir tatsächlich auch irgendwann Hilfe vom Jugendamt bekommen.

00:28:12: Dann war sie an der Tagesklinik Ja, da kam dann eins zum anderen und dann war es mal besser und mal schlechter.

00:28:25: Welchen Alter war das ungefähr?

00:28:27: Ich glaube du hast ja jetzt gerade nicht gesagt oder so anfingen mit diesen Themen.

00:28:31: Wo's dann schwierig wurde war... Da war es vielleicht acht, neun.

00:28:40: Also auch im Schulalter.

00:28:44: Also sie hat auch schon, das muss man auch dabei sagen, fand ich damals bemerkenswert mit vier Jahren schon gesagt.

00:28:50: Ich will aber meine Mutter treffen und obwohl ja bei einer Adoption dass er so nicht vorgesehen ist haben.

00:28:58: dann hat sich dann da Sie jetzt selber gesagt, Mattel, ich rufe da an im Jugendamt.

00:29:04: Sie hat selbst angerufen mit vier jahren und hat gesagt, ich möchte meine Mutter treffen.

00:29:10: Dann haben die das versucht auch vom Jugendamt, haben noch mal Kontakt mit der Mutter aufgenommen.

00:29:14: Die wollte das aber nicht, hat das abgelehnt und vielleicht war das auch mit so ein bisschen der Auslöser bei ihr zu dieses Gefühl, die wollte mich schon erst nicht haben.

00:29:26: und jetzt lehnen sie mich nochmal ab ob das vielleicht und ich weiß es nicht.

00:29:36: Ist denkbar, dass das vielleicht...

00:29:38: Das ist denkbar.

00:29:38: Es ist eine Option von mehreren die es da geben kann ja und aber ververständlich also dass so ein Vierjähresmal ist ja wirklich abgefahren, dass sie selber das Jugendarbe angerufen hat.

00:29:54: Also da hätte ich gerne den, wäre ich gerne der Mensch gefiessen, der hat das Anruf entgegengenommen.

00:30:05: Wie, wer ist da?

00:30:07: Du wirst mit deiner Mama sprechen.

00:30:08: Es ist ja wirklich abgefahren die Geschichte und leichter dich so herzerreißen.

00:30:15: Und was das für sie an der Stelle dann auch in diesen Momenten bedeutet hat... dass man nicht weiß wo man als Vierjähriges ist.

00:30:25: Wer habe mich eigentlich liebt wenn meine Mama mich nicht liebte?

00:30:29: weil mit vier Jahren klar hat sie das Konzept von Familie und Mutter natürlich erstmal so bei euch erlebt, aber auch da gibt es ja schon äußere Einflüsse.

00:30:39: Kita wo man ganz viele andere Eltern sieht und das sind alles dann die leiblichen Mütter an der Stelle oder natürlich auch Väter.

00:30:47: also dieses Bild von eine Tochter gehört zur Mutter oder zu den Eltern.

00:30:55: Das ist auf jeden Fall da gewesen.

00:30:57: Aber verrückt wie konntet ihr das denn aufnehmen?

00:30:59: Und wie konndet ihr dabei auch Ruhe bewahren weil das Leid ihr dem Kind ja nicht nehmen.

00:31:05: Nee, nee.

00:31:06: also das was wir gemacht haben, wir haben sie unterstützt in ihrem Wunsch und haben dann auch gesagt Ja, dann kümmern wir uns drum ob es etwas werden kann aber Es wurde halt nichts, ne?

00:31:19: Naja und dass ist tragisch Aber auch da gibt es natürlich gute Gründe warum die Mutter das nicht konnte.

00:31:28: wahrscheinlich von daher kein Vorruf an keinen Ja, und dennoch ist es ja schwer das mit anzusehen und zu wissen wir können jetzt nichts tun.

00:31:39: Wir haben jetzt alles probiert.

00:31:42: Wir bleiben offen und präsent dem Kind gegenüber und sind da aber mehr kann man in der Stelle nicht tun.

00:31:52: Und hat sich das irgendwann wieder beruhigt?

00:31:55: Also gab's dann danach wieder ruhigere Phasen oder bliebst turbulent.

00:32:00: also mit ihr bliebs tatsächlich immer turbulent.

00:32:04: Sie hat dann auch ... ja, so eine Art Impulskontrollstörung und eine sehr niedrige Frustrationstoleranz gehabt.

00:32:15: Und da wurde es teilweise schon sehr heftig, wo wir letztendlich mal eine kurze Auszeit brauchten.

00:32:23: Inwiefern?

00:32:25: Wo sie für ein Jahr in einer Wohngruppe ging.

00:32:27: Okay!

00:32:29: Dann ist das Kind ein Jahr, wie alt?

00:32:31: Zehn Elf oder...?

00:32:35: Mit zwölf ist sie in die Wohngruppe gekommen, sie ist dann in der Zeit dreizehn geworden.

00:32:38: Okay ja und dann war sie ein Jahr dort?

00:32:42: Und ist denn aber wieder zu euch gekommen?

00:32:44: Wow!

00:32:45: Wie kam es dazu?

00:32:46: was ist da passiert?

00:32:48: Ja also wir haben ihr von Anfang an haben wir mit dem Jugendamt und auch mit der Wohngruppee erarbeitet dass es eben keine dauerhafte Lösung sein soll sondern das Ziel ist wieder nach Hause zu kommen.

00:33:05: Und sie musste sich da quasi unterordnen, den Regeln und jetzt hat es ja auch gut gemacht.

00:33:14: Ja ganz zu Anfang nicht aber das.

00:33:16: er hat sich dann nachher gut darin geschickt und wir haben sie dann anfangs immer hingefahren, haben sie besucht alle paar Wochen... ...und nachher haben wir sie dann fürs Wochenende nach Hause geholt und dann immer öfter.

00:33:28: Das war quasi wie eine Anbahnung wieder.

00:33:31: Genau!

00:33:32: Eine neue Anbahnungen

00:33:33: an der Stelle.

00:33:35: Ja, dann ist ihr wieder hier eingezogen und ja.

00:33:40: Wow!

00:33:42: Wie war das denn für eure Tochter an der Stelle?

00:33:45: Also das ist ja auch quasi jetzt wieder einzuziehn mit dreizehntan...

00:33:50: Also das war natürlich Ihr großer Wunsch und unserer ja auch Und es war auch erst gut.

00:33:57: Aber ich sage mal grundsätzlich über diese ganze Geschichte ist sie nicht hinweg.

00:34:01: Das belastet sie immer noch.

00:34:05: Sie fühlt sich da immer noch weggeschickt oder abgelehnt.

00:34:09: Das ist schon so und das kann man ja auch nicht wegnehmen, aber wir hatten damals keine andere Chance mehr.

00:34:16: Es wäre nicht mehr anders

00:34:17: gegangen.

00:34:19: Manchmal muss man in der Entscheidung treffen.

00:34:21: Man weiß es eigentlich nicht für niemanden optimal, aber soweit geht's auch nicht.

00:34:30: Wir haben uns sehr schwer mitgetan, aber es wäre halt anders auch nicht gegangen.

00:34:33: Genau!

00:34:34: Das ist genau dieser Zwiespalt.

00:34:38: Wir wollen dich eigentlich nicht gehen lassen.

00:34:40: Eigentlich wollen wir das hier schaffen, aber wir merken wir es geht hier gerade nicht mehr und in vielen und den meisten Fällen ist es dann auch so dass da jetzt auch kein anderes Familien-Setting mehr an der Stelle helfen soll.

00:34:54: Nee, wir hatten

00:34:55: schon Erziehungsberatung hier und sie hat es schon in Erziehungbeistandschaft zwischendurch.

00:35:00: Wir hatten also schon einiges ausprobiert.

00:35:03: Ja das Interessante ist häufig gerade so bei Menschen die sich für das Thema Pflegefamilie interessieren.

00:35:10: Die fragen immer wie lang bleibt das Kind denn bei uns?

00:35:14: Das ist nur die Hauptfrage, weil man denkt immer okay das bleibt einige Jahre dort und dann geht es vielleicht in die Familie zurück oder so und dann wird uns das Kind weggenommen.

00:35:27: Und so häufig wie ich das gehört habe Wie Kolleginnen und Kollegen von mir dann immer gesagt haben, ich arbeite jetzt seit zwanzig Jahren in dem Bereich.

00:35:35: Also dass ein Kind wirklich wiederwillig zurückgeführt wurde.

00:35:40: Das habe ich noch nicht erlebt.

00:35:42: Klar das kann es geben Eltern können einen Antrag darauf stellen Aber meistens ist das nicht der Fall.

00:35:49: was aber häufiger der fall ist Dass man irgendwann merkt, dass man als Pflegefamilien an seine Grenzen kommt Und dann sagt okay Wir müssen hier etwas verändern und jetzt gerade geht es hier nicht weiter, aber das ist ja etwas ganz anderes.

00:36:04: So ne?

00:36:06: Und ähm... Ja!

00:36:08: Oh da gibt's so eine Zoffen über dieses Thema sprechen kannst.

00:36:12: Wie war das denn für euch, dass dieses Abgeben- Und war das ganz schlimm.

00:36:16: Ja was also ... Das war ja mein Kind.

00:36:20: Und dieses Gefühl sie wegzugeben mit der Situation nicht mehr fertig zu werden.

00:36:27: Das war für mich ganz, ganz schlimm und auch für mein Mann.

00:36:33: Wir waren wirklich richtig verzweifelt.

00:36:36: Aber wir mussten eben auch... Wir hatten uns ja zu dem Zeitpunkt schon die Dritte hier.

00:36:42: Und wir musten ja auch gucken, dass wir ... Wir sind ja auch für die anderen beiden da zuständig und müssen uns um die Sorgen kümmern.

00:36:52: Ja es war wie's war leider

00:36:56: Ja, so viele Emotionen und Dinge die man gleichzeitig regeln muss.

00:37:01: Also da erst mal im Kopf denkt man was ist hier eigentlich passiert?

00:37:07: Verspürt vielleicht den inneren Puls.

00:37:09: eigentlich würde ich jetzt gerne einfach drei Monate alleine auf der Insel sein und darüber habe ich

00:37:14: es... Den Wunsch hab' ich wohl öfter gehabt!

00:37:17: Um da einmal irgendwie rauszukommen um nach einmal mich wieder ein bisschen sammeln zu können aber klar tagsüber.

00:37:23: Oder man kommt nach Hause und dann sind da genau die beiden anderen Kinder.

00:37:27: Und die wollen natürlich auch gesehen werden, wie war das denn für die?

00:37:34: Also vielleicht insbesondere auch für die älteste der das ja mitbekommen.

00:37:40: Wie hat sie darauf reagiert?

00:37:42: Was habt ihr überhaupt für Worte gefunden?

00:37:45: Ja was hat die für Wörter gefunden?

00:37:50: Weiß ich jetzt nicht.

00:37:50: also Sie Für sie war das ganz, ganz schlimm.

00:37:53: Sie konnte das nur ganz schwer aushalten.

00:38:00: Er hatte auch zu dem Zeitpunkt auch schon therapeutische Unterstützung bekommen.

00:38:06: Ich glaube die wäre am liebsten ausgezogen direkt und hat immer gemeint, sie müsste mich schützen und mich unterstützen weil sie gemerkt hat wie schlecht es mir damit ging.

00:38:20: Da kamen sie immer und wollte Mama Wie kann ich dir helfen?

00:38:26: Das ist ein gut gemeinter Wunsch und sehr liebevoll von dem Kind.

00:38:30: Aber ich habe ihr dann auch immer versucht klarzumachen, das ist nicht dein Job.

00:38:35: Du brauchst dich nicht um mich kümmern oder Sorgen.

00:38:38: aber das hab' ich zwar gesagt aber es hat in ihrem Empfinden also auch nicht geändert ne?

00:38:45: Ja, aber ich glaube den zu sagen so ihr seid nicht für die Emotionsregulation von mehr verantwortliches.

00:38:56: Es ist toll und dass du so empathisch bist, aber das klären Papa und ich untereinander.

00:39:03: Und wenn nicht haben wir auch noch andere Unterstützung?

00:39:06: Ich glaube dieses Zeichen den Kindern zu geben ist dann doch wichtig!

00:39:09: Auch wenn es natürlich nicht immer direkt ankommt.

00:39:11: und Kinder da kann es natürlich sein, dass sie sich für etwas verantwortlich fühlen.

00:39:17: Dann muss man genau hinschauen.

00:39:18: Ja absolut.

00:39:19: Ich habe das bei meiner Stelle gut gemacht Eure zweite dann wieder zurückgekommen ist.

00:39:29: Da war eure älteste ja auch schon relativ alt, da waren die dann...

00:39:33: Da wart ich schon...

00:39:35: ...und achtzehn?

00:39:38: Ja, also gefühlt mit einem Ball quasi schon aus dem Haus ungefähr aber natürlich dennoch emotional hier sehr verwurzelt.

00:39:46: Wie war das für sie?

00:39:47: War das so quasi ein Gefühl von wegenendlich sind wir wieder zu komplett oder war es ein bisschen ambivalent?

00:39:57: Also natürlich, als wir dann die Entscheidung getroffen haben.

00:40:03: Die Mitlaste zieht für einen Jahr aus.

00:40:06: War das für alle schlimm und also die anderen beiden Mädchen haben sie auch vermisst natürlich.

00:40:12: aber besonders die Große war dann auch skeptisch weil sie ja auch so viele schlechte Erfahrungen gemacht hatte.

00:40:19: in der Zeit war dann schon auch skeptisch, als sie wieder zurückkam.

00:40:25: Ja Mensch!

00:40:27: So viel Wirbellei und zwischendurch ist ein drittes Kind dazugekommen.

00:40:31: Hast du gerade schon gesagt?

00:40:33: Ich stelle ja immer gerne mal die Frage, euer Leben... ihr habt euch dein Leben schon zweimal komplett auf den Kopf gestellt.

00:40:41: Wie kann man denn... wie soll es man eigentlich so positiv verrückt und sagt ein drittens Mal mal das auch noch einmal?

00:40:47: Das war so da war die Mitlaste im Kindergarten.

00:40:55: Und ja, ich hatte ... war halt da zu dem Zeitpunkt nicht berufstätig und bin irgendwie auf die Idee gekommen und fand das auch toll, hab dann Bereitschaftspflege gemacht.

00:41:06: Ach okay!

00:41:07: Das auch noch?

00:41:08: Ja, das auch noch.

00:41:10: Und hatte dann mehrmals noch ein Baby hier im Haus und das hat mit den anderen beiden zusammen sehr gut funktioniert.

00:41:19: Und irgendwie haben mein Mann und ich dann gereicht auch noch eins dabei, wäre vielleicht auch ganz schön.

00:41:25: Ja.

00:41:26: Irgendwie ist dann dadurch so der Wunsch gereift.

00:41:28: Dadurch dass wir Bereitschaftskinder hier hatten ne?

00:41:30: Ja.

00:41:32: Schön!

00:41:32: Ja.

00:41:34: Und dann seid ihr ... Dann war das... War dir noch vom Jugendamt begleitet oder mittlerweile von uns wie...?

00:41:40: Nee da war mir auch nicht beim VSE.

00:41:44: Da haben wir Weil die anderen beiden sind ja über dasselbe Jugendamt gekommen.

00:41:49: Und dann haben wir mit dem Jugendamt auch noch mal Kontakt aufgenommen und haben gesagt, ja, wir können uns das vorstellen.

00:41:55: Noch ein drittes Kind und haben das dann auch ... Wir sind auch über dieses Jugendamt, haben wir dann auch die Dritte vermittelt bekommen?

00:42:03: Jetzt hattest du eben beim zweiten Tag gesagt, da hat die Älste die ganze Zeit quasi gesagt was ist meine Bedingung!

00:42:11: Die Hautfarbe muss stimmen, Baby ... Ähnliche Wünsche auch beim dritten Kind.

00:42:17: oder war

00:42:17: das?

00:42:18: Nee, da hatte sich das relativiert.

00:42:19: Also die fühlte sich zu dem Zeitpunkt sowas von zugehörig.

00:42:24: Da kam kein Block mehr zwischen glaube ich.

00:42:29: Und wie war es dann?

00:42:30: Dann hattet ihr zwei Kinder und habt ihr vielleicht irgendwann einen Anruf bekommen?

00:42:35: Hier gibt es ein Kind Das braucht neue Eltern.

00:42:41: Zudem was das Kind braucht, ihr könntet das... Das könnten wir vorstellen dass es vielleicht eine Passung wäre.

00:42:46: Wie war das?

00:42:47: Wie war dieser Anruf?

00:42:48: Ja, das ist ja immer ganz aufregend und spannend und ähm..ja also wir waren ganz aufgeregt und das kam auch relativ schnell.

00:43:00: dann nachdem wir das gesagt hatten Und die Jüngste war damals sechs Monate als wir sie dann kennengelernt haben Wir waren auch so beide sofort schockverliebt

00:43:12: Ja.

00:43:13: Gebeide waren schockiert, das ist schon mal gut?

00:43:17: Wie war es denn mit den Geschwistern?

00:43:18: Und die fanden das auch toll!

00:43:19: Ja.

00:43:21: Die fanden dass auch super.

00:43:23: Und wie war dieses erste Zusammenleben dann?

00:43:25: Also war das... passte das gut oder gab's Dinge wo man dachte oh da gibt das eine Kind zeigt aber dennoch mal zeigt jetzt hier gerade ordentlich dass es hier auch noch was braucht.

00:43:40: Nee, das ging eigentlich.

00:43:42: Also mit der Mittlerin war es ja auch damals schon ein bisschen schwierig und das war immer so'n Auf-und-Abb.

00:43:48: Und das blieb auch so.

00:43:50: also... Das war nicht irgendwie dadurch beeinflusst würde ich sagen.

00:43:56: Das ging ganz gut!

00:43:58: Die Jüngste die war auch ganz normal gut entwickelt und das waren ganz fröhliches Kind bis heute noch.

00:44:07: Und dass war schön, ja.

00:44:11: Kinder von unterschiedlichen Eltern, von unterschiedlich leiblichen Eltern.

00:44:16: Gibt es da auch manchmal so ein Balance-Arkt?

00:44:18: So irgendwie zu schauen hey... dass eine Kind reagiert so auf Situationen das andere vielleicht so auf Situationen.

00:44:27: Das hat ja auch die spezifischen Familiengründe oder die Gründe einfach der Geschichte dieses Kindes.

00:44:33: also wie schafft man das überhaupt so als Eltern unterschiedlichen Geschichten der Pflegekinder so unter einen Hund zu bekommen, dass man jedes Kind individuell noch betrachten kann und die nicht miteinander vergleicht.

00:44:47: Weil das finde ich ja wenn man drei leibliche Kinder hat dann kann man sagen ja der eine tickt vielleicht ein bisschen so ne andere so aber im Endeffekt weiß man okay die haben alle jetzt hier die gleiche Erziehung genossen sie haben alle mehr oder weniger die gleichen Erfahrungen gehabt und es ist ja bald drei unterschiedlichen Kindern also von Kindern von unterschiedlichen Eltern komplett anders, ganz andere Dinge erfahren, schwere Dinge erfahren.

00:45:11: Fällt das manchmal auch schwer da so diese Individualität zu bewahren und zu wissen, was braucht das eine Kind eigentlich von mir?

00:45:20: Und das andere Kind braucht etwas anderes von mir.

00:45:23: Erlebt ihr das?

00:45:25: Ja natürlich!

00:45:26: Ich finde, da geht es auf viel Empathie- und Einführungsvermögen dazu zu gucken an welcher Stelle steht das Kind gerade und was brauch ist.

00:45:37: Und da dicht man vielleicht auch nicht immer richtig mit, ne?

00:45:39: Das ist klar.

00:45:41: Aber vielleicht ist manchmal auch ein Vorteil, dass man sagt ... Dass man das nicht auf sich selber zurückführen kann.

00:45:47: Weil sind ja nicht meine in dem Sinne.

00:45:50: Ja!

00:45:51: Was habe ich den Spruch hab' ich tatsächlich auch schon zweimal gehört.

00:45:55: Dass man so wenn's ganz schlecht läuft... Dass man dann auch tatsächlich es einfach für sich so denkt.

00:46:02: Ja weil jetzt auch nicht mal eine leibliche Tochter Das ist okay.

00:46:08: Soll es nicht abwerten?

00:46:09: Nein, auf keinen Fall.

00:46:13: Bei leiblichen Kindern würde man vielleicht überlegen von wem hat sie das jetzt?

00:46:16: oder so ... Kommt keine Schuldzuweisung, dass man jetzt sagt zum Beispiel von dir oder von dir.

00:46:26: Genau die ist genauso dick kürkfisch wie du das hat sie von dir gelernt oder so.

00:46:32: Wir machen da eher immer einen Joke raus, dass wir sagen die positiven Eigenschaften also das hat sich von mir

00:46:40: sehr gut.

00:46:42: Jetzt haben noch gar nicht von deinem Mann eigentlich gesprochen.

00:46:46: Wie erlebt er dann eigentlich diese Unterschiedlichkeit von den Kindern.

00:46:53: Ich merkst du aus deinem... Du hast einiges mitbekommen und kannst da heute relativ entspannt irgendwie gefühlt, aber auch denn noch darüber sprechen?

00:47:02: Wie ist das für ihn eigentlich?

00:47:05: Wie haben ihnen die Geschichten der Kinder eigentlich angesprochen?

00:47:11: was?

00:47:12: wie geht er mit auf einmal schwierigen Situationen vielleicht auch um?

00:47:18: Ja

00:47:19: also Mein Mann tut sich da deutlich schwerer mit, auch so zu verstehen dass ihm gewisse Verhaltensweisen halt ihre Begründung haben und ihre Berechtigung haben.

00:47:34: Und aus vielleicht früher erlebten oder aus bestimmten Verhaltungsmustern kommen.

00:47:43: also er tut sich damit deutlich schwer und erwählt dann häufiger schon mal den Rückzug Weil wenn ich da gar nicht darauf klarkomme, dann kann ich besser gehen.

00:47:56: Verlässt dann die Situation schon mal und dann busse ich das regeln.

00:48:03: Ist das auch okay für euch?

00:48:05: Also für dich an der Stelle?

00:48:07: Ja... Das ist schon ok.

00:48:12: Bei jeder tickt ja irgendwie auch anders Und jeder hat eine andere Schwelle was man aushalten kann und was nicht.

00:48:20: Das ist schon okay.

00:48:21: Ja, ich mein wahrscheinlich besprechte die Situation hinterher noch mal in Ruhe vor euch.

00:48:26: Ja auf jeden Fall.

00:48:27: Auf jeden Fall!

00:48:27: Seit was war eigentlich los?

00:48:28: Was hast du an der Stelle gefühlt?

00:48:30: und dann ist das ja auch gut...

00:48:32: Und ich denke es ist immer besser wenn bevor ich vielleicht selber merke ich eskalier gleich oder mich belastet dass so dann kann nicht besser rausgehen und vielleicht eine Runde mit dem Hund gehen und sich ein bisschen wieder abreagieren.

00:48:48: Was entspannt dich denn eigentlich?

00:48:52: Solche Dinge, vielleicht kannst du sie ein bisschen mehr noch nehmen als dein Mann.

00:48:57: Aber auch bei dir ist ja irgendwann vielleicht auch mal Ende mit Empathie.

00:49:01: Ja natürlich!

00:49:02: Was hilft dir dann wenn es dich mal so richtig getroffen hat und das kann ich mehr.

00:49:08: was hilft dir da wieder Wissen zu Kräften zu kommen?

00:49:12: Also tatsächlich hilft mir der Austausch.

00:49:17: Ich habe gute Freundinnen, mit denen ich darüber über solche Probleme sprechen kann.

00:49:25: Die Situation mit angenommenen Kindern ist eine Situation, die kann man lange nicht mit jedem besprechen und da hat auch lange nicht jeder Verständnis für.

00:49:34: Aber wenn man da einmal jemand gefunden hat dann ist man auf der glücklichen Seite.

00:49:39: und kann sich austauschen.

00:49:40: Das ist eine große Hilfe, wir haben auch so ein Stammtisch von Pflegeeltern sind wie sieben Paare.

00:49:50: die anderen Eltern haben ihre Kinder schon deutlich größer.

00:49:52: aber wenn man da was erzählt dann wissen ja das haben wir auch gehabt Ja das hatten wir auch schon Und da haben wir dies probiert.

00:49:59: und das tut einfach total gut Wenn man das Gefühl hat der andere kennt das und der anderer hat Verständnis für ihn.

00:50:09: Ja, das tut mir einfach gut.

00:50:11: und einfach zwischendurch mal eine kurze Auszeit.

00:50:14: Also wir haben uns angewöhnt Lange aus Zeiten geht ja schlecht Das lässt sich hier nicht händeln.

00:50:19: aber so mal eben ne kurze auszeit.

00:50:22: also mittlerweile geht es auch mit der jüngsten schon So dass wir mal sagen abends sagen können wir gehen mal essen oder wir sind Mal abends kurz weg.

00:50:31: Oder wir machen schonmal dass wir für eine übernachtung irgendwie wegfahren man man und ich eben eine auszeit haben und dann übernimmt unsere Älteste hier schon mal das Regime.

00:50:41: Und ich muss auch sagen, der Austausch mit meiner Ältesten ist auch goldwert.

00:50:48: also die ist jetzt auch eher Erzieherin und hat ja viel Fachwesen auch und wir sind einfach sehr dicke miteinander ein gutes Team.

00:51:00: und sie merkt, ihr habt eine unheimliche Empathie, merkt sofort wenn bei mir irgendwie Was ist dann, sag mal mal was ist los?

00:51:09: Und dann steht sie mir auch mit Rat und Tat zur Seite.

00:51:13: Da muss ich immer schon aufpassen dass ich ihr nicht so viel erzähle um sie nicht allzu sehr zu belasten.

00:51:19: Das hast du gerade auch erzählt.

00:51:20: Ja genau.

00:51:23: Deine älteste, das wäre jetzt noch mein letztes Thema, ja die... Jetzt, dreiundzwanzig?

00:51:30: Vierundzwanzig sogar!

00:51:31: Okay, vierund zwanzig.

00:51:33: Er ist dann irgendwann ausgezogen.

00:51:36: Das war auch ein ganz spannendes Thema.

00:51:38: Sie hatte, ich muss da weiter ausholen... Auch immer im Kontakt mit unseren Pflegeeltern stammtisch waren wir uns alle eigentlich einig, dass Pflegekinder meistens länger brauchen bis sie so weit sind den sicheren Hafen verlassen zu können.

00:51:57: und Marie war nicht soweit aber sie wollte hier der Situation entfliehen hat zweimal über den Anlauf genommen auszuziehen und zweimal wieder eingezogen, weil es nicht funktioniert hat.

00:52:12: Weil's zu früh für sie war.

00:52:14: Und jetzt ist sie aber seit anderthalb Jahren ausgezogen, wohnt mit ihrem Freund zusammen, ist jetzt auch fertig mit ihrer Ausbildung, verdient ihr Geld und jetzt läuft

00:52:25: das.

00:52:27: Wow!

00:52:27: Na ja ... und war wahrscheinlich für euch aber auch noch mal ein bisschen ... mehrere Anläufe.

00:52:34: Ja,

00:52:34: ja sehr emotional.

00:52:35: Wahrscheinlich habt ihr auch beim dritten Mal dann gedacht mal schauen wie es wird?

00:52:40: Also ich hatte große Angst zwischendurch ob das nicht wieder kippt und ob sie das schafft und weil sie auch psychisch nicht so ganz stabil ist.

00:52:50: aber die hat das gut gemeistert und ich bin total stolz auf die dass sie das so macht Und dass wir auch noch trotz einem so ein gutes Verhältnis haben.

00:52:59: Ja, das ist ja auch etwas dieses Pflegefamilie in der Jugendhilfeform.

00:53:06: Irgendwann ist quasi die Maßnahme beendet und dann sind da aber immer noch mehrere Menschen, die die ganze Zeit miteinander geliefert haben.

00:53:15: und dort sagt jemand Mama und sagt Papa und ihr sagt unsere Tochter.

00:53:21: Dieses Band bleibt bestehen.

00:53:23: So klar!

00:53:24: Das kann mal gut Das kann mal gut laufen, das kann auch mal sein.

00:53:28: Dass es da nicht so gut läuft und man auch mal richtig Stress hat miteinander oder so.

00:53:33: aber das ist ja halt auch Familie.

00:53:35: Das passiert in dem kommenden besten Familien vor.

00:53:40: Und danach finde ich es so schön wie du es gerade beschrieben hast dass sie jetzt die Ausbildung gemacht hat und jetzt nicht nur diese Tochterbeziehung zu dir an sich ja auch Weil eine Rückmeldung gibt zu verschiedenen Dingen.

00:53:57: Wie ist das für dich?

00:53:58: Zu wissen, hey du warst mal die Kleine, die wir bei uns aufgenommen haben und jetzt bist Du die Große!

00:54:05: Und wir können hier gerade so auf Augenhöhe miteinander kommunizieren.

00:54:11: Was ist das Gefühl?

00:54:12: Das ist ein total schönes Gefühl auch... von ihr so ein Feedback zu kriegen über ihre Zeit hier.

00:54:21: Und die sagt, man hätte nichts Besseres passieren können als bei euch zu landen und das ist einfach total schönes Gefühl!

00:54:30: Ich muss sagen alle drei Mädels sind tolle Mädels.

00:54:33: ich bin auf alle drei total stolz und die machen alle drei ihren Weg da bin ich ganz sicher.

00:54:40: aber Marie ist schon soweit dass sie halt Ja, so ein bisschen mehr Weitblick schon hat und rückblickend gucken kann.

00:54:53: Und immer sehr wertschätzend uns gegenüber sich geäußert hat und das tut einfach total gut.

00:55:03: Das klingt richtig schön vor allem wenn man irgendwie diese Entwicklung sehen kann.

00:55:10: Das ist ja etwas wenn man eine Familie wird, man weiß nicht was die Zukunft bringen wird aber ich finde über solche Geschichten Nicht jede findet so einen Ausgang, glaube ich.

00:55:19: Aber wenn man die dann hört und wenn man irgendwie mitbekommt, dass Pflegefamilien da einfach sowas bewirken können... Es wäre jetzt in den Glaskugel zu schauen was wäre, wenn ihr nicht gewesen seid und das will ich auch hitzlichen wie sagen von wegen Kinder sollten dankbar um ihre Pflegereltern sein?

00:55:39: Das ist ja auch Quatsch!

00:55:40: Das kann man ja auch nicht erwarten.

00:55:41: aber sie ist es tatsächlich.

00:55:43: Und genau, das kann man nicht verlangen.

00:55:45: Wenn das so ist und dann ist es natürlich schön... Ja aber es ist echt eine richtig schöne Geschichte.

00:55:54: Das schade dass sie nicht hier ist.

00:55:57: Sie wäre heute gerne dabei gewesen, aber

00:55:59: sie ist leider

00:56:00: krank.

00:56:01: Aber von daher du konntest dir gut vertreten an der Stelle.

00:56:06: Vielleicht ergibt sich ja nochmal irgendwann die Gelegenheit, dass ich mit ihr noch mal spreche weil ich finde diesen Blick auf jeden Fall sehr interessant.

00:56:13: Die hat das ganze Thema Pflegekind sein erlebt und ich finde es ganz insbesondere interessant, wenn dann diese Menschen halt auch in so pädagogischen Bereiche reingehen.

00:56:25: Weil die auf jeden Fall eine Brille auf haben, die keiner von uns der das nicht erlebt hat.

00:56:33: Man kann sich Wissen aneignen man kann Empathie zeigen aber das Erlebt zu haben was das heißt Das kann auf jeden Fall eine richtige Ressource sein für Kinder, die ihnen es dann eh nicht gehen.

00:56:46: Also ich glaube da kann sie eine große Stütze sein im Kindergarten für Kinder die ähnliches erlebt haben.

00:56:56: Das finde ich immer... daraus tatsächlich eine Ressource und ich glaube darum geht generell darum viel Menschen mehr zu zeigen, welche Geschichten eigentlich viele Kinder haben und auch Adeptivkinder haben.

00:57:12: Und dass diese Sichtweise die Bedürfnisse, die diese Kinder haben ernst genommen werden.

00:57:20: und ich glaube da kann eure Tochter an der Stelle richtig gutes bewirken.

00:57:26: So jetzt haben wir viel über euch gesprochen.

00:57:30: Als letzte Frage habe ich noch die stelle ich immer gerne und zwar Viele Leute hören ja diesen Podcast und denken auch Pflegekinder könnte das für uns sein.

00:57:40: Ich weiß ja nicht genau, mal schon mal reinhören!

00:57:42: Mal gucken wie fühlt sich das denn an?

00:57:45: Wenn du jetzt mit irgendjemanden sprechen würdest der sagt boah du Petra ich weiß nicht.

00:57:51: Pflegelkinder könntest was für uns sagen.

00:57:53: Was würdest du diesen Menschen dann sagen?

00:57:57: Ja es kommt natürlich auf die Menschen an die das sagen aber ähm...ja ich würde denen sagen wenn man Offen auf die Kinder zugeht, denen eine Chance gibt ist es eine totale Bereicherung so ein Leben zu führen.

00:58:14: Es wird zwischendurch anstrengend sein.

00:58:19: An einigen Stellen vielleicht ganz anders als man es erwartet hat aber es lohnt sich auf jeden Fall und das ist ne Bereicherung.

00:58:27: Super Petra vielen Dank für das Interview.

00:58:29: Ja

00:58:30: gerne!

00:58:32: Das haben wir in Gesprächen mit Petram und eine Familiengeschichte, die sich über viele Jahre immer wieder verändert hat.

00:58:38: Was ich aus diesem Gespräch besonders mitnehme ist wie unterschiedlich diese Wege von Kindern innerhalb einer derselben Familie sein können.

00:58:46: Pflegekind oder Adoptivkind zu sein sagt zunächst einmal wenig darüber aus welcher Erfahrung ein Kind mitbringt was es später braucht und vor welchen Herausforderungen eine Familie irgendwann stehen kann.

00:58:57: Bei Petra gehörte dazu auch eine Zeit, in der das Zusammenleben mit ihrer Adoptivtochter zu Hause nicht mehr möglich war.

00:59:04: Und gleichzeitig zeigt Petras Erzählung für mich auch welchen Unterschied Begleitung machen kann – als Pflegefamilie war Beratung selbstverständlich Teil ihres Weges.

00:59:13: Bei einer Adoption sind die Strukturen andere obwohl Familien dort vor große Herausforderungen stehen können.

00:59:19: Heute sind ihre Kinder unterschiedlich alt gehen ihren eigenen Weg und Familie sieht wieder anders aus als noch vor einigen Jahren.

00:59:26: Vielen Dank, Petra, dass du so offen von den Schönen aber auch von den schwierigen Teilen eurer Familiengeschichte erzählt hast.

00:59:32: Und euch vielen Dank fürs Zuhören!

00:59:34: Bis zum nächsten Folge von Netzwerkpflegefamilien der Podcast.

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